Wirtschaftliche Folgen

Nach Anti-AfD-Schreiben – Unternehmer Würth holt erneut aus: „AfD schürt Misstrauen gegen jedermann“

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Klare Kante gegen Rechts: Unternehmer Reinhold Würth positioniert sich offen gegen die AfD. Auch nach seinem Brief an die Mitarbeiter beharrt er auf seiner Position.

Update vom 3. Mai 2024, 15.52 Uhr: Erneut hat der Unternehmer Reinhold Würth die AfD attackiert. Gegenüber dem Handelsblatt teilte der Unternehmer mit, dass sein Anti-AfD-Brief an die Mitarbeiter auch wirtschaftliche Folgen für das Unternehmen hatte. Einige Kunden hätten angekündigt, nichts mehr bei Würth zu kaufen, man hab dadurch rund 1,5 Millionen Euro Umsatz verloren. Dennoch hält er an seiner Position fest und entsendet einen ähnlichen Appell. „Die AfD schürt Misstrauen gegen jedermann“, sagte Würth im Interview. „Ich mache mir große Sorgen über die Zukunft dieses Landes. Viele Wähler der rechten Szene merken offenbar gar nicht, dass sie mit ihrem Tun tendenziell totalitäre Zustände wie in der DDR zurückholen – diesmal nur nicht von links, sondern von rechts.“

Der 89-Jährige gibt aber auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der Regierungskoalition eine Teilschuld an der schlechten Stimmung im Land: „Der jetzigen Regierung fehlt eine gemeinsame Linie und vor allem eine Idee für die Zukunft“, sagt er. „Wenn unser Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeskanzler wäre, hätte die Bundesregierung mehr Zuspruch.“

Erstmeldung vom 19. März 2024, 08.31 Uhr: Berlin – In einem fünfseitigen Schreiben warnte der Milliardär und Unternehmer Reinhold Würth vor der AfD. Er rief seine Mitarbeitenden, aber auch die Wählerschaft dazu auf, der AfD keine Stimme zu geben: „Bloß wegen ein bisschen Spaß an der Freude Rabatz zu machen und aus Unmut über die Ampelregierung die AfD zu wählen, ist einfach zu wenig“, heißt es in dem Schreiben. Er sehe die Gefahr einer „Demokratur oder gar einer Diktatur“, sollte die AfD an die Macht kommen, schreibt der Vorsitzende des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe am Montag (18. März). Zuerst hatte die F.A.Z. darüber berichtet.

 Unternehmer Würth warnt Mitarbeiter und Wähler vor AfD

Der Unternehmer begrüßt zudem die Proteste in Bezug auf die AfD. Zudem drückte er seinen Respekt gegenüber Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) aus, weil er „die Taurus-Marschflugkörper nicht aus Deutschland herausgibt“. Bei aller Kritik an der Ampelkoalition seien Forderungen aus der AfD, das Parteiensystem zu ändern, nicht angebracht.

Unternehmer-Legender Würth warnt in einem Schreiben vor der AfD.

Die Bundesregierung laufe zwar manchmal „wie ein Hühnerhaufen durcheinander“, habe aber trotzdem das ein oder andere positive Gesetz auf den Weg gebracht. „Ich appelliere an jede Bürgerin und jeden Bürger und auch an Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, überlegen Sie, wem Sie bei den verschiedenen Wahlen Ihre Stimme geben“, zitierte unter anderem die Tagesschau aus dem Schreiben.

 Unternehmer Würth warnt Mitarbeitende und Wählerschaft vor AfD

Unternehmer Würth ist nicht der einzige Unternehmer, der eine klare Kante gegen die AfD zeigte. Mehrere führende Ökonomen riefen die Wirtschaft in Deutschland auf, sich öffentlich stärker gegen den Rechtsextremismus und die AfD zu positionieren. „Die Vorstände in den Unternehmen müssen jetzt Farbe bekennen gegen rechts und ihren Beschäftigten vor Augen halten: ‚Eure Jobs sind in Gefahr, wenn die AfD sich durchsetzt‘“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, der Nachrichtenagentur dpa im Januar.

In einigen Unternehmen herrsche leider die Attitüde, die Politik müsse das allein richten. Das sei falsch. Einige Unternehmen gingen zwar mit gutem Beispiel voran, anderen fehle jedoch der Mut, so Fratzscher. Dabei wären Wirtschaft und Unternehmen die großen Verlierer einer AfD-Politik. Dann gingen Millionen Arbeitsplätze verloren. Ohne Beschäftigte aus dem Ausland werde sich der Fachkräftemangel erheblich verschärfen.

Sorge vor Rechtsruck in Deutschland: Unternehmer warnen vor AfD und wirtschaftlichen Folgen

Auch Knut Bergmann, Leiter des Berliner Büros des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) warnte vor den Folgen des AfD-Kurses für die deutsche Wirtschaft. Der politische Kurs sei ein Risiko für den Standort. Zudem wächst die Sorge vor Auswirkungen auf die deutschen Klimaschutzbemühungen. „Wir müssen uns mit der AfD inhaltlich auseinandersetzen“ erklärte Leonhard Birnbaum, Chef des Essener Energie-Konzerns Eon gegenüber WDR. Die Partei ziehe den menschengemachten Klimawandel in Zweifel und wolle die Eindämmung von CO₂-Emissionen beenden. „Dem müssen wir argumentativ begegnen“, sagte Birnbaum.

Dieser Ansicht schlossen sich jetzt auch mehr als 50 deutsche Unternehmen an, darunter auch die Deutsche Telekom in Bonn und Thyssenkrupp aus Essen. In einem Appell warnten sie, dass rechtsextreme Kräfte die Demokratie und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands bedrohten. (bohy)

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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