- VonOlivia Kowalakschließen
Banken müssen seit Ausbruch der Inflation um jeden Kunden buhlen. Während etliche Bankhäuser mit der Zinsweitergabe bei Tagesgeldern sehr sparsam umgehen, freuen sich andere durch verlockende Angebote über Rekordwerte.
Im Sommer 2022 läutete die EZB das Ende der historischen Null-Zinsphase ein. Mittlerweile erreicht der Leitzins ein seit der Lehman-Krise 2008 historisches Hoch von 4,5 Prozent, um die seit der Corona-Pandemie ausgebrochene Inflation abzusenken. Eine Teuerungsrate von 2 Prozent im Euroraum ist das Ziel der EZB. Die Inflationsrate im Euroraum lag laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat im Februar 2024 bei 2,6 Prozent - für Deutschland ergab sich eine Inflationsrate von 2,5 Prozent. Prognosen der ING, Commerzbank, DZ Bank, SEB und die LBBW gehen davon aus, dass die EZB im Sommer 2024 den Leitzins absenken wird.
Zinswende der EZB: Banken müssen Kosten im Blick behalten
Für Banken bedeutet dies, dass Banknoten, die von der EZB geliehen werden, mit ebendiesem Zinswert zusätzlich versehen werden. Diese Kosten werden dann auf vergebene Kredite draufgerechnet. Inflation, ein anhaltender Arbeitskräftemangel und eine schrumpfende Kreditnachfrage belasten Banken weiterhin auf der Kostenseite. „Für die künftige Entwicklung der Kreditvergabe stehen die europäischen Banken vor dem Spagat, ihre Bilanzen resilient aufzustellen und Kosten weiter im Blick zu behalten.”, so Ralf Eckert, Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY, über die Situation.
Die gestiegenen Leitzinsen dürften Bankkunden allerdings freuen. Denn auch die Zinsen aufs Tagesgeld sollten damit auch steigen. Einer Zinsanalyse des Vergleichsportals Verivox zufolge zeigen viele Banken dennoch Zurückhaltung. Wie die Analyse ergab, zahlen 21 Prozent der Geldinstitute gar keine oder Niedrigzinsen von 0,01 bis 0,25 Prozent auf erspartes Tagesgeld. Dies betreffe vor allem regionale Genossenschaftsbanken, wie die örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken sowie die PSD- und Sparda-Banken. Grund dafür ist laut Lobbyverband der Volks- und Raiffeisenbanken der starke Unterschied zwischen den Laufzeiten von Einlagen und Krediten.
„Natürlich können regionale Kreditinstitute mit einem teuren Filialnetz nicht die höchsten Zinsen im gesamten Markt anbieten“, kommentierte Oliver Maier von Verivox Finanzvergleich GmbH das Ergebnis. „Doch dass in der aktuellen historischen Hochzinsphase bei der großen Mehrheit der Volksbanken und Sparkassen nicht einmal ein Prozent drin sind, ist aus Sicht der Sparer nur noch schwer verständlich“.
Nach attraktiven Tagesgeldangeboten: Trend zum Festgeld zeichnet sich ab
Andere Geldhäuser versuchen indes mit großzügigen Tagesgeldzinssätzen die Einlagen der Sparer zu gewinnen. So konnte die Onlinebank DKB mit einem Einlagenzuwachs von 100 Milliarden Euro gewinnen, indem sie von August 2023 bis Ende Januar 2024 3,5 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld zahlte. „Einige Gelder sind nach dem Ende der Aktion zu Wettbewerbern abgeflossen, sodass unser Einlagenbestand aktuell wieder leicht unter die Marke von 100 Milliarden Euro gefallen ist“, sagte DKB-Chef Stefan Unterlandstättner gegenüber dem Handelsblatt. Andere Banken wie die Quickborner Bank Comdirect, Openbank oder Suresse Direkt Bank liegen bei ihren Tagesgeld-Zinsen im Bereich von knapp vier Prozent.
Die Zinsen für Sparer sinken jedoch wieder seit einigen Monaten, weshalb Experten zu Festgeldanlage raten. Auch viele Kunden hätten Tagesgelder bereits umgeschichtet, bemerkte Unterlandstättner die Trendwende: „Ich erwarte, dass sich dieser Trend verstärken wird, wenn die EZB damit beginnt, die Zinsen wieder zu senken.“ Für Kunden werde es dann nämlich attraktiver, sich Zinsen für mehrere Jahre zu sichern.
Bei Festgeldern wird Geld für einen befristeten Zeitraum zu einem vereinbarten Zinssatz angelegt. Nach Ende der Laufzeit wird dieses mitsamt der Einlage ausgezahlt. „Für zweijähriges Festgeld zahlen deutsche Banken aktuell bis zu 3,8 Prozent Zinsen. Wenn man das vergleicht mit dem, was typische Hausbanken wie Sparkassen oder Volksbanken im Durchschnitt bezahlen, dort gibt es 2,2 bis 2,3 Prozent, dann macht das bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro immerhin 300 Euro Zinsunterschied“, erklärte Ralph Wefer vom Vergleichsportal Verivox gegenüber der Tagesschau.
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