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Bis 2030 soll das deutsche Schienennetz komplett modernisiert werden. Dafür sind dutzende monatelange Bahnsperrungen nötig – viele davon in NRW. Ein Überblick.
Köln – Seit Jahren hat die Deutsche Bahn mit vielen Verspätungen im Fernverkehr zu kämpfen. Allein 2022 war fast jeder dritte IC oder ICE unpünktlich. Mit einer echten Großoffensive soll das geändert werden. Die Bundesregierung hat angekündigt, zusätzlich knapp 40 Milliarden Euro für die Modernisierung des deutschen Streckennetzes bereitzustellen. Dabei sollen von 2025 bis 2030 ganze 40 hoch belastete Strecken jeweils für rund fünf Monate komplett gesperrt und dann rundum saniert sowie ertüchtigt werden. Ganze zehn Schienenabschnitte liegen dabei in Nordrhein-Westfalen. 24RHEIN zeigt alle Strecken und Zeitpläne für den Westen im Überblick.
Diese NRW-Bahnstrecken werden bis 2030 monatelang voll gesperrt
Der Bund und die Deutsche Bahn hatten die umfassende Sanierung des deutschen Schienennetzes auf dem Schienengipfel des Bundesverkehrsministeriums am 15. September gemeinsam angekündigt. Dabei handle es sich um nichts Geringeres als das „größte und umfassendste Infrastrukturprogramm“ seit der Bahnreform 1994, teilte der DB-Konzern mit. Ziel ist es, den Zugverkehr nachhaltig pünktlicher zu machen und die Voraussetzungen zu schaffen, um die verkehrspolitischen Ziele im Personen- und Güterverkehr zu erreichen.
Durch die monatelangen Vollsperrungen sollen laut Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) vor allem Kosten gespart werden. Neben den 40 Zugstrecken werden auch die daran liegenden Bahnhöfe modernisiert und aufgewertet. „Wir erneuern und modernisieren die Infrastruktur mit einem Programm, das beispiellos in der DB-Geschichte ist. [...] Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Das enorme Baupensum wird für Reisende und Güterverkehrsunternehmen ebenfalls herausfordernd“, sagte Bahnchef Richard Lutz. Das glaubt auch die EVG, denn die Gewerkschaft befürchtet einen Mangel an Busfahrern für den Ersatzverkehr während der Bahn-Generelsanierung.
Welche Bahnsperrungen gibt es aktuell in NRW?
Immer wieder werden etliche Bahnstrecken, teils wochenlang, für den Zugverkehr gesperrt. 24RHEIN zeigt, welche Bahnsperrungen es aktuell in NRW gibt und welche bald kommen.
2025: Bahnstrecke Emmerich–Oberhausen wird auf 73 Kilometern saniert
Die Bahn bereitet für die Strecke Emmerich/Oberhausen auf der sogenannten Betuwe-Linie in Richtung Niederlande ein „spezielles Sanierungs- und Ausbaukonzept“ vor. Bis Mitte 2026 sind mehrere getaktete Teil-Sperrungen und teilweise ein eingleisiger Bahnbetrieb geplant. Ursache ist der dort starke internationale Güterverkehr, der „weiterrollen muss und sich nicht komplett auf Umleitungsstrecken verlagern lässt“, teilte die Deutsche Bahn mit.
Die ersten Sperrungen der Bahnstrecke Emmerich-Oberhausen sollen bereits ab 2025 beginnen. Dabei werden zahlreiche Bestandsanlagen sowie Bahnhöfe saniert und der Bau des bereits seit langem geplanten dritten Gleises vorangetrieben. Für letzteres werden laut Bahn auch nach Abschluss der Generalsanierung „weitere Arbeiten erforderlich sein“. Bereits 2023 war die Bahnstrecke Emmerich-Oberhausen zweimal voll gesperrt. Im Frühjahr sogar ganze zwei Monate lang.
2026: Zugstrecke Hagen–Wuppertal–Köln über 65 Kilometer gesperrt
Die Strecke ist die Hauptachse für den Fern- und Nahverkehr zwischen Hagen und Köln. Während der neuen Generalsanierung sollen zahlreiche „ohnehin geplante Arbeiten“ gebündelt werden, teilt die Bahn mit. Die S-Bahn- und Ortsgleise sollen dabei weitestgehend befahrbar bleiben. Erneuert werden unter anderem Gleise und Weichen sowie die Leit- und Sicherungstechnik. Auch mehrere Bahnhöfe sollen modernisiert und aufgewertet werden.
