Bis zu 190 km/h

Ab Dezember im Einsatz: Dieser RE-Zug ist fast so schnell wie ein ICE

  • schließen
  • Benjamin Stroka
    Benjamin Stroka
    schließen

Im Regionalverkehr beinahe mit ICE-Geschwindigkeit unterwegs sein – die RE-Züge machen es möglich. Wo sie fahren und wie schnell sie werden.

Der neue, sechsteilige, doppelstöckige Desiro HC soll ab Dezember 2023 im Netz Franken-Südthürigen unterwegs sein (Ilustration).

Coburg/Erfurt – Wenn es bei der Deutschen Bahn um Geschwindigkeit geht, dann fährt der ICE seit Jahren an der Spitze. Die schnellsten ICE-Modelle erreichen bis zu 300 km/h, auch wenn sie vielerorts aufgrund der Streckenbeschaffenheit oftmals gar nicht ihre Höchstgeschwindigkeit erreichen können. Im normalen Fahrgastbetrieb verkehren ICEs meist mit um die 200 km/h. Ein Regionalexpress ist da schon deutlich langsamer. Viele Modelle erreichen „nur“ 120 bis 140 km/h, manche 160 km/h.

In Bayern und Thüringen wird bald aber ein besonders schneller RE eingesetzt, der den Geschwindigkeitsunterschied zum Fernverkehr reduziert. Die neuen Züge des Modells Desiro HC erreichen nämlich bis zu 190 km/h – und das im Nahverkehr. „Sie sind fast genauso schnell unterwegs wie der ICE“, heißt es beim Zugbauer Siemens Mobility, der die Züge herstellt.

Wie sich der ICE der Deutschen Bahn über die Jahre verändert hat

Der InterCityExperimental am 26. November 1985 im Hauptbahnhof Bielefeld.
Obwohl der erste ICE im regulären Betrieb erst 1991 auf die Schiene kam, gab es zuvor bereits den sogenannten InterCityExperimental. © teutopress/Imago
Der InterCityExperimental am 26. November 1985 im Hauptbahnhof Bielefeld.
Der InterCityExperimental war der Vorläufer des späteren ICE. Der Zug sorgte im November 1985 für großes Aufsehen, als er auf der Bahnstrecke zwischen Gütersloh und Hamm mit 317 km/h eine Rekordgeschwindigkeit im deutschen Schienenverkehr erreichte. © teutopress/Imago
Das Bild zeigt den Führerstand eines InterCityExperimental.
Das Bild zeigt den Führerstand eines InterCityExperimental. Der Zug wurde zwischen 1983 und 1985 gebaut. © Sven Simon/Imago
Ein ICE 1 und ein Lokführer.
1991 war es dann so weit. Der erste ICE kam in Deutschland auf die Schiene. Der ICE 1 leitete damit das Hochgeschwindigkeitszeitalter im deutschen Bahnverkehr ein. Schon die ersten Modelle erreichten rund 280 km/h. © Jürgen Heinrich/Imago
Ein Blick in die 1. Klasse des ICE 1.
Ein Blick in die 1. Klasse des ICE 1. Insgesamt bestand der erste ICE aus zwölf Mittelwagen und zwei Triebköpfen. Es gab 703 Sitzplätze. (Bild von 1991) © Jürgen Heinrich/Imago
Ein ICE 1 fährt durch Deutschland.
Im Sommer 2005 begann die Bahn mit einer großen Modernisierung des ICE 1. Mit diesem Redesign wurde die Sitzplatzkapazität nochmal erweitert. Zudem veränderten sich die Züge innen und außen auch optisch. © STAR-MEDIA/Imago
Ein ICE 1 am Münster Hbf.
Und auch heute noch ist der ICE 1 wichtiger Bestandteil im deutschen Bahnverkehr. 2020 wurden die Züge nochmal modernisiert. 18 von ihnen sind immer noch im Einsatz. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 2 fährt durch Deutschland.
1996 kam mit dem ICE 2 die zweite ICE-Generation in Deutschland auf die Schiene. Die Züge erreichten genau wie der ICE 1 eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h. © Christian Kielmann/Imago
Ein ICE 2 in Berlin.
Der ICE 2 wird von der Bahn als „der Flexible“ bezeichnet. Der Grund: Mit sechs Mittelwagen und einem Steuerwagen ist der ICE 2 kürzer als sein Vorgänger, kann bei Bedarf aber auch zu einem Doppelzug gekoppelt werden. © Christian Kielmann/Imago
Innenaufnahme eines ICE 2.
Innenaufnahme eines ICE 2: 2011 wurden die Züge der zweiten ICE-Generation von der Bahn umfassend modernisiert. © Christian Kielmann/Imago
Ein ICE 2 der Deutsche Bahn DB in Gemünden am Main.
Bis heute zählt der ICE 2 zu den wichtigsten Fernverkehrszügen der Bahn. 44 der Züge sind weiterhin in Deutschland unterwegs. © Aviation-Stock/Imago
Ein ICE T in einer Kurve.
1999 wurde der ICE T in Betrieb genommen. Die Besonderheit dieses Zuges: Er verfügt über eine spezielle Neigetechnik, kann sich also ähnlich wie ein Motorradfahrer auf kurvenreichen Strecken zur Seite neigen. © STAR-MEDIA/Imago
Ein ICE T im Haunetal.
Das „T“ in ICE T steht eigentlich für „Triebzug“. Aufgrund der Neigetechnik wurde aber teilweise auch der englische Begriff „Tilt“ für „neigen“ als Abkürzung interpretiert. © Deutsche Bahn AG / Oliver Lang
Ein ICE T am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe.
Vom ICE T gibt es mehrere Baureihen. Die Züge wurden 2013 umfangreich modernisiert. Für alle gilt aber: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Damit ist er der langsamste ICE. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 3 der Deutsche Bahn AG auf der Schnellstrecke Köln-Frankfurt neben der Autobahn A3.
2000 folgte die Inbetriebnahme des ICE 3. Der Turbo-ICE erreicht Geschwindigkeiten bis 330 km/h (hier auf der Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt und Köln). © Rainer Unkel/Imago
DEU Deutschland Frankfurt am Main 14 02 2019 Hauptbahnhof Frankfurt ICE Baureihe 403 ICE 3
Vom ICE 3 gibt es inzwischen drei unterschiedliche Baureihen. Die Züge der Baureihe 403 sind nur in Deutschland unterwegs. ICE 3 der Reihe 406 werden auch grenzübergreifend in Belgien und den Niederlanden eingesetzt. © Arnulf Hettrich/Imago
Ein Lokführer bei der Bahn in einem ICE 3.
Ein Blick ins Cockpit eines ICE 3 (Archivbild von 2020). © Arne Dedert/dpa
Ein ICE 3 und ein ICE 4.
2017 kam dann der ICE 4 (rechts) auf die Schiene. Hier im direkten Vergleich zu einem ICE 3 (links) am Kölner Hauptbahnhof. © Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann
ICE 4 auf der Bahnstrecke Münster - Osnabrück.
Vom ICE 4 gibt es drei unterschiedliche Modelle mit sieben, zwölf oder 13 Wagen. Der größte verfügt über 918 Sitzplätze. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 4 bei Stadthagen.
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ist der ICE 4 der langsamer als sein direkter Vorgänger und auch nicht so flott unterwegs wie die Modelle 1 und 2. © Deutsche Bahn AG / Wolfgang Klee
ICE 4 mit Fahrrad-Abteil.
Eine Besonderheit des ICE 4: Er hat als erster ICE gesonderte Fahrradstellplätze. © Deutsche Bahn AG / Tobias Gromatzki
Ein ICE 3neo der Baureihe 408.
Im Dezember 2022 folgte der ICE 3neo, der, wie der Name bereits verrät, auf dem ICE 3 basiert und weiterentwickelt wurde. Der Hochgeschwindigkeitszug erreicht bis zu 320 km/h. © Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Taufe des ersten ICE 3neo auf den Namen Rheinland im Kölner Hauptbahnhof.
Im Februar 2023 wurde ein ICE 3neo in Köln in Karnevalsoptik präsentiert und auf den Namen „Rheinland“ getauft. © R. Schmiegelt/Future Image/Imago
Ein ICE Führerstand bei der Taufe des ersten ICE 3neo auf den Namen Rheinland im Kölner Hauptbahnhof.
Der Führerstand des ICE 3neo. Die Flotte der Bahn soll bis 2029 um insgesamt 73 neue ICE 3neo erweitert werden. © R. Schmiegelt/Future Image/Imago
Der 1. ICE L auf dem Weg nach Deutschland.
Im Oktober 2024 folgt mit dem ICE L ein weiterer neuer Schnellzug der Bahn. Dabei ist der ICE L eigentlich kein richtiger ICE, wie sie bislang bekannt sind. Anders als die bisherigen ICEs ist er nämlich kein Triebzug, sondern wird von einer Lok gezogen. © Deutsche Bahn AG / Dirk Wittmann

Wo kommt der superschnelle Regionalzug Desiro HC zum Einsatz?

Diese Züge sollen die Schienenverbindungen zwischen Bayern und Thüringen als Teil des Franken-Thüringen-Express (FTX) verbessern. Die Pläne dafür gibt es schon länger: „Ein besonderes Schmankerl sind die acht Züge, die speziell für den Einsatz auf der Schnellfahrstrecke Bamberg – Coburg – Erfurt ausgestattet sind und auf die wir uns gemeinsam mit dem Freistaat Thüringen festgelegt haben“, erklärte Thomas Prechtl, Sprecher der Geschäftsführung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), bereits in einer Pressemitteilung aus dem November 2021.

Bei dem FTX handelt es sich um ein Netz von fünf Regionalexpresslinien und einer Regionalbahnlinie, die vor allem Bayern und Thüringen verbinden. Insgesamt ist die Linie in vier Bundesländern unterwegs: Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen.

Alle derzeitigen Strecken des FTX-Netzwerks

►RE42: Nürnberg – Fürth – Erlangen – Forchheim – Hirschaid – Bamberg – Breitengüßbach – Lichtenfels – Kronach – Saalfeld (Saale) – Jena Paradies – Naumburg (Saale) – Leipzig

►RE20: Nürnberg – Fürth – Erlangen – Forchheim – Hirschaid – Bamberg – Haßfurt – Schweinfurt – Würzburg

►R49: Nürnberg – Fürth – Erlangen – Forchheim – Hirschaid – Bamberg – Breitengüßbach – Lichtenfels – Coburg – Sonneberg

►RE14: Nürnberg – Fürth – Erlangen – Forchheim – Hirschaid – Bamberg – Breitengüßbach – Lichtenfels – Kronach – Saalfeld (Saale)

►RE19: Nürnberg – Fürth – Erlangen – Forchheim – Hirschaid – Bamberg – Coburg – Sonneberg

►RB25: Bamberg – Breitengüßbach – Lichtenfels (– Kronach)

Was die neuen Schnellzüge alles können

Dass die Desiro HC ihr Tempo-Potenzial voll ausschöpfen können, liegt daran, dass sie dabei die Trasse der Schnellfahrstrecke Berlin-München nutzen können. Dafür erfüllen die Züge spezielle Voraussetzungen, darunter druckdichte Wagons. Denn bei gleichzeitiger Tunnelfahrt mit einem entgegenkommenden ICE auf dem gegenüberliegenden Gleis entsteht ein Druck, dem nicht jede Eisenbahn standhalten kann. Die sechsteiligen Doppelstockzüge bieten Sitzplätze für bis zu 634 Passagiere.

Vorgängermodell: Der Rhein-Ruhr-Express (RRX) der Linie RE1, betrieben von National Express, nutzt Siemens Desiro HC einer früheren Baureihe.

Daten und Fakten zum sechsteiligen Desiro HC

Fahrzeuglänge157 Meter
Leergewicht287 Tonnen
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
Anzahl Toiletten5 (davon 1 barrierefrei)
Sitzplätze gesamt634
davon Sitzplätze 1. Klasse34
davon Sitzplätze 2. Klasse513
davon Klapp-/Notsitze87
Stellplätze Rollstuhl2
Fahrradstellplätze60 (maximal)
Rollstuhlstellplätze/Hublift am Einstiegja

Allerdings können Fahrgäste nicht schon im Dezember 2023 die Schnellfahrt mit dem RE19 bis nach Erfurt antreten, sondern müssen sich noch bis Juni 2024 gedulden. Erst dann kann nach DB-Informationen die Neubaustrecke bis nach Erfurt in Betrieb genommen werden.

Mehr Geschwindigkeit ist im Zugverkehr aktuell das Gebot der Stunde. Nach einer der Studie der Bahn soll das europäische Schienennetzwerk verstärkt für Züge mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h ausgelegt werden, ab 2030 soll bei der Deutschen Bahn eine neuere, noch schnellere ICE-Generation an den Start gehen. (nbo/bs) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Siemens Mobility

Kommentare