ICE, TGV und Co.

Züge, die mit 300 km/h durch Europa rauschen – Studie zeigt die Bahn der Zukunft

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Die Bahn und weitere Unternehmen wollen den Hochgeschwindigkeitssektor in Europa massiv ausbauen. Für Reisende könnte das in Zukunft neue Möglichkeiten schaffen.

Köln – Bessere Verbindungen und kürzere Reisezeiten: In Europa soll das Schienennetz für den Hochgeschwindigkeitsverkehr, also für ICE, TGV und Co., in Zukunft massiv ausgebaut werden. Zumindest, wenn es nach einem Vorschlag der Deutschen Bahn und weiterer europäischer Bahnunternehmen geht. Mit einer Studie hat die Bahn nun ebendiese Pläne vorgestellt. Und die lassen aufhorchen: Das Streckennetz für die schnellen Züge in Europa soll bis 2050 von aktuell rund 11.000 Kilometern auf dann etwa 32.000 Kilometer fast verdreifacht werden.

Alle 230 Metropolregionen in Europa, also Regionen mit mehr als 250.000 Einwohnern, könnten demnach mindestens im Stundentakt an den Hochgeschwindigkeitsverkehr angebunden werden. „Das Netz soll Geschwindigkeiten von 300 km/h ermöglichen“, heißt es vonseiten der Bahn.

Schnellfahrstrecken in Deutschland könnten deutlich ausgebaut werden

Das wäre eine echte Revolution im Hochgeschwindigkeitsverkehr – auch in Deutschland. Hierzulande gibt es nach Angaben des internationalen Eisenbahnverbandes UIC bereits rund 1600 Kilometer Schnellfahrstrecken (Stand: Juni 2021). Laut Bahn-Studie soll der Streckenausbau, einschließlich der bereits im Bau befindlichen und geplanten Trassen, in den nächsten Jahrzehnten das Hochgeschwindigkeitsnetz in Deutschland dann aber auf rund 6000 Kilometer vergrößern.

Auch viele andere Länder würden demnach massiv profitieren, beispielsweise Polen, wo die Netzgröße von aktuell 224 Kilometern auf 2760 Kilometer mehr als verzehnfacht werden könnte. Aus Deutschland würden zudem vier Schnellfahrstrecken direkt in die Niederlande entstehen (siehe Karte).

Auf dieser Karte sind die aktuell bestehenden Schnellfahrstrecken (blau), die bis 2030 geplanten (lila) und die nach neuestem Entwurf ab 2030 geplanten in Europa eingezeichnet.

