Züge, die mit 300 km/h durch Europa rauschen – Studie zeigt die Bahn der Zukunft
VonBenjamin Stroka
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Die Bahn und weitere Unternehmen wollen den Hochgeschwindigkeitssektor in Europa massiv ausbauen. Für Reisende könnte das in Zukunft neue Möglichkeiten schaffen.
Köln – Bessere Verbindungen und kürzere Reisezeiten: In Europa soll das Schienennetz für den Hochgeschwindigkeitsverkehr, also für ICE, TGV und Co., in Zukunft massiv ausgebaut werden. Zumindest, wenn es nach einem Vorschlag der Deutschen Bahn und weiterer europäischer Bahnunternehmen geht. Mit einer Studie hat die Bahn nun ebendiese Pläne vorgestellt. Und die lassen aufhorchen: Das Streckennetz für die schnellen Züge in Europa soll bis 2050 von aktuell rund 11.000 Kilometern auf dann etwa 32.000 Kilometer fast verdreifacht werden.
Alle 230 Metropolregionen in Europa, also Regionen mit mehr als 250.000 Einwohnern, könnten demnach mindestens im Stundentakt an den Hochgeschwindigkeitsverkehr angebunden werden. „Das Netz soll Geschwindigkeiten von 300 km/h ermöglichen“, heißt es vonseiten der Bahn.
Schnellfahrstrecken in Deutschland könnten deutlich ausgebaut werden
Das wäre eine echte Revolution im Hochgeschwindigkeitsverkehr – auch in Deutschland. Hierzulande gibt es nach Angaben des internationalen Eisenbahnverbandes UIC bereits rund 1600 Kilometer Schnellfahrstrecken (Stand: Juni 2021). Laut Bahn-Studie soll der Streckenausbau, einschließlich der bereits im Bau befindlichen und geplanten Trassen, in den nächsten Jahrzehnten das Hochgeschwindigkeitsnetz in Deutschland dann aber auf rund 6000 Kilometer vergrößern.
Auch viele andere Länder würden demnach massiv profitieren, beispielsweise Polen, wo die Netzgröße von aktuell 224 Kilometern auf 2760 Kilometer mehr als verzehnfacht werden könnte. Aus Deutschland würden zudem vier Schnellfahrstrecken direkt in die Niederlande entstehen (siehe Karte).
Auf dieser Karte sind die aktuell bestehenden Schnellfahrstrecken (blau), die bis 2030 geplanten (lila) und die nach neuestem Entwurf ab 2030 geplanten in Europa eingezeichnet.
Green Deal der EU als Anlass für Bahn-Pläne der Zukunft
Hintergrund der Pläne und auch der Studie ist der „Green Deal“ der EU-Kommission. Im „Green Deal“ ist als Ziel verankert, dass Europa der erste klimaneutrale Kontinent werden soll und beispielsweise bis 2050 keine Netto-Treibhausgase mehr ausstößt. Dabei helfen soll auch der Ausbau des Bahnverkehrs, durch den der CO₂-Ausstoß im Transportsektor deutlich verringert werden soll.
„Die Spezialisten haben in der Studie analysiert, wie ein solches ‚Green Deal‘-Netzwerk aussehen muss, um die EU-Ziele zu erreichen“, erklärt die Bahn dazu. Heraus kam der Vorschlag zu einem „Metropolitan Network“, also einer Vernetzung aller Metropolregionen mit dem Hochgeschwindigkeitsverkehr.
Größeres Hochgeschwindigkeitsnetz bei der Bahn – das wäre laut Studie geplant:
► Alle 230 Metropolregionen und die großen Städte in Europa sollen mindestens im Stundentakt an den Hochgeschwindigkeitsverkehr angebunden werden. Als Metropolregionen sind Ballungsräume mit mehr als 250.000 Einwohnern definiert.
► Rund 60 Prozent aller Menschen in Europa leben in den Metropolregionen und sollen mit dem Ausbau einen direkten Zugang zu schnellen Bahnen bekommen – auch in Regionen, wo es heute noch gar keinen schnellen Bahnverkehr gibt.
► Insgesamt 21.000 Kilometer Schienennetz müssten dafür europaweit neu- und ausgebaut werden. Von heute rund 11.300 Kilometern würde die Größe des Hochgeschwindigkeitsnetzes bis 2050 auf 32.000 Kilometer knapp verdreifacht werden.
► Das Netz soll Geschwindigkeiten von 300 km/h ermöglichen.
„Wenn die Infrastruktur steht, profitieren Millionen Menschen auf dem Kontinent“
„Eine Verdreifachung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs in Europa ist möglich. Wenn die Infrastruktur dafür steht, profitieren Millionen Menschen auf dem Kontinent von attraktiven Verbindungen und kürzeren Reisezeiten“, erklärt Michael Peterson, DB-Vorstand Personenfernverkehr. Profitieren würden laut Peterson davon sowohl Länder in West- und Mitteleuropa, aber vor allem Länder in Süd- und Osteuropa. „Nach unseren Berechnungen und Simulationen ergeben sich attraktive Reisezeiten auf ganz neuen Achsen und über neue Verkehrsdrehkreuze auf der Schiene“, so der DB-Vorstand.
Ab 2030 soll zudem eine komplett neue ICE-Generation auf die Strecke kommen. Die Züge dort sollen mindestens 300 km/h erreichen und den ICE 3 ersetzen. (bs) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.