VonMarcel Reichschließen
Stellenabbau statt Wachstum: Mehr als jedes dritte deutsche Unternehmen reduziert 2026 Personal. Die Industrie kämpft besonders mit dem geopolitischen Stress.
München – Die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland hat sich nach einer kurzen Erholung im Frühjahr 2025 wieder deutlich verschlechtert. Mehr als jedes dritte deutsche Unternehmen plant für das kommende Jahr einen Stellenabbau, wie die am Sonntag veröffentlichte Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln belegt.
„Stellenabbau statt Wirtschaftswende: Die Unternehmen leiden unter dem großen geopolitischen Stress“, kommentiert IW-Konjunkturexperte Michael Grömling die besorgniserregenden Ergebnisse.
„Stellenabbau statt Wirtschaftswende“: Experte warnt vor düsterem Deutschland-Trend
Die Zahlen zeichnen ein düsteres Bild: 36 Prozent der befragten Firmen wollen 2026 Arbeitsplätze streichen. Lediglich 18 Prozent planen Neueinstellungen.
Besonders dramatisch stellt sich die Lage in der Industrie dar. Dort beabsichtigen 41 Prozent der Unternehmen, Personal abzubauen. Nur etwa jede siebte Industriefirma will neue Stellen schaffen. Auch bei den Investitionen zeigt sich ein rückläufiger Trend. Lediglich 23 Prozent der befragten Unternehmen wollen im kommenden Jahr mehr investieren als 2025. Dagegen planen 33 Prozent, ihre Investitionen zu reduzieren.
„Damit verschärft sich die Investitionskrise in Deutschland“
Die aktuelle Erhebung markiert einen historischen Tiefpunkt: Eine über fünf Halbjahre anhaltende Phase negativer Investitionserwartungen wurde seit Beginn der bundesweiten Erhebung noch nie verzeichnet.
Historischer Tiefpunkt: Deutsche Unternehmen so pessimistisch wie noch nie seit Beginn der Erhebung
Regional zeigen sich erhebliche Unterschiede. Während im Norden Deutschlands und Bayern viele Betriebe für 2026 mit einer Steigerung ihrer Produktion rechnen, herrscht im übrigen Bundesgebiet überwiegend Pessimismus.
Besonders ausgeprägt ist die negative Stimmung im Nordosten. Dort erwartet fast die Hälfte der Unternehmen einen Produktionsrückgang. Nur 17 Prozent rechnen mit besseren Geschäften.
Die Gründe für die Misere sind laut IW-Experte Grömling vielfältig. Neben dem geopolitischen Stress belasten vor allem hausgemachte Standortprobleme die Unternehmen – darunter hohe Energiekosten, teure Sozialversicherungen und überbordende Bürokratie.
„Ohne staatliche Reformen wird es immer unwahrscheinlicher, dass die milliardenschweren Sonderprogramme der Bundesregierung die erhoffte und notwendige Wirkung entfalten“, so Grömling.
Rubriklistenbild: © Dmytro Smolienko/dpa

