Zulassungskrise am Automarkt

Deutsche Autokäufe brechen ein: Tesla-Absatz weiter im Sturzflug

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Die Neuzulassungen am deutschen Automarkt fallen dramatisch – besonders im Juni waren die Zahlen katastrophal. E-Autos erleben zwar eine leichte Erholung, allerdings bleibt Tesla weiterhin auf Talfahrt.

Berlin – Die Dauerkrise am deutschen Automarkt verschärft sich, im Juni erlebte die Zahl der Neuzulassungen einen weiteren starken Einbruch. Mit nur 256.000 neu zugelassenen Fahrzeugen liegt der Wert fast 14 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Im ganzen ersten Halbjahr 2025 ist die Lage am deutschen Automarkt schon kritisch – insgesamt wurden 1,4 Millionen weniger Pkw zugelassen als im Vorjahrzeitraum, was einem Minus von 4,7 Prozent entspricht.

Das teilte das Kraftfahrt-Bundesamt nun mit. Wie dramatisch die Lage eigentlich ist, wird besonders deutlich, wenn man die Zulassungen mit 2019 vergleicht – hier zeigt sich ein Einbruch von ganzen 24 Prozent im ersten Halbjahr, wie der Autoverband VDA ermittelte.

Elektroautos stehen besser da – doch bei Tesla ist kein Land in Sicht

Bei Elektroautos sieht es deutlich besser aus. Hier steigen die Neuzulassungen, wenn auch mit einem Plus von 8,6 Prozent im Juni etwas schwächer als in Vormonaten. Insgesamt konnten E-Autos im ersten Halbjahr 2025 35 Prozent bei den Neuzulassungen zulegen. Mit einem gesamten Marktanteil von 17,7 Prozent am deutschen Automarkt wurden sie in diesem Jahr damit sogar öfter verkauft alle reine Dieselfahrzeuge.

Vom Erfolg bei den E-Autos kann Tesla allerdings nicht profitieren. Der ehemalige Marktführer aus den USA verzeichnet im Juni einen Einbruch um 60 Prozent, was auch fast dem Gesamtergebnis im ersten Halbjahr 2025 entspricht. Der gesamte Marktanteil der Tesla-Modelle rutschte von 1,4 Prozent von Ende 2024 auf nunmehr 0,6 Prozent ab. Der Imageverlust der US-Marke ist in den politischen Aktivitäten des Tesla-Chefs Elon Musk begründet, der öffentlich mit rechtspopulistischen Parteien sympathisierte und Donald Trump unterstütze.

Neuzulassungen brechen dramatisch ein

Sind die E-Auto Neuzulassungen nur ein Scheinerfolg im deutschen Automarkt?

Allerdings ist bei den Elektroautos vielleicht auch nicht alles Gold, was glänzt. Für den Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg ist die aktuell steigende Nachfrage eher „hausgemacht“ und werde teilweise von Eigenzulassungen bei Herstellern und Händlern getrieben. Obwohl die Preisunterschiede zwischen Elektroautos und Verbrennern durch Rabatte, Leasingangebote und günstige Finanzierungen zuletzt deutlich kleiner geworden sind, liegt die private Nachfrage nach wie vor am Boden. Wie VDA-Chef Michael Ziegler ausführte, rechnet sich das E-Auto für die Verbraucher noch nicht und die hohen Strompreise schrecken ab. Bei den Zulassungen von E-Autos dominieren deshalb die gewerblichen Neuzulassungen, da diese Steuervorteile erhalten.

Gerade erst beschwerte sich auch der Importeursverband VDIK über den Rückzieher bei der Stromsteuersenkung. Um die E-Mobilität nachhaltig zu fördern, müssten die geplanten Maßnahmen dringend umgesetzt werden. Nur so ließen sich die anvisierten über 20 Prozent an Neuzulassungen bei den E-Autos erreichen, die notwendig sind, um die CO2-Flottengrenzwerte zu realisieren. Zudem forderte der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe auch eine Förderung für gebrauchte E-Autos.

Top-Autobauer in Deutschland halten sich noch ganz gut

Im Gegensatz zu Tesla können sich einige deutsche Automobilkonzerne noch ganz gut behaupten. Sowohl Mercedes-Benz als auch BMW konnten bei den Neuzulassungen im ersten Halbjahr ein kleines Plus verzeichnen. Bei VW ist die Lage etwas durchwachsen – hier liegen die Zulassungen im Halbjahr knapp im Minus. Das gilt auch für die zugehörigen Marken Porsche und Audi. Skoda und Seat hingegen überstanden das erste Halbjahr ebenfalls im Plus bei den Neuzulassungen.

Lage am deutschen Automarkt bleibt problematisch

Constantin M. Gall von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY rechnet damit, dass die Lage auf dem Automarkt auch weiterhin angespannt bleiben wird. Bedingt durch die wirtschaftlichen Krisen, Arbeitsplatzsorgen und der Investitionsschwäche der Unternehmen werde die Nachfrage nach Neuwagen auf absehbare Zeit sehr schwach bleiben. Problematisch schätzt er auch die deftigen Neuwagenpreise ein, die auch durch jüngere Regulierungen in die Höhe getrieben werden. Gall sieht keinen Aufschwung am Automarkt – weder in Deutschland, noch in Europa. Dafür sei die Verunsicherung bei Unternehmen und Verbrauchern einfach zu groß.

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa

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