Frühstücks-Ei besser weglassen?

Eier und Cholesterin: Sollte man wirklich nur ein Ei pro Woche essen?

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Müssen Sie in Zukunft auf Ihr Frühstücksei verzichten? Nicht unbedingt, denn der Cholesterinwert wird vor allem durch die Gene bestimmt. Die Ernährung hat einen deutlich geringeren Einfluss.
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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Empfehlungen geändert, und rät nur ein Ei pro Woche zu essen. Woran das liegt.

Nur ein Ei pro Woche - so lautet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu einem gesunden Eierkonsum. Denn Eier zählen zu den cholesterinreichen Lebensmitteln. Den Experten zufolge sei ein Ei pro Woche, beispielsweise in Form eines Frühstücks-Eis, ausreichend für eine gesundheitsfördernde und cholesterinarme Ernährung. Ernährungsmediziner sehen die Empfehlungen allerdings kritisch.

Gesunder Cholesterinspiegel: Wie viele Eier pro Woche?

Eine cholesterinreiche Ernährung fördert die Verkalkung der Arterien, wodurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall steigt. Vor allem vor Eiern wurde daher lange gewarnt, da diese besonders viel Cholesterin enthalten. Einer Meta-Analyse aus dem Jahr 2022 zufolge erhöht ein 50-Gramm-Ei pro Tag das Herz-Kreislauf-Risiko signifikant.

Grundsätzlich gilt allerdings, dass der Cholesterinspiegel im Blut nicht unbedingt die Cholesterinzufuhr durch die Nahrung widerspiegelt, wie das Bundeszentrum für Ernährung berichtet. Man selber kann also kaum etwas an seinem Cholesterin im Blut ändern, weiß auch der Lipid-Experte Prof. Ulrich Laufs. Der Cholesterinwert sei zu großen Teilen genetisch bedingt, also ererbt aus der Familie, erklärt er gegenüber der Deutschen Herzstiftung.

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Fettbewusst Essen: Gene spielen entscheidenden Einfluss

Wie viel Cholesterin im Blut ist, wird dabei durch die Aktivität der Leber bestimmt. Dort ist der sogenannte LDL-Rezeptor zu finden, welcher insbesondere die „schlechten“ LDL-Partikel bindet. LDL-Partikel stehen mit Gefäßablagerungen in Zusammenhang und können das Infarktrisiko erhöhen. Ist die Funktion des LDL-Rezeptors in der Leber eingeschränkt, kann dies dazu führen, dass mehr LDL-Partikel im Blut zu finden sind. Langfristig werden dadurch Ablagerungen in den Gefäßen begünstigt.

Ist Ihr LDL-Cholesterin zu hoch, reduzieren Sie die Menge bestimmter Lebensmittel