2026: Sanierung der Bahnstrecke Troisdorf–Koblenz auf 89 Kilometern
Die Zugstrecke am rechten Rheinufer zwischen dem Rhein-Ruhr- und dem Rhein-Main-Gebiet ist ein wichtiger Teil des Güterverkehrskorridors zwischen Rotterdam und Genua. Zwischen Troisdorf und Koblenz werden während der Generalsanierung unter anderem Gleise, Weichen, Oberleitung und Brücken modernisiert. Außerdem möchte die Bahn mehrere Bahnhöfe modernisieren und aufwerten. Parallel soll auch der Ausbau der S13 zwischen Troisdorf und Bonn-Oberkassel vorangebracht werden. Im Sommer 2023 musste dafür bereits die A59 bei Bonn für sechs Wochen gesperrt werden.
2027: Mega Bahnstrecke Hamm–Düsseldorf–Köln wird auf 156 Kilometern erneuert
Als Hauptachse für den Fern- und Nahverkehr zwischen Ruhrgebiet und Rheinland, ist die Bahnstrecke von Köln nach Düsseldorf und über das Ruhrgebiet nach Hamm eine der „wichtigsten und meistbefahrenen Eisenbahnstrecken in Deutschland“. Neben den Fahrbahngleisen sollen während der Generalsanierung auch Bahnhöfe modernisiert werden. Die S-Bahn- und Ortsgleise sollen „weitestgehend“ befahrbar bleiben.
Parallel sollen „möglichst viele Maßnahmen“ für den Ausbau des RRX realisiert werden. Dafür muss jedoch das entsprechende Baurecht vorliegen. Die RRX-Ausbauarbeiten laufen bereits seit 2017 und werden auch nach dem Abschluss der Vollsperrung 2027 fortgesetzt. Unter anderem werden zwei zusätzliche Gleise zwischen Flughafen Düsseldorf und Duisburg gebaut.
Wie sich der ICE der Deutschen Bahn über die Jahre verändert hat




2028: Bahnstrecke Hagen–Unna–Hamm im Westen NRWs wird über 54 Kilometer saniert
Die Zugstrecke von Hagen über Unna nach Hamm ist sowohl für den Regional- als auch Güterverkehr in der Region relevant. Während der Generalsanierung modernisiert die Deutsche Bahn die Stellwerkstechnik. Zudem sollen noch mehrere Bahnhöfe aufgewertet werden.
2028: Sanierung der Zugstrecke Köln–Bonn–Koblenz über 84 Kilometer
Trotz der neuen Schnellfahrstrecke Rhein/Main ist der Streckenabschnitt Köln-Bonn-Koblenz weiterhin wichtig für den Fernverkehr der Deutschen Bahn. Zusätzlich fahren dort noch einige Regionallinien sowie Güterzüge, was die Strecke zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen bringt. Während der Generalsanierung werden deshalb „zahlreiche Erneuerungs- und Modernisierungsmaßnahmen“ gebündelt.
2029: 73 Kilometerlange Eneuerung der Bahnstrecke zwischen Aachen und Köln
Die Zugstrecke Köln-Aachen hat sogar international eine hohe Relevanz. Sie ist Teil der Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Paris, Brüssel, Köln sowie London. Gleichzeitig ist sie auch eine der „Hauptmagistrale im internationalen Güterverkehr“. Tagtäglich fahren rund 260 an dem Bereich Aachen vorbei. Bei der Generalsanierung wird der dortige Bahnbetrieb vor allem digitalisiert. So werden Stellwerke modernisiert, zusätzliche Überholmöglichkeiten geschaffen, Gleise und Weichen ersetzt und vier Brücken in Köln erneuert. Auch mehrere Bahnhöfe sollen laut der Bahn modernisiert und aufgewertet werden.
2030: Bahnstrecke Osnabrück–Münster wird über 50 Kilometern saniert
Auf der Zugstrecke Osnabrück-Münster wird laut der Bahn eine „Vielzahl von Arbeiten zur Verbesserung der Infrastruktur gebündelt“. Außerdem sollen mehrere Bahnhöfe modernisiert werden.
2030: Überlastete Zugstrecke Münster–Recklinghausen wird über 60 Kilometer erneuert
Bereits heute gilt die Bahnstrecke zwischen Münster und Recklinghausen als überlastet. Sowohl Personen- als auch Güterverkehr finden hier zuhauf statt. Bei der Generalsanierung werden auch hier „zahlreiche Arbeiten“ gebündelt, durch diese die Infrastruktur „deutlich leistungsfähiger“ und Bahnhöfe modernisiert werden sollen.
2030: Sanierung der Bahnstrecke zwischen Minden und Wunstorf über 42 Kilometer
Der Streckenabschnitt liegt auf der Hauptachse für den Fern- und Güterverkehr zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet. Pro Richtung fahren hier bereits heute täglich bis zu 170 Züge. Neben der Modernisierung einiger Bahnhöfe soll die Stellwerkstechnik komplett erneuert werden. Hierfür sind „umfangreiche Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik“ erforderlich, teilt die Deutsche Bahn mit. (os mit dpa) Täglich informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Jochen Tack/Imago


