Milliarden für das Sondervermögen

„Feiertage sind kein Luxus“: Ökonomen fordern mehr Arbeitstage für die Konjunktur – DGB kontert scharf

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Ökonomen fordern die Streichung eines Feiertages zugunsten der Finanzierung des milliardenschweren Sondervermögens. Der DGB hält das für eine schlechte Idee – und läuft Sturm.

Berlin – Für das von SPD und CDU im Turbo entwickelte milliardenschwere Finanzpaket zur historischen Reform der Schuldenbremse und des Sondervermögens für die Infrastruktur läuft die Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten auf Hochtouren. Einige Wirtschaftsexperten fordern die Streichung eines Feiertags zum Generieren zusätzlicher Staatseinnahmen ins Spiel gebracht. Diese Idee sorgt für massive Kritik seitens der Gewerkschaften. Der DGB wehrt sich entschieden gegen eine Mehrbelastung der Arbeitnehmer – und warnt vor den Folgen.

Ökonomen fordern die Streichung eines Feiertages zugunsten der Finanzierung des milliardenschweren Sondervermögens. Der DGB hält das für eine schlechte Idee – und läuft Sturm.

„Falscher Reflex“: Wirtschaft fordert Streichung von Feiertagen für die Konjunktur – DGB läuft Sturm

Deutschland steht vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen: Ein historisches Finanzpaket wurde geschnürt, um die unbestritten dringend notwendigen Investitionen für die Infrastruktur und die Verteidigung möglich zu machen. Doch woher soll das Geld kommen? Einige Wirtschaftsexperten schlagen mehr Arbeitstage zugunsten der Konjunktur vor: „Die Streichung eines Feiertags sollte Teil eines Maßnahmenpakets für mehr Arbeit sein“, erklärt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. Ein freier Tag weniger bedeute mehr Produktivität, höhere Steuereinnahmen und einen positiven Effekt für die Konjunktur.

Ein gestrichener Feiertag für die Beschäftigten wird die Wirtschaft nicht entfesseln. Feiertage sind eben kein Luxus, sondern wichtiger Bestandteil unserer Arbeitskultur; sie tragen zur Erholung der Beschäftigten und damit auch zur Produktivität bei.

Anja Piel, DGB

„Falscher Reflex“: DGB-Vorstand läuft gegen Streichung von Feiertagen Sturm

Der DGB spricht von einem „falschen Reflex“ – und läuft Sturm: „Feiertage sind eben kein Luxus, sondern wichtiger Bestandteil unserer Arbeitskultur; sie tragen zur Erholung der Beschäftigten und damit auch zur Produktivität bei“, so DGB-Vorstand Anja Piel gegenüber IPPEN.MEDIA am Dienstag (18.März).

Durchschnittliche Zahl der Feiertage in Europa im Vergleich:

  • Malta, Bulgarien, Zypern, Slowakei: 12 Tage
  • Österreich, Finnland, Kroatien: 11 Tage
  • Tschechien, Frankreich, Portugal, Spanien, Litauen, Griechenland, Lettland, Slowenien: 10 Tage
  • Luxemburg, Schweden, Italien, Irland, Polen: 9 Tage
  • Norwegen, Dänemark: 8 Tage
  • Deutschland: 7 Tage

„Leistungsbereitschaft“ für das Sondervermögen: Gewerkschaften warnen vor Folgen

Fuest argumentiert: „Es ist geplant, mehr Schulden aufzunehmen, um Infrastrukturinvestitionen zu steigern und Deutschland wehrhafter zu machen. Das bringt viel zusätzliche Arbeit.“ Diese zusätzliche staatliche Nachfrage sei aber nur dann sinnvoll, wenn sie auf eine gesteigerte „Leistungsbereitschaft“ treffe, sonst werde andere, privatwirtschaftliche Aktivität verdrängt, „es kommt dann nicht zu zusätzlichen Investitionen, sondern nur zu einer Verlagerung, begleitet von Inflation und hohen Zinsen“.

Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt, dass ein Feiertag weniger bis zu acht Milliarden Euro an zusätzlicher Wirtschaftsleistung bringen könnte – ein Anstieg von rund 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Allerdings ist eine genaue Berechnung schwierig, da nicht jede Branche von mehr Arbeitszeit profitiert. Zudem haben die Bundesländer unterschiedlich viele Feiertage, was eine einheitliche Regelung erschwert.