Tasse Kaffee mit Milchschaum
Frisch gebrühter Kaffee mit einer extra Haube Milchschaum – für viele ein Muss zu Hause oder im Lieblingscafé. Doch beides, Kaffee und Milch, ist nicht nur lecker, sondern birgt auch eine Gefahr für die Gefäße. © David Aguero/Imago
Kaffee am Morgen: Mit einem Trick kann die Gesundheit geschützt werden.
Das in Kaffee enthaltende Cafestol und Kahweol kann das Cholesterin im Blut erhöhen. Diese Substanzen aus der Kaffeefrucht hemmen Enzyme, die in der Leber das Cholesterin abbauen. Trinken Sie den Wachmacher besser gefiltert, statt ungefiltert, denn Cafestol und Kahweol bleiben zum größten Teil im Filter zurück. © Britta Pedersen/dpa
Beim Braten von Spiegeleiern können einige Fehler passieren.
Das tägliche Frühstücksei gehört für manche Menschen für einen guten Start in den Tag einfach dazu. Eier sind zwar mit Zink, Eisen und Selen gesund, aber auch reich an gesättigten Fettsäuren, die das schädliche LDL-Cholesterin im Körper fördern. Pro Ei bekommt der Körper etwa 280 Milligramm Cholesterin zugeführt. Ist Ihr Cholesterin bereits zu hoch, sollten Sie auf Eier zunächst verzichten, zumindest bis die Werte wieder gesunken sind. Und auch danach empfiehlt es sich, nicht mehr als drei- bis viermal Mal pro Woche ein Ei zu essen. Grundsätzlich gilt: Der Cholesteringehalt eines einzelnen Nahrungsmittels, wie bei Eiern, beeinflusst den Cholesterinspiegel im Blut weniger – vielmehr ist die Art und Menge der grundsätzlich verzehrten Nahrungsfette insgesamt ausschlaggebend, nach Angaben der „Deutschen Herzstiftung“.  © Peter Widmann/Imago
Haferflocken mit Milch und Obst
Mit einem gesunden Frühstück bestehend aus Haferflocken, Bananen, Apfel und Blaubeeren in den Tag starten, hmm lecker! Doch Vorsicht – ist Ihr Cholesterinspiegel bereits zu hoch oder sollten Sie darauf achten, dass er nicht noch weiter ansteigt, achten Sie bei der Milchauswahl auf fettarme Produkte mit 1,5 Prozent Fettanteil. Vollmilch sollten Sie besser meiden, da diese reich an gesättigten Fettsäuren ist, die besonders das schädliche LDL-Cholesterin im Körper ansteigen lassen. © Shingo Tosha/AFLO/Imago
Schale Joghurt
Auch bei fetthaltigem Joghurt und Quark sollten Menschen mit hohem Cholesterinspiegel vorsichtig sein. Der hohe Anteil der gesättigten Fettsäuren beeinflusst die LDL-Konzentration im Blut. Besser auf einen geringeren Fettanteil achten, von nicht mehr als drei Prozent. © keko64/Imago
Kefir und Buttermilch in Gläser schenken
Kefir oder Buttermilch sind ebenfalls reich an gesättigten Fettsäuren, die bei regelmäßigem Genuss das LDL-Cholesterin ansteigen lassen. So ist ein größeres Risiko für Gefäßablagerungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gegeben. © Fascinadora/Imago
Frau mit Croissants am Frühstückstisch
Die leckeren Hörnchen laden förmlich dazu ein, in den Kaffee getunkt zu werden. Doch gerade Blätterteig-Backwaren wie Croissant enthalten ungesättigte Fettsäuren und Transfette, die einen hohen Cholesterinspiegel begünstigen. © Jo Kirchherr/Imago
Toastbrot mit Schokoladenaufstrich
Süße oder fettige Aufstriche enthalten nicht selten Palmfett, was bei regelmäßigem Verzehr das schädliche LDL-Cholesterin im Körper steigern kann. Dadurch werden Ablagerungen in den Gefäßen gefördert, die diese dann im schlimmsten Fall verstopfen können. Die Folge kann eine gefährliche Thrombose sein, die zum Herzinfarkt oder Schlaganfall führt. © Monkey Business/Imago
Brot mit Butter und Messer
Wer hingegen regelmäßig das Butterbrot ohne Aufstrich vorzieht, bei dem könnte sich dies ebenfalls über kurz oder lang auf den Cholesterinspiegel schlagen. Butter besteht zu ca. 16 Prozent aus Wasser und 80 bis 82 Prozent aus Milchfett. Dieses setzt sich aus 54 Prozent gesättigten, 23 Prozent einfach ungesättigten und etwa zwei Prozent mehrfach ungesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren zusammen. Die gesättigten Fettsäuren werden für den Anstieg des schädlichen LDL-Cholesterins im Blut verantwortlich gemacht. Weniger oder keine Butter zu essen, verringert das Risiko von Gefäßablagerungen, Arteriosklerose und demzufolge Herzinfarkt und Schlaganfall. © hecke/Imago
Kokosfett in einer Schüssel
Wer seine Gerichte weniger mit ungesättigten Fettsäuren aus der Butter anbraten möchte, greift möglicherweise zum vermeintlich gesünderen Kokosfett. Doch Achtung: Kokosfett besteht allein zu 92 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Zum Kochen und Anbraten empfehlen sich eher ungesättigte Fettsäuren aus Sonnenblumenöl, Rapsöl oder Olivenöl. © HeikeRau/Imago
Hotdog mit Wienerwurst, Käse, Gurke
Zum Mittagessen gibt es dann auch mal eine Semmel mit Käse oder Wurst auf die Hand. Was lecker aussieht und auch schmeckt, kann für den Cholesterinspiegel im Körper kritisch werden. Insbesondere Käsesorten mit einem hohen Fettanteil (über 3 Prozent) und fetthaltige Wurstsorten enthalten gesättigte Fettsäuren, die den Lipidgehalt im Blut und in den Gefäßen ansteigen lassen. © matka/Imago
Schale mit Pommes Frites und Ketchup
Oder doch lieber schnell eine Portion Pommes Frites zur Mittagszeit? Pommes enthalten auf 100 Gramm über 2,3 Gramm gesättigte Fettsäuren, was bei regelmäßigem Verzehr die Gefahr von hohem Cholesterin und Gefäßablagerungen verstärkt. Zudem enthalten Fertiggerichte und sogenanntes „Fast Food“, wie Pommes Frites, Pizza und Burger, in der Regel Transfette. Transfette können nachweislich den Cholesterinspiegel erhöhen, Gefäßablagerungen verursachen und somit Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. © Vaivirga/Imago
Rinderbraten mit Gemüse und Kartoffeln
Wie wäre es mal wieder zum Abendessen mit einem herzhaften Roastbeef, dazu Gemüse und Kartoffeln in Butter geschwenkt? Wenn Sie solche Gerichte nur hin und wieder genießen, wird dies Ihrem Cholesterinspiegel möglicherweise nicht schaden. Doch der regelmäßige Verzehr von Fleisch mit hohem Anteil an gesättigten Fettsäuren kann Ihr Cholesterin stark ansteigen lassen, sodass das Risiko für Gefäßablagerungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. © Monkey Business/Imago
Pizzastück
Wer dann zum Abendessen doch lieber die Pizza bevorzugt, könnte seinen Gefäßen nichts Gutes tun. Auch hier ist das Maß entscheidend. Hin und wieder eine Pizza schadet dem Cholesterinspiegel nicht nachhaltig, doch bei regelmäßigem Verzehr kann Vorsicht geboten sein, insbesondere wenn es hoch-verarbeitete Pizza ist. Dabei handelt es sich um Tiefkühl- und Fast-Food-Pizzen, die mit anderen verarbeiteten Lebensmitteln wie Wurst und Käse hergestellt werden. Forscher wissen mittlerweile, dass ein hoher Verzehr von hoch-verarbeiteten Lebensmitteln mit einem erhöhten LDL-Cholesterin und Risiko für Herzerkrankungen verbunden ist. © TonyGravante/Imago
Speiseeis
Was gibt es heute zum Nachtisch oder als Snack zwischendurch? Eis geht bei den meisten fast immer. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, wenn die Eissorten einen hohen Anteil an gesättigtem Fett durch Milch und Sahne enthalten. Neigen Sie zu hohem Cholesterinspiegel, ist angeraten, das Eis besser durch Obst zu ersetzen. © Shotshop/Imago

