Von Amy Walker
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Als Reaktion auf die Wahlpleite verabschiedet sich Christian Lindner aus der Politik. Dennoch wird er eine ansehnliche Rente beziehen.
Berlin – Die Bundestagswahl ist vorbei und die FDP ist krachend aus dem Parlament geflogen. Mit nur 4,3 Prozent der Stimmen hat die Partei um Christian Lindner eine große Niederlage erlitten. Noch am Wahlabend zog der ehemalige Finanzminister Konsequenzen und kündigte seinen Rückzug aus der Politik an. Er wird sicher in der freien Wirtschaft wieder aktiv werden, vielleicht genießt er es aber auch erstmal, Vater zu sein – seine Ehefrau Franca Lehfeldt bekommt bald das erste gemeinsame Kind des Paares . Lindner muss sich finanziell ohnehin erstmal keine Sorgen machen.
Übergangsgehalt für Lindner – aber keine Rente als Minister Nach dem Ausscheiden aus einem Ministerposten bekommen Lindner, Habeck , Scholz und Co. ein Übergangsgeld. Das ist für die ersten drei Monate genauso hoch wie das ursprüngliche Gehalt als Minister und sinkt danach auf die Hälfte. Dies gibt es dann zwei Jahre lang. Als Finanzminister hat Christian Lindner 17.990 Euro im Monat bekommen , die Hälfte davon wären 8995 Euro.
Nach der Bundestagswahl: Diese Politiker kommen als Wirtschaftsminister infrage Als Top-Favorit gilt die „rechte Hand“ von Kanzlerkandidat Friedrich Merz: Carsten Linnemann ist der Generalsekretär der Union. Er ist Diplom-Volkswirt und hat vor seinem Aufstieg in der CDU bei der Deutschen Bank und bei der Deutschen Industriebank gearbeitet. 1977 in Paderborn geboren, gehört Carsten Linnemann zum rechten Flügel der Union. Er gilt als Initiator der „Aktivrente“, die es Senioren in Deutschland ermöglichen soll, auch über das Rentenalter von 67 Jahren hinaus zu arbeiten. Aus diesem Grund wird sein Name auch häufig im Zusammenhang mit dem Arbeits- und Sozialministerium genannt. © IMAGO/Christian Ender Jens Spahn ist kein Unbekannter im politischen Berlin: Von 2018 bis 2021 war er der Gesundheitsminister im vierten Kabinett von Kanzlerin Merkel. Damit ist er in der Corona-Krise besonders in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt – und war erheblicher Kritik ausgesetzt. Der ausgebildete Bankkaufmann versucht seit dem Ende seiner Regierungszeit mehr in die Wirtschaftspolitik zu gehen und meldet sich als stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag häufig zu wirtschaftspolitischen Themen zu Wort, zum Beispiel zum Heizungsgesetz, für dessen Abschaffung er mehrmals plädiert hat. © IMAGO Julia Klöckner dürfte den meisten noch als Landwirtschaftsministerin unter der Kanzlerin Angela Merkel in Erinnerung sein. In der Opposition war sie wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU und wird deshalb als mögliche Kandidatin für den Posten als Wirtschaftsministerin gehandelt. Sie ist außerdem die Schatzmeisterin der CDU. © IMAGO Thorsten Frei ist der Parlamentarische Geschäftsführer der Union im Bundestag und hat sich in der Opposition zu einem wichtigen Mitstreiter von Friedrich Merz gemacht. In der Vergangenheit hat sich Frei auf Innenpolitik und Verbraucherschutz fokussiert, weshalb er eher als Außenseiter im Rennen um das Wirtschaftsministerium gilt. Es gilt aber als sicher, dass Frei einen wichtigen Posten im Merz-Kabinett einnehmen wird. © IMAGO/Frederic Kern Alexander Dobrindt ist der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Ein Name, der so gut wie