Deutsche Ukrainehilfe

Von Kassel nach Kiew: Panzerhersteller KNDS liefert neues Waffensystem in die Ukraine

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Lange galt die Rüstungsindustrie in Kassel als ungeliebtes Kind. Jetzt boomt das Geschäft beim Hersteller KNDS (früher Knauss-Maffei Wegmann). Das Image der Branche hat sich stark gewandelt.

Kassel - Rüstungsgüter aus dem Kasseler Werk des Waffenherstellers KNDS spielen nach Informationen unserer Zeitung eine wachsende Rolle für die Ukraine im dritten Kriegswinter. Zugleich setzt die Bundeswehr zunehmend auf den nordhessischen Standort.

Große Hoffnungen ruhen demnach auf der sogenannten Radhaubitze RCH 155, die in Kassel entwickelt wurde. Das Artilleriesystem sei „weltweit einmalig“, so ein KNDS-Sprecher. Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben 36 dieser Systeme im Rahmen der deutschen Ukrainehilfen bestellt.

Geschäft in Kassel boomt: Panzerhersteller KNDS entwickelt neues Waffensystem für die Ukraine

Auf die Frage, ob die Waffe bereits von ukrainischen Streitkräften genutzt werde – etwa beim jüngsten Vormarsch in der russischen Region Kursk –, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums: „Die Radhaubitzen sind noch nicht ausgeliefert und können daher auch nicht in der Region Kursk im Einsatz sein.“ Allerdings sei mit der Auslieferung „noch in diesem Jahr“ zu rechnen.

„Gamechanger“ für die Ukraine? Die in Kassel hergestellte Radhaubitze RCH 155 kann aus der Fahrt schießen – eine Weltneuheit. 36 dieser Systeme soll Kiew laut Bundesregierung bekommen.

Am Standort Kassel beschäftigt KNDS etwa 1700 Mitarbeiter, ein Großteil davon in der Forschung. Zu den Rüstungsgütern, die im Verbund mit dem Partnerwerk in München hergestellt werden, zählen der Kampfpanzer Leopard (1 und 2), der Flugabwehrpanzer Gepard, das Allzweckfahrzeug Dingo und die Panzerhaubitze 2000.

Betriebsratschef Oliver Lenz berichtet von einem kontinuierlichen Personalaufbau im Werk – und einem Image-Wandel der Branche: „Früher hat man die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie oft in die Schmuddelecke gestellt. Jetzt setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir gebraucht werden.“

Radhaubitze RCH 155: eine Kasseler Weltneuheit

KNDS spricht von einem „Meilenstein“, ein US-General gar von einem „Game Changer“ auf dem Schlachtfeld: Die in Rothenditmold hergestellte Radhaubitze RCH 155 ist weltweit das erste Artilleriesystem, das während der Fahrt schießen kann. RCH steht für „Remote Control Howitzer“ (ferngesteuerte Haubitze), 155 für das Kaliber. Das System wird auf einem Boxer-Radpanzer montiert und ist in fast jedem Gelände einsetzbar, erläutert ein Sprecher. Nach Medienberichten sollen zunächst 18 dieser Haubitzen an die Ukraine übergeben werden.

Während viele Industriezweige in Nordhessen in schwierigem Fahrwasser sind, rechnet man bei KNDS mit weiterem Wachstum. Vom Industrieschweißer bis zum Elektriker würden diverse Fachleute gesucht, so das Unternehmen. Laut IHK Kassel-Marburg tragen die Rüstungshersteller Rheinmetall und KNDS derzeit entscheidend zur Stabilisierung der Wirtschaftsregion bei.

Mehr Unabhängigkeit der Europäer in Verteidigungspolitik gefordert

Bis auf Weiteres dürften der Branche die Aufträge nicht ausgehen. Am Dienstag hatte der designierte US-Präsident Donald Trump von den Nato-Verbündeten verlangt, ihre Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern.

Deutschland erreichte im vergangenen Jahr erstmals seit Jahrzehnten die Vorgabe von zwei Prozent. Fachleute halten eine Quote von drei Prozent für realistisch. Sie fordern, insbesondere mit Blick auf den Amtsantritt Trumps, mehr Unabhängigkeit der Europäer in der Verteidigungspolitik.

Rubriklistenbild: © Foto: KNDS/nh

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