Bayer-Verschuldung

Der 63-Milliarden-Dollar-Missgriff: Wie Bayer sich selbst in die Misere gebracht hat

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Die Monsanto-Übernahme legte den Grundstein für die Verschuldung des Bayer-Konzerns. Großen Anteil daran hat auch eine Klagewelle in den USA, die 2018 begann.

Leverkusen – Im Juni 2018 übernahm die Bayer AG den US-Agrarchemiekonzern Monsanto und damit ein weltweit führendes Unternehmen der Branche. Insgesamt 63 Milliarden US-Dollar (rund 60 Mrd. Euro) ließ sich die Übernahme des 1901 gegründeten Saatgut-Herstellers damals kosten: Damit war die größte Firmenübernahme der deutschen Wirtschaftsgeschichte besiegelt. Von ihr versprach sich der Bayer Konzern, eine globale Spitzenposition in der profitablen Agrarchemie-Branche einzunehmen. 

In den nachfolgenden Jahren kristallisierte sich das Resultat der Monsanto-Übernahme für Bayer als ein denkbar anderes heraus: In den USA schlossen sich juristische Probleme in Form einer massiven Welle an Klagen an die Übernahme an. Daraufhin fiel der börsennotierte Marktwert der Bayer AG massiv ab: Von den rund 120 Milliarden Euro Börsenwert zum Zeitpunkt der Monsanto-Übernahme sank er bis zuletzt auf rund 22,5 Milliarden Euro und schrumpfte damit auf ein Sechstel seines einstigen Werts zusammen, daneben steht ein enormer Schuldenberg. Wie aber kam es zu diesem rasanten Abstieg der Bayer AG?

Aktuell schreibt die Bayer AG eine Verschuldung von rund 34 Milliarden Euro

Rund 34,5 Milliarden Euro Nettofinanzverschuldung wies die Bayer AG nach letztem Stand (2023) auf. Sie stehen am Ende einiger harter Jahre, die den einst so wertvollen Konzern bis nah an den Abgrund brachten. Im Zentrum jener Entwicklung steht der Unkrautvernichter Roundup, das weltweit absatzstärkste Pflanzenschutzmittel überhaupt. Das Blattherbizid wirkt über grüne Pflanzenanteile und nicht über ihre Wurzeln und bewirkt damit die systematische Bekämpfung von Unkraut, was es nützlich für die Landwirtschaft macht.

Bayer-Logo auf dem Werksgelände in Leverkusen

Für jene Wirkung im 1974 entwickelten Herbizid verantwortlich ist der Wirkstoff Glyphosat (N-(Phosphonomethyl) glycin). Es greift in die enzymatische Produktion bestimmter Aminosäuren ein, die für das Wachstum von Pflanzen notwendig ist, wie pflanzenforschung.de informiert. Anwendung in der Landwirtschaft findet es vor allem als Komplementärherbizid im Zusammenspiel mit gentechnisch verändertem Saatgut – dem zweiten essenziellen Pfeiler, auf der wirtschaftliche Erfolg Monsanto bis zur Bayer-Übernahme begründet war.

Glyphosat möglicherweise krebserregend? Das hielt die Bayer AG nicht von der Monsanto-Übernahme ab

Kritiker warfen dem US-Unternehmen schon zum damaligen Zeitpunkt vor, Landwirte von sich abhängig zu machen, indem es neben dem glyphosathaltigen Round Up auch Saatgut vertreibt, das gegen das Herbizid resistent ist. Denn nur so lässt sich Glyphosat landwirtschaftlich erfolgreich nutzen. Viel immenser jedoch wiegt betreffend Roundup und dem darin enthaltenen Glyphosat der Verdacht, das Herbizid könnte krebserregend sein.

Bereits 2015 – unmittelbar bevor die Bayer AG 2016 ein erstes Interesse an der Monsanto-Übernahme bekundete – kam die Krebsbehörde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu dem Schluss, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ sei. Doch der damalige Bayer-Geschäftsführer Werner Baumann hielt an seinem Vorhaben fest – und das wohl mitunter auch, weil sich die Bayer AG damals um eine potenzielle Übernahme ihrer selbst durch den US-Konkurrenten Pfizer sorgte, wie das ZDF berichtete.

2018 beginnt in den USA eine weitreichende Klagewelle gegen Monsanto und Bayer

Nur zwei Monate nach der historischen Monsanto-Übernahme folgte bereits ein erster Tiefschlag für die Bayer AG, der es in sich hatte. Ein Gericht in San Francisco war in einem Präzedenzfall zu einer Entscheidung gelangt, die richtungsweisend für den Abstieg der Bayer AG werden sollte: Der Schulhausmeister Dewayne Johnson, der Roundup über Jahre zur Unkrautvernichtung an seinem Arbeitsort benutzte, wird wegen eines Unfalls bei der Arbeit vollständig mit dem Herbizid durchnässt. Nach anfänglichen Hautinfektionen suchte Johnson direkt den Arzt auf, der wenig später die Diagnose Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom) beim Betroffenen feststellte. Er klagte vor Gericht, es bestehe ein Zusammenhang zwischen dem Unfall und seiner Krebserkrankung.

