VonYannick Hankeschließen
Die Anzahl der Unternehmenspleiten in Deutschland wird 2025 voraussichtlich steigen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Experten. Sie verbreiten auch Hoffnung.
Hamburg/Paris – Quo vadis, deutsche Wirtschaft? Eine Frage, die nicht zuletzt seit dem Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 häufiger gestellt wurde. Schließlich mussten zahlreiche Unternehmen auf Kurzarbeit umstellen oder in Gänze schließen. Hinzukommen die Auswirkungen des seit Februar 2022 andauernden Ukraine-Kriegs, der sich auch wirtschaftlich enorm bemerkbar macht.
Grund genug, dass sich der Kreditversicherer Allianz Trade im Rahmen der Studie „Globale Insolvenzen in Zeiten von Kriegswirtschaft“ mit der näheren Zukunft in Deutschland beschäftigt. Die Prognose für Insolvenzen in hiesigen Gefilden fällt dabei düster aus.
Prognose für 2025: Insolvenzen in Deutschland werden um zehn Prozent steigen
In Deutschland im Speziellen, aber auch auf der ganzen Welt im Allgemeinen rechnet Allianz Trade mit zunehmenden Unternehmensinsolvenzen. Darüber berichten die Autoren der eingangs erwähnten Studie in ihrer Erhebung. In absoluten Zahlen bedeutet das: 24.300 Insolvenzen allein in Deutschland. Für Bayern kann bereits jetzt bilanziert werden: Die Zahl der Insolvenzen im Bundesland sind massiv angestiegen.
In Relation zum Vorjahresvergleich würde das ein Plus von etwa zehn Prozent bedeuten. Die Risiken bleiben generell hoch, heißt es in diesem Kontext von Milo Bogaerts, dem Deutschlandchef von Allianz Trade. Ihre düstere Prognose begründen die Autoren der Studie mit dem wohl schwachen Wirtschaftswachstum Deutschlands, den kommenden Strukturherausforderungen, der Energiewende sowie dem Zollkonflikt.
Schwächerer Anstieg von Insolvenzen in Deutschland für 2026 erwartet
Und doch hat sich die Prognose hinsichtlich der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Schließlich registrierte die Allianz-Tochter aus Paris 2024 im Jahresvergleich noch ein Plus von etwa 23 Prozent. Die Entwicklung der Insolvenzen hierzulande soll sich 2026 weiter abschwächen. Dann nämlich rechnen die Volkswirte mit einer Zunahme von nur zwei Prozent.
Und international betrachtet? Hier erwartet Allianz Trade eine Zunahme der Unternehmensinsolvenzen von ungefähr sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2024 lag der Wert bei etwa zehn Prozent. Auch hierfür werden die Gründe angeführt. So hätten Notenbanken Zinssätze nur verzögert gelockert, so Allianz-Trade-Chefin Aylin Somersan Coqui. Hohe Zinssätze belasteten besonders Unternehmen mit hohem Verschuldungsgrad.
Finanzpaket beschlossen: Können die 500 Milliarden Euro zahlreiche Insolvenzen in Deutschland abwenden?
In einer Mitteilung von Allianz Trade vom Dienstag, 18. März, wird explizit auf die Rolle des gigantischen Finanzpakets, das am Dienstagnachmittag im Bundestag beschlossen wurde, eingegangen. „Mit einem EUR 500 Milliarden Infrastrukturfonds und der Lockerung der Schuldenbremse bietet das Paket die Möglichkeit, finanzielle Spielräume zu schaffen und der deutschen Wirtschaft neue Impulse zu geben“, heißt es in der Mitteilung, die noch vor dem Beschluss des Pakets von Union und SPD herausgegeben wurde.
Doch würden auch diese Maßnahmen nicht helfen, „die strukturellen Herausforderungen zu adressieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“, wenn es keine grundlegenden, strukturellen Reformen gebe. Laut dem Deutschlandchef von Allianz Trade könnte das Finanzpaket, das jetzt schon Geschichte schreibt, in letzter Konsequenz zwar dabei helfen, „die Insolvenzzahlen wieder zu verringern“.
Doch würden die Risiken hoch bleiben und das vor allem mit Blick auf einen „eskalierenden Handelskonflikt, der die Unternehmensinsolvenzen allein im Zeitraum 2025 bis 2026 um weitere 1.000 Fälle steigen lassen könnte“, so Bogaerts. Die Prognose bleibt in ihrer Gesamtheit also düster. (han mit dpa)
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