Wegen steigender Mehrwertsteuer

Preisschock in der Gastronomie: Wie viele Restaurants teurer werden

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Zum Jahresbeginn ist die Mehrwertsteuer in der Gastronomie wieder auf 19 Prozent gestiegen. Zahlreiche Betriebe geben die Preissteigerung an die Kunden weiter.

Berlin – Seit Anfang Januar gilt für Speisen in Restaurants eine Mehrwertsteuer von 19 Prozent. An sich ist das nichts Neues: Bevor die Bundesregierung diese Steuer im Zuge der Coronavirus-Pandemie auf sieben Prozent absenkte, galt jahrelang eine Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Jetzt allerdings sorgt die neue Zahl für einen Preisschock in der Gastronomie.

Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie während Corona7 Prozent
Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie seit Januar 202419 Prozent
Preissteigerung für Speisen (Meoton)9,7 Prozent

20 Prozent aller Betriebe in der Gastronomie erhöhen Preise

Schon in den ersten zwei Januarwochen haben etwa 20 Prozent der deutschen Gastronomiebetriebe ihre Preise angepasst. Die Steigerung für Preise der Speisen liegt bei etwa 9,7 Prozent, Getränke sind durchschnittlich 5,4 Prozent teurer. Das geht aus Zahlen von Meoton, einem Anbieter von Daten zur Gastronomie, hervor. Die Betriebe erhöhen auch die Getränkepreise, obwohl diese nicht von der Anpassung bei der Mehrwertsteuer betroffen waren.

Zum Jahresbeginn hatte die Bundesregierung die Mehrwertsteuer für Betriebe in der Gastronomie angehoben. Zahlreiche Betriebe geben die Preissteigerung an die Kunden weiter. Der Restaurantbesuch wird teuer.

Der Grund dafür ist, dass teurere Getränke zum Teil die Preise der Speisen abfedern können. Unternehmen müssten dann nicht ganz so stark an den Nahrungsmittelpreisen drehen. „In Gesprächen mit Gastronomen kam immer wieder auf, dass diese noch beobachten, wie sich ihre Wettbewerber verhalten“, erklärte Christian Haese, Mitbegründer von Meoton. Erst in den nächsten Wochen seien weitere Entscheidungen vonseiten der Unternehmen zu erwarten. Einige Gastronomen wollen ihre Preise erst in mehreren Schritten erhöhen.

Ein Drittel aller Gastro-Betriebe sieht Abrutsch in die Verlustzone

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bundesverband) warnt vor „größten Herausforderungen“, vor denen die Unternehmer jetzt stehen. Die wirtschaftliche Lage der Gastronomen und Hoteliers sei angespannt. Jedes dritte Unternehmen (33,3 Prozent) fürchtet ein Abrutschen in die Verlustzone. Ein weiteres Drittel geht davon aus, sich am Markt behaupten zu können, während das letzte Drittel keine Prognose wagt.

„Die Politik ist gefordert, den Betrieben Perspektiven zu geben“, warnte DEHOGA-Präsident Guido Zöllick. Immer neue Belastungen seien der falsche Weg; die Mehrwertsteuer von sieben Prozent auf Nahrungsmittel müsse bleiben. „Es ist absurd, dass für das Essen in der Gastronomie wieder 19 Prozent Mehrwertsteuer gelten, während das Essen To Go, der Fertigsalat aus dem Supermarkt und die Essenslieferung weiterhin mit sieben Prozent besteuert wird“. Diese Ungleichbehandlung müsse endlich „dauerhaft beseitigt“ werden.

Ökonom sieht Steuerermäßigung „sozialpolitisch kontraproduktiv“

Vonseiten der Ökonomen dagegen kam ein Lob an die Bundesregierung. Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle sagte dazu, es gebe keinen Grund mehr, die Branche auch nach dem Ende der Pandemie noch zu bevorzugen. „Es ist nicht Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass mehr Menschen ins Restaurant gehen.“ Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim sieht auch ein sozialpolitisches Problem. Vor allem Besserverdiener würden von der Steuerermäßigung profitieren. „Wohlhabende gehen häufiger essen und profitieren überproportional. Das ist sozialpolitisch kontraproduktiv.“

Heinemann ging nicht davon aus, dass die Steuer sofort voll durchschlage. Die Preise in der Gastronomie seien in den vergangenen Jahren ohnehin kräftig gestiegen, viele Kostentreiber seien weggefallen. Damit sollte die Branche genug Luft haben, um die Steuererhöhung wenigstens „ein Stück weit“ aufzufangen.

Gedämpfte Stimmung in der Gastro-Branche

So wie es die Meoton-Zahlen darstellen, hatte der Ökonom zumindest teilweise recht. Ein großer Teil der Gastronomiebetriebe hat die Preise noch nicht angefasst, auch wenn die Erhöhungen angekündigt sind. Eine Umfrage von DEHOGA zeigt allerdings, dass das Gastgewerbe noch immer nicht wieder auf dem Vorkrisenniveau angekommen ist. Im Dezember 2023 setzten die Betriebe nominal 4,8 Prozent weniger um als im Dezember von 2019. Aufs ganze Jahr 2023 gerechnet, lag der Umsatz 1,6 Prozent niedriger als im Vorkrisenjahr.

Die Stimmung der Gastro-Unternehmen ist bestenfalls gedämpft. Mehr als 41 Prozent der Betriebe beurteilten ihre Geschäftsentwicklung zum Jahresbeginn 2024 „verhalten“. Ein Fünftel (20,9 Prozent) beurteilten sie mit „eher negativ“, 12,0 Prozent zeigten sich „pessimistisch“. 5,8 Prozent gaben sich optimistisch.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Bihlmayerfotografie

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