In der Verantwortung dafür sieht Johnson Monsanto Roundup und das Herbizid Glyphosat. Denn das US-Unternehmen bewarb das Produkt als sicher, sodass es unbedenklich ohne Schutzauskleidung in Vorgärten eingesetzt werden könne. Das Gericht in San Francisco gab der Klage im August 2016 statt mit der Begründung, Monsanto hätte nicht ausreichend vor den Gesundheitsrisiken des Herbizids gewarnt. Ursprünglich sollte Monsanto 289 Millionen US-Dollar zahlen, doch später wurde jene Summe auf 21 Millionen US-Dollar herabgesetzt. Auch wenn Bayer-CEO Baumann seiner Linie zunächst treu blieb und den Prozess als Arbeitsunfall abtat, entsprang daraus eine wahre Welle an Klagen gegen Monsanto in den USA. 

An diesen Universitäten haben Deutschlands Milliardäre studiert

Zwei Milliardäre gingen auf die Universität des Saarlandes.
Auf einem der unteren beiden Plätze des Rankings von Studying-in-Germany.org liegt die Universität des Saarlandes, auf die gleich zwei deutsche Milliardäre gingen. An der Universität mit einem Campus in Saarbrücken und Homburg studierte der Mitbegründer des Softwareherstellers SAP, Hans-Werner Hector, der etwa 2,2 Milliarden Euro besitzt. Er studierte Mathematik. Neben ihm war auch Thomann Bruch an der Universität eingeschrieben im Fach Betriebswirtschaft. Der Eigentümer der Globus-Baumarktkette hat mittlerweile ein Vermögen von rund 1,4 Milliarden Euro. © Imago
Zwei Milliardäre studierten an der RWTH Aachen.
Ebenfalls zwei deutsche Milliardäre studierten an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Dazu gehört Otto Happel, ehemaliger Eigentümer der Gesellschaft für Entstaubungsanlagen GEA, der dort in Ingenieurwissenschaften promovierte. Sein Vermögen beträgt heute rund 2,9 Milliarden Euro. Auch Peter Leibinger, Aufsichtsratsvorsitzender von Trumpf, war an der RWTH eingeschrieben, im Fach Maschinenbau. Er besitzt ein Vermögen von etwa 1,7 Milliarden Euro. © Imago
Drei Milliardäre besuchten die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat drei ehemalige Studenten, die mittlerweile zu den Milliardären zählen. Georg Näder, Leiter des Orthopädietechnikkonzerns Otto Bock, absolvierte dort ein BWL-Studium und besitzt nun ein Vermögen von 2,5 Milliarden Euro. Auch Martin Viessmann, ehemaliger Chef der Viessmann Group, die Heiztechnikprodukte herstellt, studierte an der FAU Betriebswirtschaftslehre. Sein Vermögen beträgt mittlerweile rund 2,4 Milliarden Euro. Eva Braun-Lüdicke, heute Digital Campaign Managerin im Familienunternehmen B. Braun, absolvierte einen Master in Amerikanistik an der FAU und verfügt über etwa 1,5 Milliarden Euro. Doch der reichste Milliardär mit Hochschulabschluss ging auf eine andere Universität im Süden Deutschlands. © Imago/Dwi Anoraganingrum
Die Technische Universität Karlsruhe besuchten zwei der Gründer von SAP.
Der reichste deutsche Milliardär mit Hochschulabschluss war an der Technischen Universität Karlsruhe (KIT). Stefan Quandt besitzt ein Vermögen von etwa 20 Milliarden Euro und ist Anteilseigner an seinem Familienunternehmen BMW. An der KIT studierte er Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften. Hasso Plattner (13,6 Mrd. Euro) und Dietmar Hopp (4,8 Mrd. Euro) waren vor der Gründung des Softwareunternehmens SAP beide am KIT im Fach Nachrichtentechnik eingeschrieben. © Imago/xHunterBlissx
Drei Milliardäre in Deutschland besuchten die Universität Passau.
Ebenfalls drei deutsche Milliardäre studierten an der Universität in Passau. Die reichste von ihnen mit einem jetzigen Vermögen von rund 3,5 Milliarden Euro ist die Tochter des ehemaligen CEO der Viessmann Group, Martin Viessmann. Anna Katharina machte in Passau ihren Bachelor in International Cultural and Business Studies. Im selben Fach eingeschrieben war Friederike Braun-Lüdicke (etwa 1,5 Mrd. Euro), die Leiterin der Kultur- und Diversitätinitiativen im Familienunternehmen B.Braun. Alfred Oetker (2 Mrd. Euro) hingegen hat dort Wirtschaftswissenschaften studiert. Er ist der Co-Chef der Geschwister Oetker.  © IMAGO/Daniel Scharinger
Campus der LMU München.
Eine der beliebtesten Universitäten unter deutschen Milliardären ist die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Dort haben Hubert Burda und Stefan von Holtzbrinck studiert, die beide heute im Medien- und Verlagssektor tätig sind. Burda (3,3 Mrd. Euro) studierte an der LMU Kunstgeschichte, während von Holtzbrinck (4,7 Mrd. Euro) Jura und Literatur belegte. Julia Thiele-Schürhoff, Aufsichtsratsmitglied und Tochter des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Knorr-Bremse AG, studierte ebenfalls Jura. Ihr Vermögen beträgt heute rund 2,8 Milliarden Euro. © IMAGO/Michael Nguyen
Platz der Universität in Freuburg.
Auch die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zählt zu den Hochschulen, an denen mehrere deutsche Milliardäre studiert haben. Lutz Mario Helmig, der als Chirurg und Unternehmer bekannt wurde, studierte Medizin in Freiburg. Er gründete Helios-Kliniken und verfügt mittlerweile über ein geschätztes Vermögen von 2,8 Milliarden Euro. Ebenfalls Medizin studierte Andreas Strüngmann, dessen jetziges Vermögen auf rund 11 Milliarden Dollar geschätzt wird. Gemeinsam mit seinem Bruder Thomas gründete er den Generikahersteller Hexal und war später einer der ersten Investoren von BioNTech, dem Unternehmen hinter dem erfolgreichen mRNA-COVID-19-Impfstoff. Eine weitere Milliardärin, die an der Universität Freiburg studierte, ist die Trumpf-Präsidentin Nicola Leibinger-Kammueller (1,7 Mrd. Euro). Sie war dort in Deutsch und Englisch eingeschrieben. In keiner Universität waren jedoch so viele Milliardäre eingeschrieben wie auf der folgenden Universität auf Platz eins des Rankings. © IMAGO/Schoening
Die TUM München besuchten die meisten Milliardäre in Deutschland.
Die Technische Universität München (TUM) führt das Studying-in-Germany.org-Ranking an und wurde von den meisten deutschen Milliardären besucht. Fünf von ihnen studierten an der TUM, darunter Georg Nemetschek (4,7 Mrd. Euro), Gründer des gleichnamigen Bau-Softwareunternehmens, der Bauingenieurwesen studierte, sowie Hans Langer (2,5 Mrd. Euro), Physiker und Gründer des 3D-Druckunternehmens EOS Group. Auch die drei Celonis-Gründer – Bastian Nominacher (1,1 Mrd. Dollar), Alexander Rinke (1 Mrd. Dollar) und Martin Klenk (1,1 Mrd. Dollar) – lernten sich an der TUM kennen und entwickelten dort die erste Version ihrer Prozess-Mining-Software als Studienprojekt. © IMAGO/Michael Bihlmayer

