VonUlrike Hagenschließen
Ökonomen fordern die Streichung eines Feiertages zugunsten der Finanzierung des milliardenschweren Sondervermögens. Der DGB hält das für eine schlechte Idee – und läuft Sturm.
Berlin – Für das von SPD und CDU im Turbo entwickelte milliardenschwere Finanzpaket zur historischen Reform der Schuldenbremse und des Sondervermögens für die Infrastruktur läuft die Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten auf Hochtouren. Einige Wirtschaftsexperten fordern die Streichung eines Feiertags zum Generieren zusätzlicher Staatseinnahmen ins Spiel gebracht. Diese Idee sorgt für massive Kritik seitens der Gewerkschaften. Der DGB wehrt sich entschieden gegen eine Mehrbelastung der Arbeitnehmer – und warnt vor den Folgen.
„Falscher Reflex“: Wirtschaft fordert Streichung von Feiertagen für die Konjunktur – DGB läuft Sturm
Deutschland steht vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen: Ein historisches Finanzpaket wurde geschnürt, um die unbestritten dringend notwendigen Investitionen für die Infrastruktur und die Verteidigung möglich zu machen. Doch woher soll das Geld kommen? Einige Wirtschaftsexperten schlagen mehr Arbeitstage zugunsten der Konjunktur vor: „Die Streichung eines Feiertags sollte Teil eines Maßnahmenpakets für mehr Arbeit sein“, erklärt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. Ein freier Tag weniger bedeute mehr Produktivität, höhere Steuereinnahmen und einen positiven Effekt für die Konjunktur.
Ein gestrichener Feiertag für die Beschäftigten wird die Wirtschaft nicht entfesseln. Feiertage sind eben kein Luxus, sondern wichtiger Bestandteil unserer Arbeitskultur; sie tragen zur Erholung der Beschäftigten und damit auch zur Produktivität bei.
„Falscher Reflex“: DGB-Vorstand läuft gegen Streichung von Feiertagen Sturm
Der DGB spricht von einem „falschen Reflex“ – und läuft Sturm: „Feiertage sind eben kein Luxus, sondern wichtiger Bestandteil unserer Arbeitskultur; sie tragen zur Erholung der Beschäftigten und damit auch zur Produktivität bei“, so DGB-Vorstand Anja Piel gegenüber IPPEN.MEDIA am Dienstag (18.März).
Durchschnittliche Zahl der Feiertage in Europa im Vergleich:
- Malta, Bulgarien, Zypern, Slowakei: 12 Tage
- Österreich, Finnland, Kroatien: 11 Tage
- Tschechien, Frankreich, Portugal, Spanien, Litauen, Griechenland, Lettland, Slowenien: 10 Tage
- Luxemburg, Schweden, Italien, Irland, Polen: 9 Tage
- Norwegen, Dänemark: 8 Tage
- Deutschland: 7 Tage
„Leistungsbereitschaft“ für das Sondervermögen: Gewerkschaften warnen vor Folgen
Fuest argumentiert: „Es ist geplant, mehr Schulden aufzunehmen, um Infrastrukturinvestitionen zu steigern und Deutschland wehrhafter zu machen. Das bringt viel zusätzliche Arbeit.“ Diese zusätzliche staatliche Nachfrage sei aber nur dann sinnvoll, wenn sie auf eine gesteigerte „Leistungsbereitschaft“ treffe, sonst werde andere, privatwirtschaftliche Aktivität verdrängt, „es kommt dann nicht zu zusätzlichen Investitionen, sondern nur zu einer Verlagerung, begleitet von Inflation und hohen Zinsen“.
Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, dass ein Feiertag weniger bis zu acht Milliarden Euro an zusätzlicher Wirtschaftsleistung bringen könnte – ein Anstieg von rund 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Allerdings ist eine genaue Berechnung schwierig, da nicht jede Branche von mehr Arbeitszeit profitiert. Zudem haben die Bundesländer unterschiedlich viele Feiertage, was eine einheitliche Regelung erschwert.
| Bundesland | Anzahl Feiertage im Jahr 2025 |
| Stadt Augsburg (Bayern) | 14 |
| Bayern (katholische Gemeinden) | 13 |
| Bayern (evangelische Gemeinden) | 12 |
| Baden-Württemberg | 12 |
| Saarland | 12 |
| Sachen (katholische Gemeinden) | 12 |
| Thüringen (katholische Gemeinden) | 12 |
| Sachsen (evangelische Gemeinden) | 11 |
| Thüringen (evangelische Gemeinden) | 11 |
| Nordrhein-Westfalen | 11 |
| Rheinland-Pfalz | 11 |
| Sachsen-Anhalt | 11 |
| Berlin | 10 |
| Brandenburg | 10 |
| Bremen | 10 |
| Hamburg | 10 |
| Hessen | 10 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 10 |
| Niedersachsen | 10 |
| Schleswig-Holstein | 10 |
DGB kontert: Feiertage sind kein Luxus, sondern notwendig für Erholung
Anja Piel hält den Vorstoß für grundlegend falsch: „Ein gestrichener Feiertag für die Beschäftigten wird die Wirtschaft nicht entfesseln“, sondern nur die ohnehin hohe Arbeitsbelastung weiter verschärfen. „Es ist ein falscher Reflex mancher Arbeitgeber und Ökonominnen, auf der Suche nach Lösungen nur auf die Arbeitnehmer zu zeigen“, so Piel. Stattdessen sollten Unternehmen stärker in Weiterbildung und Tarifverträge investieren, um nachhaltiges Wachstum zu sichern.
Wenn der Staat seine Einnahmen erhöhen will, streicht er nicht Feiertage für Beschäftigte, sondern richtet seinen Blick auf die 900.000 Menschen, die so reich sind, dass sie nicht arbeiten müssen.
Statt die Arbeitszeit zu verlängern, müsse die Politik andere Wege finden, um die Wirtschaft zu stabilisieren: „Wenn der Staat seine Einnahmen erhöhen will, streicht er nicht Feiertage für Beschäftigte, sondern richtet seinen Blick auf die 900.000 Menschen, die so reich sind, dass sie nicht arbeiten müssen, sondern von Zinsen, Dividenden und Vermögen leben – und gleichzeitig nur Mini-Steuern zahlen“, so die Vorsitzende des Bundesvorstandes weiter.
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„Spieß muss umgedreht werden“: Linke fordert das Nachholen von Sonntags-Feiertagen
Zudem weist sie darauf hin, dass die Beschäftigten bereits heute ihren Beitrag zur Wirtschaft leisten – oft sogar über ihre reguläre Arbeitszeit hinaus. „Das zeigt die hohe Anzahl an vielfach unbezahlten Überstunden“, kritisiert Piel.
Noch deutliche Forderungen meldete bereits die Die Linke an. Als Reaktion auf Forderungen von Unternehmerverbänden, Feiertage grundsätzlich auf Sonntage zu legen, damit Unternehmen weniger Arbeitszeit verloren geht, erklärte die Linkspartei: „Der Spieß muss umgedreht werden“. Man solle man es wie in Spanien, Belgien und Großbritannien halten: Fallen Feiertage dort auf einen Sonntag, werden sie am kommenden Werktag nachgeholt.
Rubriklistenbild: © Arne Immanuel Bänsch/dpa

