„Schlaraffenland" für Netzbetreiber:

Drohen schon wieder höhere Stromkosten für deutsche Verbraucher?

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Bundesnetzagentur plant Renditeerhöhungen, die Stromkosten und Gaspreise nach oben treiben könnten. Schafft dies ein „Schlaraffenland“ für die Netzbetreiber?

Berlin – Die Bundesnetzagentur unter Präsident Klaus Müller stellt Netzbetreibern höhere Renditen in Aussicht. Energieexperten befürchten einen Anstieg der Strom- und Gasrechnungen. Im Gespräch mit dem Handelsblatt meinte Müller, dass der absolute Wert zwar noch nicht festehe, aber: „dass er steigen wird, ist allerdings jetzt schon absehbar“. Dabei profitieren Netzbetreiber bereits jetzt von hohen Renditen, trotz ihres risikofreien Geschäftsmodells.

Wegen Investitionen: Höhere Redite werden zu höheren Strom- und Gaspreisen führen

Hintergrund der Ankündigung sei das Interesse der Bundesnetzagentur an einem attraktiven Investitionsumfeld für Strom- und Gasnetzbetreiber. Laut Müller gehöre dazu auch eine angemessene Eigenkapitalverzinsung. Er kündigte an, dass eine methodische Änderung einen Anstieg der Renditen mit sich bringen werde. Höhere Renditen würden jedoch unmittelbar höhere Netzentgelte – und damit steigende Strom- und Gaspreise zur Folge haben.

Eine aktuelle Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne) zeigt, dass insbesondere die großen Verteilnetzbetreiber, die rund die Hälfte aller Stromkunden versorgen, seit Jahren erhebliche Gewinne erzielen. Sie machen „zweistellige Renditen auf Kosten von Millionen von Stromkunden“, schreibt der BNE in einer Unternehmensaussendung.

2023 erzielten so die Netzbetreiber im Schnitt eine handelsrechtliche Eigenkapitalrendite von 20,2 Prozent. Besonders ins Auge fallen dabei Unternehmen wie EWE Netze mit 50 Prozent, Pfalzwerke Netz mit 38 Prozent oder Westnetz mit 27 Prozent. Trotz ihres Monopols und ihres damit einhergehenden risikofreien Geschäftsmodells, das „eigentlich strenger Regulierung unterliegt“, erzielten sie außergewöhnlich hohe Gewinnmargen. BNE-Geschäftsführer Robert Busch dazu: „Wenn Netzbetreiber derartige Renditen erzielen können, dann läuft im Regulierungsrahmen etwas grundsätzlich schief.“ Und weiter: „Diese Gewinne sind in offensichtlich zu hohen Netzentgelten begründet und sie belasten Haushalte wie Unternehmen gleichermaßen“. Das BNE fordert daher eine umfassende Reform.

Wenn Netzbetreiber derartige Renditen erzielen können, dann läuft im Regulierungsrahmen etwas grundsätzlich schief.

BNE-Geschäftsführer Robert Busch

Höhere Strom-und Gaspreise: Muss der Bund wieder die Kosten abfedern?

„Die Gewinne der Netzbetreiber sind höchst umstritten“, meint auch der deutsche Verbraucherschützer und Vostand beim Bund der Energieverbraucher zur BZ. Er meint, dass eine Erhöhung zu einem „Schlaraffenland“ für die Netzbetreiber führen würde. Der Bund der Energieverbraucher warnt daher: Steigende Renditen für Strom- und Gasnetze werden sich direkt auf die Rechnungen der Verbraucher auswirken.

Anders sieht dies die Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, die Müllers Vorschlag laut BZ allerdings an klare Bedingungen knüpfen will: „Der Vorschlag von Klaus Müller ist nachvollziehbar, weil Investitionen in die Netze dringend nötig sind, jedoch sollten Renditeaufschläge gezielt und an Effizienz geknüpft werden.“ Zusätzlich fordert sie Entlastungen wie eine Senkung der Stromsteuer. Da bereits Millionen Menschen ihre Stromrechnung kaum noch bezahlen können, hält Kemfert Sozialtarife, ein Pro-Kopf-Klimageld und mehr Förderung von Energieeffizienz für unverzichtbar. Aber: Muss der Steuerzahler letztendlich diese Kosten auch wieder auffangen?

Unterstützung erhalten die Netzbetreiber auch aus der Politik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) machte schon in der vergangenen Woche deutlich, dass der Finanzierungsrahmen verbessert werden müsse. Reiche stellte klar, dass es ohne Netzausbau keine Energiewende geben kann. Zudem liege Deutschland bei der Eigenkapitalverzinsung im europäischen Vergleich zurück.

Rubriklistenbild: © Silas Stein/dpa

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