Chip-Krise eskaliert

Chip-Krise erreicht neues Level: Experte datiert möglichen Kollaps der Lieferkette

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Chip-Krise eskaliert für Autobauer: Der Streit um Nexperia belastet deutsche Unternehmen schwer. Experten befürchten bei VW einen nahenden Fertigungsstopp.

Den Haag – Die Chip-Krise nähert sich der Eskalation: Erst am Freitag (31. Oktober) war bekannt geworden, dass die Lieferprobleme bei dem Chipunternehmen Nexperia und damit die Folgen vor allem für die deutsche Autoindustrie zunehmen könnten. Die Krise kam ins Rollen, nachdem die niederländische Regierung die Kontrolle über die von einer chinesischen Konzernmutter geführte Firma mit Sitz in Nimwegen übernommen hatte. China stoppte daraufhin die Ausfuhr von Nexperia-Produkten wie Chips.

Volkswagen ist vom Chipmangel durch Nexperia schwer getroffen. (Symbolbild)

Chip-Krise: „Wenn es keine politische Lösung gibt, dann reißt die Lieferkette im November komplett“

Der Einkaufsmanager eines Autozulieferers sagte dazu dem Handelsblatt: „Auf einen Schlag waren die Lieferungen von Nexperia gestoppt.“ Auch jetzt seien binnen weniger Tage die Chip-Lager von Großhändlern leergelaufen. Demnach verkaufen nun Halbleiter-Broker die Teile teilweise zum 100-Fachen des früheren Preises. „Die Lage ist sehr ernst“, sagt er der Zeitung. „Wenn es keine politische Lösung gibt, dann reißt die Lieferkette im November komplett.“

Laut dem Handelsblatt haben die deutschen Autobauer und -zulieferer Taskforces eingerichtet und arbeiten unter Hochdruck daran, Ersatzlieferanten zu finden. Die Halbleiter sind in Fahrzeugteilen verbaut, die Volkswagen, Mercedes oder BMW bei Zulieferern wie Bosch oder ZF einkaufen. Sie benötigen demnach große Mengen der Chips.

Martin Geißler, Chipexperte der Beratungsgesellschaft Advyce, warnt in der Zeitung, dass die ersten Bänder bei VW Mitte November stillstehen könnten, „wenn keine politische Lösung gefunden wird und China die Lieferung nicht wieder aufnimmt“. Bei BMW und Mercedes sei die Lage weniger kritisch, da sie weniger abhängig von Nexperia seien. Aber irgendwann, so Geißler, breite sich das Problem über die Zulieferer in der ganzen Branche aus.

China will Ausnahmen beim Exportverbot für Nexperia-Chips machen

Es gibt aber erste Hoffnungen für eine politische Lösung der Krise: So hat sich China nach Angaben des Handelsministeriums bereit erklärt, Ausnahmen beim Exportverbot für Nexperia-Chips zu machen. „Wir werden die tatsächliche Situation der Unternehmen umfassend berücksichtigen und Ausnahmen für Exporte gewähren, die die Kriterien erfüllen“, erklärte ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums am Samstag.  Details zu den Voraussetzungen für eine Ausnahme wurden aber nicht mitgeteilt.

Die Wiederaufnahme von Lieferungen des Chipherstellers Nexperia war Teil einer Handelsvereinbarung, auf die sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping am Donnerstag (30. Oktober) verständigt hatten, wie das Wall Street Journal berichtete. Vertreter von China und der Europäischen Union wollten am Donnerstag ebenfalls über Nexperia sprechen, hatte ein EU-Sprecher gesagt. Quellen: Handelsblatt, dpa, AFP

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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