sicher im nächsten Kabinett auftauchen wird, ist Alexander Dobrindt von der CSU. Aus Kreisen der Union hört man, dass sich Dobrindt aussuchen darf, welchen Posten ihm am besten gefällt: Wirtschafts-, Innen-, Verteidigung- oder Außenministerium. Natürlich kommt das ein bisschen auch auf den Koalitionspartner an – aber für den einstigen Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens dürfte das Wirtschaftsministerium durchaus seinen Reiz haben. © IMAGO Ina Scharrenbach ist die Bauministerin im Land NRW. Und was, wenn sich Merz jemanden aussucht, den keiner auf dem Schirm hat? Das immer möglich und in der Union gibt es auf Landesebene zahlreiche erfahrene Politiker und Politikerinnen, die in Frage kämen. Ein Beispiel dafür ist die Bauministerin von NRW, Ina Scharrenbach. Noch dazu würde die Diplom-Betriebswirtin und einstige Wirtschaftsprüferin das Frauen-Problem der Union lösen. © IMAGO/M. Popow Danyal Bayaz ist Finanzminister in Baden-Württemberg Zum Schluss noch zwei Politiker, die vom möglichen Koalitionspartner kommen könnten. Schließlich ist nicht mal sicher, ob die CDU überhaupt den Wirtschaftsminister stellt oder doch lieber Ministerien wie das Finanzministerium und das Arbeitsministerium haben möchte. Da Merz von den Grünen Robert Habeck als Wirtschaftsminister ausgeschlossen hat, könnte Danyal Bayaz aus Baden-Württemberg vorrücken. Er ist im Südwesten der Finanzminister und könnte nach der Landeswahl 2026 auf der Suche nach einem neuen Job sein. © Bernd Weißbrod/dpa Verena Hubertz ist Wirtschaftspolitikern der SPD Wird es eine Große Koalition mit der SPD, dann könnte Verena Hubertz eine Rolle spielen. Sie ist selbst Unternehmensgründerin und hat eine Koch-Plattform mit einer Studienkollegin gegründet. Seit 2020 ist sie nicht mehr dort die Geschäftsführerin, damals hat sie erfolgreich um den Bundestag kandidiert. Sie sitzt im Wirtschaftsausschuss und im Ausschuss für Klimaschutz und Energie – wäre also eine perfekte Kandidatin für das Amt der Wirtschaftsministerin. © Harald Tittel/dpa Danach können Bundesminister sich auf ein Ruhegehalt freuen, das ihnen ab dem 67. Lebensjahr zustehen wird. Bundesminister müssen dafür mindestens vier Jahre im Amt sein und bekommen dann 4990 Euro im Monat. Wer mehr Jahre auf die Straße bringt, bekommt eine höhere Pension bis maximal 12.908 Euro. Im Falle einer verlorenen Vertrauensfrage bekommen die Minister aus der Regierung auch mit weniger als vier Jahren diese Rente .
Christian Lindner bekommt trotzdem eine Pension: Das ist die Rente Für Christian Lindner trifft das alles aber nicht zu. Denn wer aus der Regierung freiwillig zurücktritt oder entlassen wird, bekommt keine Rente, wenn er oder sie nicht die vollen vier Jahre hat .
Trotzdem wird Christian Lindner nicht ohne Rente dastehen. Er bekommt auch als Bundestagsabgeordneter nämlich eine stattliche Pension. Wie der Bund der Steuerzahler informiert, erhalten Abgeordnete pro Jahr der Zugehörigkeit 2,5 Prozent ihres Gehalts später als Rente. Wer 26 Jahre lang dem Bundestag angehört, kann also auf 7298 Euro im Monat an Pension kommen. Das ist die Höchstpension, die man erreichen kann. Christian Lindner kommt auf zwölf Jahre im Deutschen Bundestag also 30 Prozent seines Gehalts. Insgesamt wären das 3368,16 Euro an Pension. Dazu kommen noch Bezüge aus seiner Zeit als Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen .
Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa