Weg aus der Wirtschaftskrise?

Deutsche sollen mehr arbeiten: Ökonom will bis zu zwei Feiertage abschaffen

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Wirtschaftliche Probleme lassen Rufe nach mehr Arbeitsleistung in Deutschland laut werden. Reformvorschläge beinhalten auch Kürzungen bei Feiertagen.

Berlin – Im Ringen um eine Lösung für die strauchelnde deutsche Wirtschaft werden Arbeitnehmer zunehmend in die Pflicht genommen. Es brauche ein „so umfassendes Reformpaket, wie wir es bisher in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gesehen haben“, sagte Ökonom Klaus Regling im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Höheres Wirtschaftswachstum: Ökonom denkt über Streichung von Feiertagen nach

Unter anderem fordert der Ökonom, dass man über die Streichung von ein oder zwei Feiertagen nachdenken müsse. Das Arbeitsvolumen in Deutschland müsse generell erhöht werden, sagte Regling mit Blick auf die jährlichen 1.340 Arbeitsstunden pro Kopf in Deutschland. In anderen OECD-Staaten sei die Zahl der jährlichen Arbeitsstunden deutlich höher als in Deutschland.

Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft legte einen ähnlichen Vorschlag zum Verzicht auf Feiertage auf den Tisch. Ein zusätzlicher Arbeitstag könne bis zu 8,6 Milliarden Euro mehr Wirtschaftswachstum bringen, rechnete das Institut im März vor. Der Effekt sei aber je nach Branche unterschiedlich, da die Kapazitäten in manchen Berufen nicht immer voll ausgelastet seien.

Viele Feiertage in Deutschland fallen 2026 auf Wochenenden – Wirtschaft freut sich, Opposition nicht

Ökonomen dürften sich freuen, dass im nächsten Jahr viele Feiertage in Deutschland aufs Wochenende fallen. Sie hoffen auf einen Effekt auf das Wirtschaftswachstum. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski erwartet durch den Arbeitstageeffekt im kommenden Jahr ein zusätzliches Wachstum von 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten.

2026 fallen bundesweit der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober und der zweite Weihnachtsfeiertag am 26. Dezember auf einen Samstag. In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist der Internationale Frauentag am 8. März ein Feiertag, 2026 ist dies ein Sonntag. Auch Allerheiligen am 1. November und der Reformationstag am 31. Oktober liegen an einem Wochenende.

Mehr und länger Arbeiten: Ökonom will bis zu zwei Feiertage streichen

Politiker der Linken und Grünen wollen sich hingegen für Ersatzfeiertage unter der Woche einsetzen. „Für Beschäftigte ist es nicht nur ärgerlich, sondern auch unfair, wenn Feiertage auf das Wochenende fallen“, sagte der Grünen-Sozialexperte Timon Dzienus der Rheinischen Post. Wie auch in vielen anderen europäischen Ländern sollten ausgefallene Feiertage daher nachgeholt werden, betonte Dzienus. „Von gut erholten Beschäftigten profitieren auch die Arbeitgeber. Ausreichend Feiertage gehören mit dazu“, argumentierte der frühere Bundessprecher der Grünen Jugend. 

Mehr Vollzeitbeschäftigungen und längeres Arbeiten bis zur Rente – Wirtschaft legt Forderungen auf den Tisch

Neben einer Streichung von Feiertagen gehört es aus Sicht der Wirtschaft ebenfalls dazu, die Zahl der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland zu steigern, um das Arbeitsvolumen zu erhöhen. Dem IW zufolge ist die Teilzeitquote in Deutschland vergleichsweise hoch, 30 Prozent der Erwerbstätigen arbeiteten 2023 in Teilzeit, während es in Italien rund 18 Prozent und in Polen sechs Prozent waren.

Ferner könnte das Problem des deutschen Rentensystems bzw. die Finanzierung des deutuschen Rentensystems gelöst werden, wenn mehr Menschen länger arbeiten würden. Entscheidend seien laut Regling nicht nur die Lebensjahre, sondern auch die Beitragsjahre, um Ungerechtigkeiten zu verhindern. Die Forderung nach einer längeren Lebensarbeitszeit ist mit Blick auf die demografische Entwicklung ein längst verbreiteter Vorschlag, vor allem aus der Wirtschaft. Immer mehr Babyboomervgehen in Rente und es gibt immer weniger Menschen, die in die Rentenkassen einzahlen.

Ökonomen ist deshalb vor allem die Rente mit 63 ein Dorn im Auge, hinter der sich die abschlagsfreie Frührente verbirgt. Diese wird umgangssprachlich „Rente mit 63“ genannt. Favorisiert und nun auch von der Merz-Regierung angekündigt, ist die Aktivrente, die die Beschäftigungsquote älterer Menschen steigern soll und arbeitenden Rentnern 2.000 Euro steuerfrei im Monat verspricht.

Kriselnde Wirtschaft: Reformen reichen nicht – Ökonom warnt vor Wohlstandsverlust in Deutschland

Reformen alleine genügen laut Regling jedoch nicht, denn auch wenn sie das Wirtschaftswachstum in Deutschland ein wenig ankurbeln würden, würden die Deutschen langfristig unter einem Wohlstandsverlust leiden. Das verfügbare Realeinkommen der Deutschen werde wohl sinken, so der Ökonom gegenüber dem Handelsblatt. (Quellen: Handelsblatt, IW, ZDF) (bohy)

Rubriklistenbild: © Daniel Vogl/dpa

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