BundeslandAnzahl Feiertage im Jahr 2025
Stadt Augsburg (Bayern)14
Bayern (katholische Gemeinden)13
Bayern (evangelische Gemeinden)12
Baden-Württemberg12
Saarland12
Sachen (katholische Gemeinden)12
Thüringen (katholische Gemeinden)12
Sachsen (evangelische Gemeinden) 11
Thüringen (evangelische Gemeinden) 11
Nordrhein-Westfalen11
Rheinland-Pfalz11
Sachsen-Anhalt11
Berlin10
Brandenburg10
Bremen10
Hamburg10
Hessen10
Mecklenburg-Vorpommern10
Niedersachsen10
Schleswig-Holstein10

DGB kontert: Feiertage sind kein Luxus, sondern notwendig für Erholung

Anja Piel hält den Vorstoß für grundlegend falsch: „Ein gestrichener Feiertag für die Beschäftigten wird die Wirtschaft nicht entfesseln“, sondern nur die ohnehin hohe Arbeitsbelastung weiter verschärfen. „Es ist ein falscher Reflex mancher Arbeitgeber und Ökonominnen, auf der Suche nach Lösungen nur auf die Arbeitnehmer zu zeigen“, so Piel. Stattdessen sollten Unternehmen stärker in Weiterbildung und Tarifverträge investieren, um nachhaltiges Wachstum zu sichern.

Wenn der Staat seine Einnahmen erhöhen will, streicht er nicht Feiertage für Beschäftigte, sondern richtet seinen Blick auf die 900.000 Menschen, die so reich sind, dass sie nicht arbeiten müssen.

Anja Piel, DGB

Statt die Arbeitszeit zu verlängern, müsse die Politik andere Wege finden, um die Wirtschaft zu stabilisieren: „Wenn der Staat seine Einnahmen erhöhen will, streicht er nicht Feiertage für Beschäftigte, sondern richtet seinen Blick auf die 900.000 Menschen, die so reich sind, dass sie nicht arbeiten müssen, sondern von Zinsen, Dividenden und Vermögen leben – und gleichzeitig nur Mini-Steuern zahlen“, so die Vorsitzende des Bundesvorstandes weiter.

