VonMarcus Giebelschließen
In Deutschland intensiviert sich die Eier-Krise. Schon mehrere Wochen vor Ostern sind die Hühnerprodukte rar. Dabei spielt nicht nur die Vogelgrippe eine Rolle.
Berlin – Die Deutsche Eier-Union (DEU) versucht gar nicht erst, die alarmierende Lage schönzureden. Im Marktkommentar für die achte Kalenderwoche ist von einem neuen Allzeitpreishoch für Eier zu lesen. Die Nachfrage übersteige „insgesamt bei weitem“ das Angebot. Daher müsse schon rund zwei Monate vor Ostern festgestellt werden: „Eier bleiben unabhängig von der Haltungsform Mangelware!“
Auch in der Karnevalszeit sei keine Entspannung in Sicht, zumal bis zum Osterfest Mitte April „noch sehr viele Eier zum Kochen und Färben produziert werden“ müssten. Die Hühnerprodukte würden sich zwar auch in diesem Jahr sicher im Korb des Osterhasen befinden, es sei aber „sogar eine Rationierung denkbar“.
Vogelgrippe und Eier-Krise in Deutschland: „In Zeiten schwindender Kaufkraft öfter auf Einkaufszettel“
Zurückzuführen seien die Lieferengpässe auf die Aviäre Influenza, die landläufig als Vogelgrippe bekannt ist. Den USA macht sie bereits seit geraumer Zeit zu schaffen, dort gehen zum Ärger von US-Präsident Donald Trump, der Entlastungen für die Bürger versprochen hatte, die Eier-Preise durch die Decke. Die DEU betont aber auch, dass in den Niederlanden die Produktionsmengen deutlich zurückgefahren worden seien, um Immissionen zu reduzieren.
Daneben wird festgestellt: „Eier sind beliebter denn je, und scheinen insbesondere in Zeiten schwindender Kaufkraft öfter auf dem Einkaufszettel zu stehen.“ Dass sie im Supermarkt auch mit allen erforderlichen Zertifikaten inzwischen „deutlich günstiger“ als im Großhandel zu haben seien, wird als problematisch eingeordnet.
Zum Abschluss wünscht die DEU „starke Nerven“. Die werden wohl alle Beteiligten in den kommenden Wochen gut gebrauchen können: die Landwirte, denen bei Vogelgrippe-Fällen auf ihrem Hof die Keulung des gesamten Hühnerbestands droht, die Handelsunternehmen, die ihre Regale nicht vollbekommen, und nicht zuletzt die Konsumenten, die sich höheren Preisen ausgesetzt sehen.
Deutschland in der Eier-Krise: „Es gibt derzeit immer wieder Keulungen“
Die Folgen der Vogelgrippe nennt auch Wolfgang Schleicher in einem Welt-Artikel schonungslos. „Es gibt derzeit immer wieder Keulungen“, betont der Geschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Damit verlieren die betroffenen Landwirte neben ihren Hühnern auch viel Zeit. „Aufzucht und Einstallung dauern mindestens sieben bis acht Monate“, nennt der Experte konkrete Zahlen zum Aufbau neuer Herden.
Obendrein seien Jungtiere wegen der Krankheitswelle derzeit schwer zu bekommen. Mit einer Entspannung ist auch hier nicht zu rechnen.
Keulungen in Nachbarländern wie den Niederlanden oder Polen würden sich ebenfalls auf den deutschen Markt auswirken, da die Bundesrepublik auf Importe angewiesen sei. Auch Schleicher attestiert dem Ei „ein zunehmend positives Image“.
Eier-Nachfrage in Deutschland: „Werden immer mehr als Superfood gesehen“
Dabei bringt der ZDG-Chef neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zur Sprache: „Eier werden schon seit geraumer Zeit immer mehr als Superfood gesehen denn als Risikofaktor in der Cholesterin-Diskussion.“ Offizielle Statistiken für das Jahr 2024 würden noch nicht vorliegen, Schleicher geht aber von einem weiteren Anstieg beim Verbrauch aus: „Auf Basis der uns vorliegenden brancheninternen Informationen ist der Pro-Kopf-Verbrauch im vergangenen Jahr um acht auf nun 244 Eier gestiegen.“
Eier sind also gefragt wie nie oder zumindest lange nicht. Und das nicht nur an Ostern. Die Lieferausfälle infolge der Vogelgrippe machen sich da nur umso deutlicher bemerkbar. (mg)
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