Liquiditätsengpass

Deutscher Flugzeugproduzent schlittert in Insolvenz: Wie geht es nun weiter?

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Ein namhafter deutscher Produzent von Leichtflugzeugen ist wegen eines Liquiditätsengpasses in die Insolvenz geraten. Das sind die Gründe für die finanzielle Schieflage

Hörselberg-Hainich – Die wirtschaftliche Situation in Deutschland ist weiterhin angespannt. Immer mehr Unternehmen schlittern in die Insolvenz. Dieses Jahr jagt eine Insolvenzmeldung die nächste – bis Ende 2024 werden laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform 22.400 Unternehmensinsolvenzen erwartet, das sei der höchste Stand seit 2015. Mit Flight Design hat es nun auch einen bekannten Flugzeugbauer mit über 35-jähriger Firmengeschichte in Deutschland erwischt. Der Insolvenzverwalter gibt in einem Statement bekannt, wie es mit dem Betrieb weitergeht. Gibt es noch eine Zukunftsperspektive?

Deutscher Flugzeugbauer ist insolvent: Insolvenzverwalter gibt erste Einschätzung

Die Flight Design General Aviation GmbH hat ihren Sitz am Flugplatz Kindl in Hörselberg-Hainich und zählt Produktionsstandorte in Sumperk, in der Tschechische Republik, sowie in Cherson, in der Ukraine. Eigenen Angaben nach ist das Unternehmen einer der Weltmarktführer in der Herstellung von Leichtflugzeugen. Seit der Gründung in 1988 ist Flight Design in fast 50 Märkten präsent und hat seitdem über 2000 Flugzeuge ausgeliefert. Durch die Vergabe von Lizenzen sollen Flugzeuge auch international in China hergestellt werden.

Die Insolvenz ist laut Geschäftsführung darauf zurückzuführen, dass ein internationaler Kunde offene Forderungen in Höhe eines mittleren sechsstelligen Betrags bislang noch nicht beglichen hat. Hinzu kam, dass sich eine weitere Zahlung in ähnlicher Höhe verzögert hat. Das Unternehmen bemühte sich, alternative Finanzierungsquellen und Investoren zu finden, konnte jedoch trotz eines unterzeichneten, aber noch nicht erfüllten Vertrags über eine Million Euro keine Lösung erzielen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Ein kurzfristiges Angebot eines Investors scheiterte zudem daran, dass der Hauptaktionär nicht zustimmte.

Anfang Dezember, am 04.12.204 hat das Amtsgericht Meiningen nunmehr das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen der FLIGHT DESIGN general aviation GmbH angeordnet und DiLigens-Partner Marcello Di Stefano zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Zusammen mit einem Team, hat sich Di Stefano bereits umfassend in den Fall eingearbeitet und geeignete Schritte zur Stabilisierung des Geschäftsbetriebes vorgenommen, heißt es. Der Betrieb laufe trotz des Insolvenzantrages uneingeschränkt weiter. Zudem wurde ein Investorenprozess gestartet. „Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen alles daran setzen, eine dauerhafte Investorenlösung für Flight Design zu realisieren“, so Di Stefano.

Produktionsstandort von Ukraine nach Tschechien verlegt: ‚Hoher Auftragsbestand‘

Die Chancen für eine Umstrukturierung seien aussichtsreich: „Die Auftragslage des Unternehmens ist gut, die Produkte haben einen sehr guten Ruf auf dem internationalen Markt und die Außenstände sind überschaubar“, kommentiert der Insolvenzverwalter den Status Quo. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien bis mindestens 31.01.2025 gesichert. In Deutschland arbeiten derzeit 10 Mitarbeiter, 70 Mitarbeiter sind in der Tschechischen Republik tätig, und 20 Mitarbeiter in der Ukraine.

Die Produktionsstätte in der Ukraine hat Flight Design seit 1993. Aufgrund des Ukraine-Kriegs und der Besetzung von Cherson, wo bis zu 600 Mitarbeitende tätig waren, kam es zuletzt zu einer produktionsbedingten Pause. In der Zwischenzeit konnte das Unternehmen seine Fertigung in Sumperk in Tschechien neu aufbauen, wo es laut eigenen Angaben „über einen hohen Auftragsbestand“ verfügt. Seit Sommer 2024 konnten somit Auslieferungen und Absatz wieder hochgefahren werden.

Mit Flight Design schlittert ein bekannter Hesteller von Leichtflugzeugen in die Insolvenz. (Symbolbild)

Bekannter Flugzeugbauer musste bereits 2016 Insolvenz anmelden

Bereits im Jahr 2016 musste Flight Design Insolvenz anmelden. Der Flugzeugbauer wurde rund ein Jahr später von Lift Air übernommen. Der Käufer übernahm damals die EASA Design Organisation, den Produktionsstandort in der Ukraine sowie die Designrechte für alle Produkte von Flight Design. Über den Kaufpreis wurde damals Stillschweigen vereinbart. „Flight Design war bis zur Insolvenz führend bei der Entwicklung und Produktion von Leichtflugzeugen und ist auf dem gesamten Weltmarkt präsent. Wir wollen noch einen Schritt weiter gehen und diese Führung auch bei der Kundenbetreuung erreichen“, wurde der damalige Geschäftsführer in einer Aussendung zitiert. Nun ist das Unternehmen erneut in die Insolvenz geschlittert.

Mit der Rhein-Neckar Air GmbH wurde zuletzt auch die letzte bekannte unabhängige Regionalfluggesellschaft Deutschlands von der Insolvenzwelle erfasst. Auslöser sei eine ausstehende Zahlung eines Reiseveranstalters in Höhe eines mittleren fünfstelligen Betrags gewesen. Die Corona-Pandemie hatte der Fluggesellschaft bereits zu schaffen gemacht. Auch eine kanadische Billigfluggesellschaft musste bereits zwei Jahre nach dem Start Insolvenz anmelden. Das Unternehmen, das in finanzielle Schieflage geraten war, musste den Betrieb einstellen.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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