An diesen Universitäten haben Deutschlands Milliardäre studiert

Zwei Milliardäre gingen auf die Universität des Saarlandes.
Auf einem der unteren beiden Plätze des Rankings von Studying-in-Germany.org liegt die Universität des Saarlandes, auf die gleich zwei deutsche Milliardäre gingen. An der Universität mit einem Campus in Saarbrücken und Homburg studierte der Mitbegründer des Softwareherstellers SAP, Hans-Werner Hector, der etwa 2,2 Milliarden Euro besitzt. Er studierte Mathematik. Neben ihm war auch Thomann Bruch an der Universität eingeschrieben im Fach Betriebswirtschaft. Der Eigentümer der Globus-Baumarktkette hat mittlerweile ein Vermögen von rund 1,4 Milliarden Euro. © Imago
Zwei Milliardäre studierten an der RWTH Aachen.
Ebenfalls zwei deutsche Milliardäre studierten an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Dazu gehört Otto Happel, ehemaliger Eigentümer der Gesellschaft für Entstaubungsanlagen GEA, der dort in Ingenieurwissenschaften promovierte. Sein Vermögen beträgt heute rund 2,9 Milliarden Euro. Auch Peter Leibinger, Aufsichtsratsvorsitzender von Trumpf, war an der RWTH eingeschrieben, im Fach Maschinenbau. Er besitzt ein Vermögen von etwa 1,7 Milliarden Euro. © Imago
Drei Milliardäre besuchten die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat drei ehemalige Studenten, die mittlerweile zu den Milliardären zählen. Georg Näder, Leiter des Orthopädietechnikkonzerns Otto Bock, absolvierte dort ein BWL-Studium und besitzt nun ein Vermögen von 2,5 Milliarden Euro. Auch Martin Viessmann, ehemaliger Chef der Viessmann Group, die Heiztechnikprodukte herstellt, studierte an der FAU Betriebswirtschaftslehre. Sein Vermögen beträgt mittlerweile rund 2,4 Milliarden Euro. Eva Braun-Lüdicke, heute Digital Campaign Managerin im Familienunternehmen B. Braun, absolvierte einen Master in Amerikanistik an der FAU und verfügt über etwa 1,5 Milliarden Euro. Doch der reichste Milliardär mit Hochschulabschluss ging auf eine andere Universität im Süden Deutschlands. © Imago/Dwi Anoraganingrum
Die Technische Universität Karlsruhe besuchten zwei der Gründer von SAP.
Der reichste deutsche Milliardär mit Hochschulabschluss war an der Technischen Universität Karlsruhe (KIT). Stefan Quandt besitzt ein Vermögen von etwa 20 Milliarden Euro und ist Anteilseigner an seinem Familienunternehmen BMW. An der KIT studierte er Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften. Hasso Plattner (13,6 Mrd. Euro) und Dietmar Hopp (4,8 Mrd. Euro) waren vor der Gründung des Softwareunternehmens SAP beide am KIT im Fach Nachrichtentechnik eingeschrieben. © Imago/xHunterBlissx
Drei Milliardäre in Deutschland besuchten die Universität Passau.
Ebenfalls drei deutsche Milliardäre studierten an der Universität in Passau. Die reichste von ihnen mit einem jetzigen Vermögen von rund 3,5 Milliarden Euro ist die Tochter des ehemaligen CEO der Viessmann Group, Martin Viessmann. Anna Katharina machte in Passau ihren Bachelor in International Cultural and Business Studies. Im selben Fach eingeschrieben war Friederike Braun-Lüdicke (etwa 1,5 Mrd. Euro), die Leiterin der Kultur- und Diversitätinitiativen im Familienunternehmen B.Braun. Alfred Oetker (2 Mrd. Euro) hingegen hat dort Wirtschaftswissenschaften studiert. Er ist der Co-Chef der Geschwister Oetker.  © IMAGO/Daniel Scharinger
Campus der LMU München.
Eine der beliebtesten Universitäten unter deutschen Milliardären ist die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Dort haben Hubert Burda und Stefan von Holtzbrinck studiert, die beide heute im Medien- und Verlagssektor tätig sind. Burda (3,3 Mrd. Euro) studierte an der LMU Kunstgeschichte, während von Holtzbrinck (4,7 Mrd. Euro) Jura und Literatur belegte. Julia Thiele-Schürhoff, Aufsichtsratsmitglied und Tochter des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Knorr-Bremse AG, studierte ebenfalls Jura. Ihr Vermögen beträgt heute rund 2,8 Milliarden Euro. © IMAGO/Michael Nguyen
Platz der Universität in Freuburg.
Auch die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zählt zu den Hochschulen, an denen mehrere deutsche Milliardäre studiert haben. Lutz Mario Helmig, der als Chirurg und Unternehmer bekannt wurde, studierte Medizin in Freiburg. Er gründete Helios-Kliniken und verfügt mittlerweile über ein geschätztes Vermögen von 2,8 Milliarden Euro. Ebenfalls Medizin studierte Andreas Strüngmann, dessen jetziges Vermögen auf rund 11 Milliarden Dollar geschätzt wird. Gemeinsam mit seinem Bruder Thomas gründete er den Generikahersteller Hexal und war später einer der ersten Investoren von BioNTech, dem Unternehmen hinter dem erfolgreichen mRNA-COVID-19-Impfstoff. Eine weitere Milliardärin, die an der Universität Freiburg studierte, ist die Trumpf-Präsidentin Nicola Leibinger-Kammueller (1,7 Mrd. Euro). Sie war dort in Deutsch und Englisch eingeschrieben. In keiner Universität waren jedoch so viele Milliardäre eingeschrieben wie auf der folgenden Universität auf Platz eins des Rankings. © IMAGO/Schoening
Die TUM München besuchten die meisten Milliardäre in Deutschland.
Die Technische Universität München (TUM) führt das Studying-in-Germany.org-Ranking an und wurde von den meisten deutschen Milliardären besucht. Fünf von ihnen studierten an der TUM, darunter Georg Nemetschek (4,7 Mrd. Euro), Gründer des gleichnamigen Bau-Softwareunternehmens, der Bauingenieurwesen studierte, sowie Hans Langer (2,5 Mrd. Euro), Physiker und Gründer des 3D-Druckunternehmens EOS Group. Auch die drei Celonis-Gründer – Bastian Nominacher (1,1 Mrd. Dollar), Alexander Rinke (1 Mrd. Dollar) und Martin Klenk (1,1 Mrd. Dollar) – lernten sich an der TUM kennen und entwickelten dort die erste Version ihrer Prozess-Mining-Software als Studienprojekt. © IMAGO/Michael Bihlmayer

„Spieß muss umgedreht werden“: Linke fordert das Nachholen von Sonntags-Feiertagen

Zudem weist sie darauf hin, dass die Beschäftigten bereits heute ihren Beitrag zur Wirtschaft leisten – oft sogar über ihre reguläre Arbeitszeit hinaus. „Das zeigt die hohe Anzahl an vielfach unbezahlten Überstunden“, kritisiert Piel.

Noch deutliche Forderungen meldete bereits die Die Linke an. Als Reaktion auf Forderungen von Unternehmerverbänden, Feiertage grundsätzlich auf Sonntage zu legen, damit Unternehmen weniger Arbeitszeit verloren geht, erklärte die Linkspartei: „Der Spieß muss umgedreht werden“. Man solle man es wie in Spanien, Belgien und Großbritannien halten: Fallen Feiertage dort auf einen Sonntag, werden sie am kommenden Werktag nachgeholt.

Rubriklistenbild: © Arne Immanuel Bänsch/dpa

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