Bahn-Infrastruktur

Deutsches Schienennetz wird immer schlechter – selbst die Bahn gibt das zu

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Verspätungen und schlechte Infrastruktur: Die Probleme bei der Bahn sind bekannt. Jetzt hat die Deutsche Bahn ihr Schienennetz bewertet – und kommt zu keinem guten Ergebnis.

Köln – Die Deutsche Bahn wird immer unpünktlicher. Im Jahr 2022 kam fast jeder dritte Bahnreisende im Fernverkehr mindestens 15 Minuten zu spät an. Ein Grund dafür ist der Zustand der eigenen Infrastruktur. 2022 hat sich die Qualität des deutschen Schienennetzes weiter verschlechtert. Das geht aus dem jüngst von der Bahn-Gesellschaft InfraGo veröffentlichten Netzzustandsbericht hervor. Darin bewertete die Bahn ihre eigene Infrastruktur mit einer Note von 3,01. Das entspricht der Schulnote „befriedigend“. Im Jahr 2021 war die Bewertung noch besser ausgefallen (2,93).

Netzzustandsbericht der Bahn: Einige Strecken in schlechtem oder mangelhaftem Zustand

Die Züge der Bahn kommen auch wegen der schlechten Infrastruktur immer häufiger zu spät (Symbolfoto).

Laut Bericht war mehr als die Hälfte des bewerteten Netzbestands in einem mittelmäßigen, schlechten oder mangelhaften Zustand war. „Der Zustand der Schieneninfrastruktur hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert, da nicht ausreichend Mittel zur Verfügung standen, um genügend Anlagen zu erneuern“, schreibt der Chef von InfraGo, Philipp Nagl.

Die am stärksten genutzten Strecken, die für die Stabilität und Pünktlichkeit des gesamten Netzes von entscheidender Bedeutung sind, waren besonders anfällig. Dieser Teil der Infrastruktur umfasst etwa 3500 Kilometer, was rund zehn Prozent des gesamten Streckennetzes ausmacht. Für diesen Bereich vergibt die Bahn nur eine Note von 3,15. Vor allem Gleise und Weichen sind dort in einem schlechteren Zustand als im restlichen Netz. Mehr als ein Viertel der Gleise müsste mittelfristig erneuert werden, heißt es im Bericht.

Bahn plant Generalsanierung vieler wichtiger Strecken – auch NRW betroffen

Die Bahn plant, in den kommenden Jahren durch die Generalsanierung von Dutzenden stark belasteten Strecken Abhilfe zu schaffen. So sollen bis zum Jahr 2030 insgesamt 40 hoch belastete Strecken der Bahn jeweils für rund fünf Monate komplett gesperrt und rundum saniert werden. Bereits 2024 stehen dabei einige Bahnbaustellen in NRW an. So wird unter anderem die Strecke zwischen Duisburg und Oberhausen in den Osterferien voll gesperrt. Im Sommer steht auch eine einmonatige Sperrung der Strecke zwischen Köln und Frankfurt an. Darüber hinaus treibt die Bahn auch den Ausbau der S13 zwischen Troisdorf und Bonn-Oberkassel weiter voran.

Doch auch in anderen Teilen Deutschlands müssen sich Bahnreisende auf größere Baustellen einstellen. Den Anfang macht im Juli die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim, die für etwa fünf Monate vollständig gesperrt und grundlegend modernisiert werden soll. 2025 steht dann die Sanierung der Strecke Berlin-Hamburg auf dem Plan.

Grüne: Bahn soll mehr Geld bekommen

Trotz der Haushaltskrise fordern die Grünen mehr Geld für die Bahn, finanziert durch Kredite. „Der Nachholbedarf des Netzes beträgt jetzt 90,3 Milliarden Euro“, sagte der bahnpolitische Sprecher, Matthias Gastel, gegenüber dem Tagesspiegel. „Das ist mit dem regulären Haushalt nicht zu leisten“, so Gastel weiter. Er schlägt für den Neu- und Ausbau von Bahnstrecken einen mehrjährigen Schienenfonds nach dem Vorbild Österreichs vor, was auch eine zusätzliche Verschuldung des Bundes bedeuten würde. Für die Sanierung könnte seiner Meinung nach das Eigenkapital der Bahn weiter erhöht werden. (jr mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Der Redakteur hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft.

Rubriklistenbild: © Rüdiger Wölk/Imago

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