Rund 177.000 Klagen wurden laut Business Insider seitdem gegen Monsanto erhoben, 60.000 von ihnen seien aktuell noch offen. Zu Beginn des Vorjahres dann ein weiterer exemplarischer Fall: Ein Gericht in Philadelphia verurteilte Bayer wegen Roundup zu einer Schadensersatzzahlung von 2,2 Milliarden US-Dollar, wie die ARD-Tagesschau berichtete. Bayer legte Berufung ein, der Betrag reduzierte sich auf 400 Millionen US-Dollar. Die seit 2018 andauernden Glyphosat-Verfahren haben Bayer nach der Monsanto-Übernahme dennoch bislang mehr als zehn Milliarden Euro gekostet, berichtete die Wirtschaftswoche im Vorjahr.

Bayer setzt seinen Fokus in den kommenden Jahren auf den Schuldenabbau

Neben der Bayer AG selbst steht aber auch Baumanns Nachfolger an der Konzernspitze, der US-Amerikaner Bill Anderson, der das Unternehmen im Juni 2023 übernahm, auch gegenwärtig weiter unter enormem Zugzwang. Gestartet war er zum Zeitpunkt seines Amtsantritts mit der Ambition einer internen Rundum-Erneuerung des einst so schwergewichtigen Unternehmens. Seitdem erhält die Bayer AG aber nicht nur durch die angehäuften Klagen aus den USA Gegenwind, sondern auch durch die in den vergangenen Jahren zusehends abgeschwächte Weltwirtschaft. 

Mitte des Vormonats (14. Januar) wurde dann bekannt, dass Bayer in den kommenden zwei bis drei Jahren vorrangig alles an den Abbau seines Schuldenberges setzen will. „Größere Firmenzukäufe sehe ich zumindest in den nächsten zwei, drei Jahren nicht“, sagte der Chef der Sparte, Vorstandsmitglied Stefan Oelrich zu jenem Zeitpunkt der Neuen Zürcher Zeitung. (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Zoonar

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