China „über Jahre zurückwerfen“

Chipkrieg eskaliert: USA untersagen Softwareexport nach China – Siemens betroffen

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Die USA verbieten den Export zentraler Chip-Software nach China. Die Folgen treffen unter anderem Siemens – und gefährden Chinas Halbleiterambitionen erheblich.

Frankfurt – Die US-Regierung hat Ende Mai 2025 neue Exportkontrollen eingeführt, die den Verkauf von gewisser Software nach China erheblich einschränken. Die Electronic-Design-Automation-Software (EDA) ist essenziell für die Entwicklung moderner Halbleiter. Siemens bestätigte dem Handelsblatt entsprechende Maßnahmen. Jost Wübbeke vom Beratungsunternehmen Sinolytics bezeichnete den Schritt als „Nuklearoption“, da nun die gesamte chinesische Halbleiterindustrie betroffen sei.

Die US-Regierung informierte am 23. Mai Anbieter von EDA-Software über neue Exportkontrollen für China sowie für chinesische militärische Endnutzer weltweit. Die Financial Times berichtete unter Berufung auf Insider, dass der Verkauf von EDA-Software nach China de facto untersagt wurde.

Nächster Schritt im Handelskonflikt: Neue Exportbeschränkungen treffen Chinas Chipentwicklung

Die neuen Beschränkungen treffen vor allem die US-Konzerne Cadence und Synopsys sowie Siemens EDA, eine Tochter von Siemens Digital Industries. Diese drei Unternehmen dominieren rund 80 Prozent des chinesischen EDA-Marktes. Synopsys erzielte im vergangenen Geschäftsjahr in China fast eine Milliarde Dollar Umsatz, etwa 16 Prozent des Gesamtumsatzes, heißt es in dem Bericht. Bei Cadence waren es rund 550 Millionen Dollar, zwölf Prozent des Umsatzes. Siemens weist den China-Umsatz des EDA-Geschäfts nicht separat aus, der Gesamtkonzern erzielt jedoch rund elf Prozent seiner Erlöse in China.

Experten warnen, dass die überwiegende Mehrheit der chinesischen Chipdesign-Unternehmen auf US-amerikanische EDA-Werkzeuge angewiesen ist. Zwar gebe es chinesische Alternativen, doch diese seien „noch weit davon entfernt, ein brauchbarer Ersatz zu sein“, erklärte Wübbeke. Die Beschränkungen könnten „Chinas Fortschritt in der Halbleiterindustrie möglicherweise um mehrere Jahre zurückwerfen.“

Chips auf Konfrontationskurs: USA kappen Chinas Zugang zu Schlüsselsoftware. (Archivbild)

USA wollen Chinas Fortschritt bei KI bremsen

Die chinesische Regierung hat bislang nicht offiziell auf die neuen Exportkontrollen reagiert. Allerdings könnten chinesische Unternehmen versuchen, mit veralteter oder nicht autorisierter Software kurzfristig Engpässe zu überbrücken. Zudem gibt es Berichte über neue Exportkontrollen bei Flugzeugmotoren, Werkzeugmaschinen, Chemikalien für Halbleiter sowie die Gase Butan und Ethan. Bereits in den vergangenen Tagen hatte sich der Streit zwischen China und den USA um Chips zugespitzt.

Die neuen Technologie-Beschränkungen stellen einen weiteren Versuch dar, Chinas Fortschritte in der Entwicklung leistungsstarker Chips zu bremsen – insbesondere solcher, die für den Einsatz in Künstlicher Intelligenz benötigt werden. Seit Oktober 2022 verschärfen die USA kontinuierlich ihre Exportkontrollen für Technologien, die zur Herstellung und Entwicklung von Halbleitern nach China geliefert werden. Inzwischen betrifft das nicht nur den Export der Hochleistungschips selbst, sondern auch die Ausfuhr modernster Maschinen, die für deren Produktion erforderlich sind.

Exportbeschränkung trifft auch US-Unternehmen Nvidia

Auch der US-Chiphersteller Nvidia ist von den neuen Exportkontrollen betroffen. Das Unternehmen darf seine fortschrittlichen KI-Chips nicht mehr nach China exportieren, berichtet die britische Tageszeitung The Times. Nvidia-CEO Jensen Huang kritisierte die US-Politik scharf und warnte, dass die Exportbeschränkungen Amerikas Führungsrolle im Bereich der künstlichen Intelligenz gefährden könnten. Er argumentierte, dass China bereits über KI-Fähigkeiten verfüge und die Isolation des chinesischen Marktes lediglich die Entwicklung eigener Technologien beschleunige.

Nvidia hat bereits einen erheblichen Umsatzrückgang in China verzeichnet und erwartet weitere Verluste in den kommenden Quartalen. Das Unternehmen erwägt, seine Aktivitäten in anderen Regionen auszubauen, um die Auswirkungen der Exportbeschränkungen zu kompensieren. Mit Material von Reuters.

Rubriklistenbild: © IMAGO / NurPhoto

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