VonMarcel Reichschließen
Das deutsch-französische Kampfjet-Projekt steht auf der Kippe. Dassault will die Führung übernehmen. Ein Kompromiss ist noch nicht in Sicht.
Frankfurt – Der Chef des französischen Flugzeugbauers Dassault hat die Zukunft des deutsch-französisch-spanischen Kampfjet-Projekts FCAS in Frage gestellt. „Ob es zustande kommt? Ich weiß es nicht“, sagte Eric Trappier am Dienstag auf einer Konferenz. Er knüpfe den Erfolg des Vorhabens unter anderem an die Bereitschaft Deutschlands, seine Abhängigkeit von US-Rüstungsimporten zu überdenken. Trappier bekräftigte zudem die Forderung nach einer klaren Führung bei der Entwicklung des eigentlichen Kampfflugzeugs, das den Kern des Systems bildet.
100-Milliarden-Debakel droht: Dassault fordert Führung bei Kampfjet – Airbus unter Druck
„Ich fordere Führung auf Basis der Kompetenzen des Unternehmens Dassault“, sagte er. „Ich bin nicht gegen Zusammenarbeit, aber sie muss effektiv sein.“
Eigentlich soll ein gemeinsamer Kampfjet etwa ab 2040 in Deutschland den Eurofighter und in Frankreich die Rafale ablösen. Die Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Spaniens wollen bis zum Jahresende eine politische Lösung in dem Streit um das 100-Milliarden-Projekt finden, den Dassault-Chef Trappier vom Zaun gebrochen hatte. Er fordert für sein Unternehmen die klare Führung des Projekts und düpierte damit den Partner Airbus, der bei FCAS die deutschen Interessen vertritt. An dem Projekt ist neben dem französischen Rüstungskonzern und dem deutsch-französischen Luftfahrt-Riesen Airbus auch Indra aus Spanien beteiligt.
Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron wollen sich voraussichtlich in dieser Woche mit dem Schicksal des Projekts befassen. Verteidigungsminister beider Länder hatten es vergangene Woche nicht geschafft, die Differenzen beizulegen. Berichte, wonach Frankreich und Deutschland als Kompromiss zwei verschiedene Flugzeuge unter einem gemeinsamen Dach bauen könnten, wies Trappier zurück. „Niemand hat mit mir über zwei Flugzeuge gesprochen“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.
Trappier hatte Deutschland bereits für die Entscheidung kritisiert, für die nukleare Teilhabe der Nato US-Kampfjets vom Typ F-35 zu kaufen. Eine der offenen Fragen bei FCAS sei, ob Deutschland bereit sei, „seine transatlantische Beziehung in Verteidigungsfragen beiseitezulegen“. Dassault fordert die Federführung bei der Entwicklung des Kampfjets, während Airbus andere Teile des Systems wie Kampfdrohnen und die Vernetzung verantworten solle. Airbus wiederum wirft Dassault vor, bestehende Vereinbarungen über die Führung des Projekts aushebeln zu wollen. (Quelle: Reuters)
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