Wie sich der ICE der Deutschen Bahn über die Jahre verändert hat

Der InterCityExperimental am 26. November 1985 im Hauptbahnhof Bielefeld.
Obwohl der erste ICE im regulären Betrieb erst 1991 auf die Schiene kam, gab es zuvor bereits den sogenannten InterCityExperimental. © teutopress/Imago
Der InterCityExperimental am 26. November 1985 im Hauptbahnhof Bielefeld.
Der InterCityExperimental war der Vorläufer des späteren ICE. Der Zug sorgte im November 1985 für großes Aufsehen, als er auf der Bahnstrecke zwischen Gütersloh und Hamm mit 317 km/h eine Rekordgeschwindigkeit im deutschen Schienenverkehr erreichte. © teutopress/Imago
Das Bild zeigt den Führerstand eines InterCityExperimental.
Das Bild zeigt den Führerstand eines InterCityExperimental. Der Zug wurde zwischen 1983 und 1985 gebaut. © Sven Simon/Imago
Ein ICE 1 und ein Lokführer.
1991 war es dann so weit. Der erste ICE kam in Deutschland auf die Schiene. Der ICE 1 leitete damit das Hochgeschwindigkeitszeitalter im deutschen Bahnverkehr ein. Schon die ersten Modelle erreichten rund 280 km/h. © Jürgen Heinrich/Imago
Ein Blick in die 1. Klasse des ICE 1.
Ein Blick in die 1. Klasse des ICE 1. Insgesamt bestand der erste ICE aus zwölf Mittelwagen und zwei Triebköpfen. Es gab 703 Sitzplätze. (Bild von 1991) © Jürgen Heinrich/Imago
Ein ICE 1 fährt durch Deutschland.
Im Sommer 2005 begann die Bahn mit einer großen Modernisierung des ICE 1. Mit diesem Redesign wurde die Sitzplatzkapazität nochmal erweitert. Zudem veränderten sich die Züge innen und außen auch optisch. © STAR-MEDIA/Imago
Ein ICE 1 am Münster Hbf.
Und auch heute noch ist der ICE 1 wichtiger Bestandteil im deutschen Bahnverkehr. 2020 wurden die Züge nochmal modernisiert. 18 von ihnen sind immer noch im Einsatz. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 2 fährt durch Deutschland.
1996 kam mit dem ICE 2 die zweite ICE-Generation in Deutschland auf die Schiene. Die Züge erreichten genau wie der ICE 1 eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h. © Christian Kielmann/Imago
Ein ICE 2 in Berlin.
Der ICE 2 wird von der Bahn als „der Flexible“ bezeichnet. Der Grund: Mit sechs Mittelwagen und einem Steuerwagen ist der ICE 2 kürzer als sein Vorgänger, kann bei Bedarf aber auch zu einem Doppelzug gekoppelt werden. © Christian Kielmann/Imago
Innenaufnahme eines ICE 2.
Innenaufnahme eines ICE 2: 2011 wurden die Züge der zweiten ICE-Generation von der Bahn umfassend modernisiert. © Christian Kielmann/Imago
Ein ICE 2 der Deutsche Bahn DB in Gemünden am Main.
Bis heute zählt der ICE 2 zu den wichtigsten Fernverkehrszügen der Bahn. 44 der Züge sind weiterhin in Deutschland unterwegs. © Aviation-Stock/Imago
Ein ICE T in einer Kurve.
1999 wurde der ICE T in Betrieb genommen. Die Besonderheit dieses Zuges: Er verfügt über eine spezielle Neigetechnik, kann sich also ähnlich wie ein Motorradfahrer auf kurvenreichen Strecken zur Seite neigen. © STAR-MEDIA/Imago
Ein ICE T im Haunetal.
Das „T“ in ICE T steht eigentlich für „Triebzug“. Aufgrund der Neigetechnik wurde aber teilweise auch der englische Begriff „Tilt“ für „neigen“ als Abkürzung interpretiert. © Deutsche Bahn AG / Oliver Lang
Ein ICE T am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe.
Vom ICE T gibt es mehrere Baureihen. Die Züge wurden 2013 umfangreich modernisiert. Für alle gilt aber: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Damit ist er der langsamste ICE. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 3 der Deutsche Bahn AG auf der Schnellstrecke Köln-Frankfurt neben der Autobahn A3.
2000 folgte die Inbetriebnahme des ICE 3. Der Turbo-ICE erreicht Geschwindigkeiten bis 330 km/h (hier auf der Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt und Köln). © Rainer Unkel/Imago
DEU Deutschland Frankfurt am Main 14 02 2019 Hauptbahnhof Frankfurt ICE Baureihe 403 ICE 3
Vom ICE 3 gibt es inzwischen drei unterschiedliche Baureihen. Die Züge der Baureihe 403 sind nur in Deutschland unterwegs. ICE 3 der Reihe 406 werden auch grenzübergreifend in Belgien und den Niederlanden eingesetzt. © Arnulf Hettrich/Imago
Ein Lokführer bei der Bahn in einem ICE 3.
Ein Blick ins Cockpit eines ICE 3 (Archivbild von 2020). © Arne Dedert/dpa
Ein ICE 3 und ein ICE 4.
2017 kam dann der ICE 4 (rechts) auf die Schiene. Hier im direkten Vergleich zu einem ICE 3 (links) am Kölner Hauptbahnhof. © Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann
ICE 4 auf der Bahnstrecke Münster - Osnabrück.
Vom ICE 4 gibt es drei unterschiedliche Modelle mit sieben, zwölf oder 13 Wagen. Der größte verfügt über 918 Sitzplätze. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 4 bei Stadthagen.
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ist der ICE 4 der langsamer als sein direkter Vorgänger und auch nicht so flott unterwegs wie die Modelle 1 und 2. © Deutsche Bahn AG / Wolfgang Klee
ICE 4 mit Fahrrad-Abteil.
Eine Besonderheit des ICE 4: Er hat als erster ICE gesonderte Fahrradstellplätze. © Deutsche Bahn AG / Tobias Gromatzki
Ein ICE 3neo der Baureihe 408.
Im Dezember 2022 folgte der ICE 3neo, der, wie der Name bereits verrät, auf dem ICE 3 basiert und weiterentwickelt wurde. Der Hochgeschwindigkeitszug erreicht bis zu 320 km/h. © Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Taufe des ersten ICE 3neo auf den Namen Rheinland im Kölner Hauptbahnhof.
Im Februar 2023 wurde ein ICE 3neo in Köln in Karnevalsoptik präsentiert und auf den Namen „Rheinland“ getauft. © R. Schmiegelt/Future Image/Imago
Ein ICE Führerstand bei der Taufe des ersten ICE 3neo auf den Namen Rheinland im Kölner Hauptbahnhof.
Der Führerstand des ICE 3neo. Die Flotte der Bahn soll bis 2029 um insgesamt 73 neue ICE 3neo erweitert werden. © R. Schmiegelt/Future Image/Imago
Der 1. ICE L auf dem Weg nach Deutschland.
Im Oktober 2024 folgt mit dem ICE L ein weiterer neuer Schnellzug der Bahn. Dabei ist der ICE L eigentlich kein richtiger ICE, wie sie bislang bekannt sind. Anders als die bisherigen ICEs ist er nämlich kein Triebzug, sondern wird von einer Lok gezogen. © Deutsche Bahn AG / Dirk Wittmann

Green Deal der EU als Anlass für Bahn-Pläne der Zukunft

Hintergrund der Pläne und auch der Studie ist der „Green Deal“ der EU-Kommission. Im „Green Deal“ ist als Ziel verankert, dass Europa der erste klimaneutrale Kontinent werden soll und beispielsweise bis 2050 keine Netto-Treibhausgase mehr ausstößt. Dabei helfen soll auch der Ausbau des Bahnverkehrs, durch den der CO₂-Ausstoß im Transportsektor deutlich verringert werden soll.

„Die Spezialisten haben in der Studie analysiert, wie ein solches ‚Green Deal‘-Netzwerk aussehen muss, um die EU-Ziele zu erreichen“, erklärt die Bahn dazu. Heraus kam der Vorschlag zu einem „Metropolitan Network“, also einer Vernetzung aller Metropolregionen mit dem Hochgeschwindigkeitsverkehr.

Größeres Hochgeschwindigkeitsnetz bei der Bahn – das wäre laut Studie geplant:

► Alle 230 Metropolregionen und die großen Städte in Europa sollen mindestens im Stundentakt an den Hochgeschwindigkeitsverkehr angebunden werden. Als Metropolregionen sind Ballungsräume mit mehr als 250.000 Einwohnern definiert.

► Rund 60 Prozent aller Menschen in Europa leben in den Metropolregionen und sollen mit dem Ausbau einen direkten Zugang zu schnellen Bahnen bekommen – auch in Regionen, wo es heute noch gar keinen schnellen Bahnverkehr gibt.

► Insgesamt 21.000 Kilometer Schienennetz müssten dafür europaweit neu- und ausgebaut werden. Von heute rund 11.300 Kilometern würde die Größe des Hochgeschwindigkeitsnetzes bis 2050 auf 32.000 Kilometer knapp verdreifacht werden.

► Das Netz soll Geschwindigkeiten von 300 km/h ermöglichen.

„Wenn die Infrastruktur steht, profitieren Millionen Menschen auf dem Kontinent“

Schnellfahrstrecken, beispielsweise für TGV (l.) oder ICE (r.), sollen in Europa in den nächsten Jahrzehnten massiv ausgebaut werden.

„Eine Verdreifachung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs in Europa ist möglich. Wenn die Infrastruktur dafür steht, profitieren Millionen Menschen auf dem Kontinent von attraktiven Verbindungen und kürzeren Reisezeiten“, erklärt Michael Peterson, DB-Vorstand Personenfernverkehr. Profitieren würden laut Peterson davon sowohl Länder in West- und Mitteleuropa, aber vor allem Länder in Süd- und Osteuropa. „Nach unseren Berechnungen und Simulationen ergeben sich attraktive Reisezeiten auf ganz neuen Achsen und über neue Verkehrsdrehkreuze auf der Schiene“, so der DB-Vorstand.

Für schnelle Strecken benötigt man aber auch entsprechende Züge. Und auch dort rüstet sich die Deutsche Bahn bereits für die Zukunft. Ab 2024 soll der neue ICE L, der vom spanischen Hersteller Talgo gebaut wird, in Deutschland und den Niederlanden fahren. Im Juli 2023 wurde ein ICE L bereits nach Deutschland transportiert, da allerdings noch im Schlepptau eines Güterzugs.

Ab 2030 soll zudem eine komplett neue ICE-Generation auf die Strecke kommen. Die Züge dort sollen mindestens 300 km/h erreichen und den ICE 3 ersetzen. (bs) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Rüdiger Wölk/Imago

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