Trotz guter Auftragslage

Deutsches Familienunternehmen meldet im 100. Jubiläumsjahr Insolvenz an – 270 Mitarbeiter betroffen

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Der Anlagenbauer Vollert aus Weinsberg hat im 100. Jahr des Firmenbestehens einen Insolvenzantrag gestellt.
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Erneut muss ein traditionsreiches deutsches Familienunternehmen den Weg in die Insolvenz antreten, obwohl die Auftragslage eigentlich gut ist.

Weinsberg – Ausbleibende Aufträge sind in Verbindung mit hohen Kosten für Rohstoffe, Personal und Energie häufige Gründe für finanzielle Probleme von Unternehmen. Hin und wieder rutscht aber auch eine Firma trotz voller Auftragsbücher in eine Schieflage, wie Ende 2024, als ein Autozulieferer Insolvenz anmeldete. Ein ähnliches Schicksal ereilte nun den traditionsreichen und familiengeführten Anlagenbauer Vollert mit Sitz in Weinsberg bei Heilbronn (Baden-Württemberg), der laut Gewerkschaftsangaben am Freitag (18. Juli) einen Insolvenzantrag stellte.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Das berichtet unter anderem der SWR mit Verweis auf Christian Thym von der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm. Die Firma Vollert wurde im Jahr 1925 von Hermann Vollert in Weinsberg gegründet und feiert demnach in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Anfangs wurden im Nordosten Baden-Württembergs Schlossarbeiten, Fahrradreparaturen sowie der Bau von Brunnen und Pumpen durchgeführt, inzwischen ist die Vollert-Gruppe weltweit präsent. Die Frage ist, wie es nach der Insolvenzanmeldung für das Familienunternehmen weitergeht.

Anlagenbauer Vollert meldet Insolvenz an: Stimmung in der Belegschaft laut IG Metall bedrückt

Wie der Gewerkschafter Christian Thym dem SWR sagte, sei der Grund für die Insolvenzanmeldung des Traditionsunternehmens eben nicht in ausbleibenden Aufträgen begründet. Stattdessen hätten die Banken trotz eigentlich guter Auftragslage die Finanzierung verweigert. Die rund 270 Mitarbeiter am Stammsitz in Weinsberg wurden laut Thym am Freitag in Gesprächen über die Situation informiert, was verständlicherweise zu einer bedrückten Stimmung in der Belegschaft führte. Ob die Insolvenzanmeldung auch Auswirkungen auf die Auslandsgesellschaften in den USA, China, Brasilien und Indien haben wird, steht noch nicht fest.

Name Vollert Anlagenbau GmbH
Gründung 1925
Sitz Weinsberg, Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg
Branche Maschinenbau
Mitarbeiter 360, davon rund 270 in Weinsberg

Die Insolvenzanmeldung von Vollert am 18. Juli ist außerdem aus den Insolvenzbekanntmachungen der Länder ersichtlich. Dort heißt es zudem, dass das Amtsgericht Heilbronn den Mannheimer Rechtsanwalt Marc-Philippe Hornung von der Kanzlei Schilling, Zutt & Anschütz (SZA) zum vorläufigen Insolvenzverwalter berufen hat. Dieser wird das Familienunternehmen demnach durch den Sanierungsprozess führen, die Löhne und Gehälter der 270 Mitarbeiter in Weinsberg – insgesamt beschäftigt Vollert rund 360 Menschen – sind für drei Monate durch das Insolvenzgeld gedeckt. Zuletzt hatte auch ein Weltmarktführer Insolvenz angemeldet.

Insolvenz von Vollert: Weinsbergs Bürgermeisterin spricht von schwarzem Tag für die Stadt

Die Vollert-Gruppe ist nicht nur ein deutsches Traditionsunternehmen, das eben ausgerechnet im 100. Jahr des Bestehens den Gang in die Insolvenz antreten musste, sondern auch ein bedeutender Arbeitgeber für die historische Kleinstadt im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs. Deshalb sei der vergangene Freitag für Weinsberg selbst ein schwarzer Tag gewesen, teilte Bürgermeisterin Birgit Hannemann (parteilos) dem SWR mit. Sie hoffe daher, dass der Insolvenzverwalter für den Fortbestand des Unternehmens und die Mitarbeiter eine gute Lösung finde.

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