Einzelhändler kämpfen ums Überleben

Deutsche Wirtschaft in der Auftragskrise: Dramatischer Rückgang bei Dienstleistern – ein Sektor überrascht positiv

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Jedes dritte deutsche Unternehmen leidet unter Auftragsmangel. Vor allem Handel und Dienstleister stehen unter Druck. Allerdings gibt es eine Ausnahme.

Frankfurt – Die deutsche Wirtschaft kämpft mit einer anhaltenden Auftragsflaute: Etwa ein Drittel der deutschen Unternehmen leidet weiterhin unter einem dramatischen Mangel an Aufträgen, wie eine aktuelle Umfrage des ifo Instituts zeigt. Trotz eines leichten Rückgangs von 37,8 Prozent im Juli auf 36,9 Prozent im Oktober 2025 bleibt die Situation für die deutsche Wirtschaft angespannt und deutlich über dem langfristigen Durchschnitt.

Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen, kommentiert die Lage: „Der Weg aus der Auftragsflaute ist noch lang.“ Er fügt hinzu: „Der Auftragsmangel kann durch konjunkturell bedingte Nachfrageschwäche, aber auch durch zu hohe Kosten und damit mangelnde preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen entstehen.“

Im Einzelhandel hat sich die Situation nur minimal verbessert: Der Anteil sank von 52,1 auf 48,4 Prozent. Damit berichtet weiterhin etwa jeder zweite Betrieb über eine unzureichende Nachfrage.

Deutsche Wirtschaft: Industrie erholt sich langsam

In der Industrie zeigt sich eine vorsichtige Verbesserung. Der Anteil der Unternehmen mit fehlendem Auftragseingang sank von 38 Prozent im Juli auf 35,5 Prozent im Oktober 2025.

Besonders die Automobilbranche konnte aufatmen: Hier ging der Anteil der deutschen Unternehmen mit Auftragsmangel von 38,7 Prozent auf 29,5 Prozent zurück.

Zahlen zur deutschen Wirtschaft im Überblick
36,9% der Unternehmen melden Auftragsmangel (Oktober 2025)
Rückgang um 0,9 Prozentpunkte seit Juli
Besonders betroffen: Handel (48-62%) und Leiharbeit (64%)
Leichte Erholung: Automobilbranche (-9,2 Prozentpunkte)

Strukturelle Herausforderungen für deutsche Wirtschaft

Allerdings bleibt die Lage in einigen Industriezweigen weiterhin kritisch. Im Metallsektor und in der Papierindustrie berichten jeweils rund 44 Prozent der Unternehmen von fehlendem Auftragseingang. Die Chemische Industrie verzeichnete sogar einen Anstieg um etwa fünf Prozentpunkte auf 39,1 Prozent.

Im Gegensatz zur Industrie verschlechterte sich die Situation im Dienstleistungssektor dramatisch. Der Anteil der Unternehmen mit Auftragsmangel stieg von 31,4 Prozent auf 33,6 Prozent.

Besonders betroffen sind Leiharbeitsfirmen, von denen 64 Prozent einen Mangel an Aufträgen melden. Auch in der Beherbergung (52,4 Prozent) sowie bei Werbeagenturen und Marktforschern (54,8 Prozent) ist der Auftragsrückgang überdurchschnittlich hoch.

Auftragsflaute trifft deutsche Unternehmen: Jeder zweite Einzelhändler kämpft ums Überleben

Im Handelssektor bleibt die Lage ebenfalls herausfordernd für deutsche Unternehmen. Unter den Großhändlern klagten knapp zwei Drittel (61,9 Prozent) über fehlende Aufträge – ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorquartal (64,9 Prozent).

Im Einzelhandel hat sich die Situation nur minimal verbessert: Der Anteil sank von 52,1 auf 48,4 Prozent. Damit berichtet weiterhin etwa jeder zweite Betrieb über eine unzureichende Nachfrage.

Deutsche Unternehmen: Zwei Drittel der Großhändler ohne Aufträge

Die Lage hat verschiedene Gründe: Neben der allgemeinen konjunkturellen Schwäche spielen auch branchenspezifische Faktoren eine entscheidende Rolle. Die hohen Energiekosten und der zunehmende internationale Wettbewerb setzen viele deutsche Unternehmen massiv unter Druck.

Um die Situation zu verbessern, fordern Wirtschaftsverbände gezielte Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Dazu gehören Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung sowie eine drastische Reduzierung der Bürokratie. Trotz der leichten Verbesserung in einigen Bereichen bleibt die gesamtwirtschaftliche Lage angespannt.

Rubriklistenbild: © David Inderlied/dpa

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