Home Staging

Den Wert der eigenen Immobilie steigern: Dieser Trend hilft beim Verkauf – auch im unsanierten Altbau

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Der veränderte Immobilienmarkt macht es Verkäufern gerade schwer. Vor allem schlecht sanierte Altbauten kommen preislich ins Rutschen. Mit Home Staging kann man die Immobilie schmackhafter machen.

Berlin – Wie heißt der alte Spruch? Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Das gilt vor allem auf dem Immobilienmarkt: Fühlt sich ein Interessent nicht auf Anhieb wohl, wird er auch nicht zuschlagen. Um den ersten Eindruck beim Verkauf einer Immobilie so positiv wie möglich zu machen, gibt es mittlerweile professionelle Hilfe. Der Trend aus den USA nennt sich „Home Staging“ – zu Deutsch „Heiminszenierung“. Für viele Tricks werden gar keine Profis benötigt.

Für 3000 Euro den Wert einer Immobilie um 20 Prozent steigern

Wer sein Haus verkaufen wollte, hatte zuletzt jahrelang gute Karten. Die Nachfrage nach Wohnimmobilien war groß, Interessenten standen oft Schlange. Aber der Markt ist in Bewegung. Vor allem unsanierte Immobilien verlieren immer mehr an Wert – der Energieverbrauch und damit die Energieeffizienzklasse spielen zunehmend eine große Rolle.

Für Besitzer älterer, unsanierter Immobilien wäre es sicher denkbar, etwas Geld in ein paar Sanierungsmaßnahmen zu stecken, um so eine Effizienzklasse nach oben zu rutschen. Je nachdem, wie viel gemacht werden muss, kann das aber sehr teuer werden. Wer vorhat, seine Immobilie zu verkaufen, sollte es sich gut überlegen, viel Geld in eine Sanierung zu stecken – auch, wenn das den Wert einer Immobilie steigern kann.

Eine andere Möglichkeit, die Immobilie für Kaufinteressenten schmackhaft zu machen, wäre hingegen effektiv und wesentlich günstiger. In den USA hat sich ein ganzer Dienstleistungsbereich, das sogenannte Home Staging, darauf spezialisiert, Immobilien für den Verkauf fit zu machen. „Dabei geht es um mehr, als Häuser umzudekorieren und aufzuhübschen, um am Ende einen möglichst hohen Preis zu erzielen“, sagt Iris Houghton, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign in Wiesbaden. Die Kosten für das professionelle Home Staging variieren, je nachdem, was gemacht werden muss. Eine Home-Stagerin aus Essen berichtete der Süddeutschen Zeitung, dass sie für 100 Quadratmeter zwischen 3000 und 3200 Euro verlange.

Wirkt auch ohne persönliche Gegenstände wohnlich: Beim Home Staging wird darauf geachtet, dass sich potenzielle Käufer direkt wohlfühlen.

Doch mit dieser Investition kann auch der Erlös gesteigert werden. So hat ein Branchenverband in den USA im Jahr 2020 festgestellt, dass in 85 Prozent der Fälle die Verkaufserlöse bis zu 23 Prozent höher ausfielen, als ohne Staging.

Tipps für das Home Staging: Das Haus mit fremden Augen sehen

Vielen Verkäufern sei aber laut Iris Houghton neben einem hohen Verkaufserlös auch daran gelegen, dass ihr Eigenheim in gute Hände kommt. „Sie wollen eben nicht, dass ein Bauentwickler das geliebte Heim aufkauft, abreißt und ein neues Haus auf dem Grundstück baut“, sagt sie. „Stattdessen möchten sie es lieber an eine junge Familie abgeben, die hier - wie sie selbst - ihre Kinder großzieht.“ Nicht selten würden aber auch Ehepaare in mittleren Jahren gesucht.

Um die gewünschte Zielgruppe anzusprechen, kann die Hilfe eines Home Stagers hilfreich sein. Der gestaltet das Haus so um, dass sich eine junge Familie oder ein Paar vorstellen kann, dort zu leben. Allerdings sind viele der Maßnahmen, die ein Home Stager macht, auch eigenständig umsetzbar. Es lohnt sich zum Beispiel, einmal mit den Augen eines Fremden durchs eigene Haus zu gehen, um störende Dinge zu erkennen. „Persönliche Gegenstände sollten möglichst vor dem Besichtigungstermin entfernt werden“, sagt Anna Katharina Fricke vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Das gelte für Familienfotos im Regal ebenso wie für Zahnbürsten und Cremetöpfe im Bad. Die Wohnung sollte möglichst wenig von der Persönlichkeit der bisherigen Bewohner zeigen.

Home Stager ersetzen Möbel und definieren Räume neu

Ein Home Stager übernimmt aber auch vieles, das privat sehr aufwendig wäre. So werden Möbel ersetzt, Räume werden teilweise neu zugewiesen, damit sie klar definiert sind, ihre Funktionen sollen direkt erkennbar sein. Und ganz wichtig ist der Blick in den Garten. „Der muss gepflegt und einladend aussehen, mit einem Platz zum Spielen für die Kinder“, so Iris Houghton.

Für ein Pärchen in mittleren Jahren sind vielleicht noch andere Dinge interessant als für eine junge Familie. Das Kinderzimmer kann in ein Büro oder einen begehbaren Kleiderschrank verwandelt werden, auch ein Yogaraum ist vorstellbar. „Die Fantasie der potenziellen Käufer soll angeregt werden“, sagt Houghton. „Sie sollen durchs Haus gehen und sich ausmalen, wie sie es nutzen würden.“ Und das falle ohne die alte Einrichtung eben leichter.

Ist das Haus so vorbereitet, kann ein Exposé mit aussagekräftigen Fotos erstellt werden. Bestenfalls kommt dann zum Besichtigungstermin keine bunt gemischte Interessentenschar, sondern es kommen junge Familien oder Pärchen, die sich direkt angesprochen fühlen. „Wer von vornherein auf eine bestimmte Zielgruppe setzt, wird das Haus schneller verkaufen, als wenn er sehr viele verschiedene Interessenten einlädt“, sagt Iris Houghton.

Mängel dürfen keinesfalls verschleiert werden

Trotzdem sollten Verkäufer unter keinen Umständen versuchen, Mängel oder Lasten zu verschleiern. Aktuell ist die Heizung ein wichtiger Punkt, auf den Käufer achten. Ist sie in die Jahre gekommen, sollten Verkäufer das dokumentieren. „Alles, was zu einer Entscheidungsfindung beitragen kann, ist willkommen“, sagt Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Keinesfalls dürfen größere Mängel übertüncht oder Schäden verschwiegen werden“, stellt er auch klar. Zwar wird das Haus gemeinhin gekauft, wie gesehen. Aber über schwerwiegende Mängel, die dem Verkäufer bekannt sind, muss er den Käufer informieren. Dazu ist er gesetzlich verpflichtet.

Mit Material von dpa

Rubriklistenbild: © Daniel Maurer/dpa-tmn

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