Trotzdem kann die Ernährung bei manchen Menschen einen Einfluss auf den Cholesterinwert haben - nur eben eine deutliche geringere als angenommen. Gerade bei Patienten, die sich sehr fettreich ernähren und nur wenig bewegen, können Sport, eine Gewichtsreduktion und eine weniger fettbetonte Ernährung dazu führen, dass das LDL-Cholesterin sinkt. Bei einer gesunden Person, die sich vor allem von frischen Lebensmitteln ernährt, hat eine Ernährungsumstellung möglicherweise kaum einen Einfluss auf den Cholesterinspiegel.

Eier und Fettstoffwechsel: Welchen Einfluss die Ernährung hat

100 Gramm Ei enthalten rund 470 Milligramm Cholesterin. Pro Ei gelangen dabei laut der Deutschen Herzstiftung rund 280 Milligramm Cholesterin in den Stoffwechsel. Bloß weil ein Ei viel Cholesterin enthält, sorgt der Verzehr also nicht zwangsläufig für einen Anstieg des Cholesterins im Blut, beziehungsweise im Umkehrschluss, dass durch Weglassen der Eier der Cholesterinspiegel sinkt. Trotzdem gibt es keinen Freifahrtschein für unbegrenzten Eiergenuss. Immerhin gilt auch im Rahmen einer klimafreundlichen Ernährung, Eier bewusst und in Maßen zu genießen.

Insgesamt beeinflusst der Cholesteringehalt eines einzelnen Nahrungsmittels den Cholesterinspiegel im Blut also weniger als Art und Menge der grundsätzlich verzehrten Nahrungsfette. Viel wichtiger ist es daher, insgesamt auf eine gesunde Ernährung zu achten. „Das Cholesterin alleine macht nicht das Risiko. Das Cholesterin zusammen mit anderen Faktoren wie hohem Blutdruck, Übergewicht, Diabetes oder anderen Stoffwechselstörungen wie schlechten Schilddrüsenwerten oder zu viel Harnsäure im Blut – das sind Risikofaktoren, auf die man achten muss“, ergänzt Dr. Birgit Terjung, Chefärztin der Inneren Medizin und Mediensprecherin der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten gegenüber dem BR.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

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