„Industrie leidet“

Stellenabbau in Deutschland: Nur noch eine Branche reduziert keine Jobs – das ist die neue „Jobmaschine“

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Die Wirtschaft in Deutschland schwächelt. Viele Unternehmen planen einen Stellenabbau. Nur in einer Branche steigt die Nachfrage nach Arbeitnehmern.

Köln – Der deutsche Stellenmarkt befindet sich in einem Abwärtstrend. Denn fast alle Wirtschaftszweige stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Nicht zuletzt haben geopolitische Spannungen wie der Ukraine-Krieg und der Zollstreit mit US-Präsident Donald Trump für Verunsicherungen am Arbeitsmarkt gesorgt. Die aktuellen Entwicklungen könnten einigen Menschen den Job kosten. Eine Branche lässt jedoch hoffen.

Stellenabbau in Deutschland: 35 Prozent der Unternehmen wollen Stellen abbauen

Mehr als drei von zehn Unternehmen in Deutschland gehen davon aus, dass sie in diesem Jahr Stellen abbauen. Das zeigt das Ergebnis einer Konjunkturumfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Rund 35 Prozent der Unternehmen antworteten, 2025 von einem Beschäftigungsabbau auszugehen. Nur 24 Prozent planten hingegen, mehr Mitarbeiter einzustellen. Das IW befragte im März und April 2025 rund 2.000 Firmen zu ihren Geschäftserwartungen.

Ein Arbeiter montiert das Getriebe für einen Panzer. Die Nachfrage an Arbeitnehmern in der Rüstungsindustrie steigt.

Allerdings waren die befragten Unternehmen in der vergangenen Umfrage im Herbst noch pessimistischer. Damals planten 38 Prozent mit einem Beschäftigungsabbau und nur 17 Prozent mit einem Aufbau. Der Pessimismus ist in der aktuellen Frühjahrsumfrage noch deutlich in der Industrie zu spüren. Hier erwarten 42 Prozent, im Laufe dieses Jahres Stellen abbauen zu müssen (Stellenaufbau: 20 Prozent). Im Dienstleistungsgewerbe waren es dagegen nur 21 Prozent (Aufbau: 36 Prozent).

Stellenabbau in Deutschland: Job-Rückgänge in fast allen Berufsgruppen

Ein ähnlich schlechtes Ergebnis bildet auch das Arbeitsmarkt-Update 2025 des Hiring Labs ab. Auf der Job-Plattform Indeed sind die ausgeschriebenen Stellenanzeigen im ersten Quartal 2025 um 7,2 Prozent zurückgegangen. Der bereits existierende Abwärtstrend der letzten Monate hat sich damit deutlich beschleunigt, wie der Indeed Arbeitsmarkt Index zeigt. In fast allen Berufsgruppen lassen sich derzeit Rückgänge verzeichnen.

Besonders stark trifft es das Transportwesen (-16,3 Prozent), Berufe in Beherbergung, Tourismus und Veranstaltungen (-14,1 Prozent) sowie Reinigungsdienste (-14,1 Prozent). Der Indeed Arbeitsmarkt Index zeigt allerdings auch, dass das Interesse von Arbeitnehmern besonders im Bereich der Rüstungsindustrie steigt – und die wird sich über die vermehrte Suchanfrage freuen. Denn aufgrund der vermehrten Nachfrage von militärischen Gütern wollen Rüstungskonzerne aufstocken.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

Schwacher Arbeitsmarkt in Deutschland: „Jobmaschine“ Rüstungsindustrie stellt ein

So plant der niederländische Panzerbauer KNDS in Deutschland eine Aufstockung um 600 Beschäftigte. Auch Rheinmetall will nach eigenen Angaben Tausende neue Mitarbeiter einstellen. In den letzten drei Jahren habe man jährlich zwischen 6.000 und 8.000 Mitarbeiter eingestellt, sagte Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger dem ZDF. „Und das Ganze wird die nächsten Jahre so weitergehen.“

Zusätzlich will Rheinmetall Werke in Berlin und Neuss umgestalten. Wo zuvor Autoteile produziert wurden, sollen in der Zukunft auch Rüstungsgüter hergestellt werden. „Es ist tatsächlich eine Jobmaschine und wir gehen davon aus, dass etwa 80.000 Menschen in Deutschland davon leben können“, so Papperger weiter. Nach eigenen Angaben hatte Rheinmetall im vergangenen Jahr bereits mehr als 200.000 Bewerbungen. Viele von ihnen sind in der Automobilindustrie tätig. Weil diese Branche jedoch in einer Krise steckt, ist die Rüstungsindustrie vorerst die sicherere Alternative.

Stellenabbau in Deutschland: „Industrie leidet“ – Trump eine „Härteprüfung“

Doch von der aktuellen weltpolitischen Lage profitieren nur die wenigstens. „Nach wie vor leidet die deutsche Industrie unter den geopolitischen Konflikten und der damit einhergehenden schwächeren Weltwirtschaft“, heißt es in der Studie des IW. „Die Unwägbarkeiten der neuen US-Regierung verschärfen dies.“ Hohe Energie-, Regulierungs- und Arbeitskosten schwächten zudem die Wettbewerbsfähigkeit und damit das deutsche Auslandsgeschäft der Unternehmen.

Zwar galt im Befragungszeitraum noch keine der Zollregelungen, „das Exportklima war aber schon vorher vergiftet“, heißt es in der Mitteilung zur Studie. „Der Zollkrieg belastet das Tagesgeschäft enorm“, sagt IW-Konjunkturchef Michael Grömling. Seine Einschätzung: „Donald Trumps Launen kommen zu einer Unzeit und sind eine Härteprüfung für die deutsche Wirtschaft.“ (vk/dpa)

Rubriklistenbild: © Stefan Puchner/dpa

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