VonMarcel Reichschließen
Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer stellt einen umstrittenen Ansatz zur Verbesserung der deutschen Wirtschaft vor: die Abschaffung eines Feiertags. Dies könnte zu einer Erhöhung der staatlichen Einnahmen führen. Kritiker jedoch warnen vor den möglichen negativen Konsequenzen für die Arbeitnehmer.
Frankfurt – Die Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU und SPD könnten für die deutschen Steuerzahler letztlich ein erhebliches Schuldenpaket nach sich ziehen. In der aktuellen Diskussion zur Verbesserung der schwächelnden deutschen Wirtschaft hat die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer einen auf den ersten Blick umstrittenen Vorschlag unterbreitet: Sie regt an, einen Feiertag abzuschaffen, um die wirtschaftliche Aktivität zu steigern und die Staatseinnahmen zu erhöhen.
Dänemark dient hierbei als Beispiel: Der nördliche Nachbar hat im vergangenen Jahr den Store Bededag, den „Großen Gebetstag“, gestrichen, der dem deutschen Buß- und Bettag ähnelt. Laut einem Gutachten des dänischen Wirtschaftsministeriums brachte die Streichung des Feiertags ein Plus von umgerechnet etwa 400 Millionen Euro in die Staatskasse.
Schafft Deutschland einen Feiertag ab? Das wären die Konsequenzen
Doch welche konkreten Auswirkungen hätte ein solcher Schritt für Deutschland? Welche Konsequenzen wären für die deutsche Wirtschaft, die Arbeitswelt und die öffentlichen Finanzen zu erwarten?
| Bundesländer mit den wenigsten Feiertagen | Anzahl Feiertage im Jahr 2025 |
| Hessen | 10 |
| Niedersachsen | 10 |
| Berlin | 9 |
| Bremen | 9 |
Monika Schnitzer hebt hervor, dass Deutschland im internationalen Vergleich relativ viele Feiertage hat, die nicht nur den Arbeitsalltag unterbrechen, sondern auch die Produktivität mindern können. In einer globalisierten Wirtschaft, in der Unternehmen oft rund um die Uhr tätig sind, könnten zusätzliche Arbeitstage die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands verbessern.
Durch die Abschaffung eines Feiertags würde die Anzahl der Arbeitsstunden steigen, was theoretisch zu einer höheren Wirtschaftsleistung führen könnte. Unternehmen könnten mehr produzieren und verkaufen, was möglicherweise ihre Gewinne steigern würde. Besonders in der Industrie und im Dienstleistungssektor, wo hohe Produktionskapazitäten gefragt sind, könnte dies von Bedeutung sein.
Ein weiterer Aspekt, den Schnitzer anführt, sind die potenziellen Vorteile für die öffentlichen Finanzen. Mehr Arbeitstage bedeuten mehr Einkommen für die Beschäftigten, was zu höheren Lohnsteuereinnahmen führen könnte. Auch Unternehmen könnten von der gesteigerten Produktivität profitieren, was sich in höheren Unternehmenssteuern niederschlagen könnte.
Feiertag abschaffen in Deutschland: Diese Zahl liefert die Forschung
Zusätzliche Arbeitsstunden könnten in Bereichen wie Handel und Gastronomie zu einer erhöhten Konsumaktivität führen, was sich positiv auf die Mehrwertsteuereinnahmen auswirken würde. Die durch verlängerte Arbeitszeiten generierten Steuereinnahmen könnten dem Staat ermöglichen, mehr in öffentliche Projekte zu investieren oder Defizite zu verringern.
Eine Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft schätzt, dass ein zusätzlicher Arbeitstag etwa acht Milliarden Euro einbringen könnte. Allerdings lässt sich dies nicht exakt berechnen, da mehr Arbeitszeit nicht in allen Branchen automatisch zu höherer Produktion führt. Die Höhe der Einnahmen hinge stark davon ab, welcher Feiertag gestrichen würde, da je nach Branche und Jahreszeit unterschiedlich viel erwirtschaftet wird. Zudem wäre die Umsetzung in Deutschland kompliziert, da die Bundesländer unterschiedlich viele Feiertage haben.
Selbst Unternehmer Maschmeyer sieht mehr Arbeitszeit kritisch
Der Vorschlag stößt jedoch auf Widerstand. Gewerkschaften wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Verband der Arbeitnehmer (VdA) lehnen ihn entschieden ab. Sie argumentieren, dass die Abschaffung eines Feiertags die ohnehin hohe Arbeitsbelastung der Arbeitnehmer weiter erhöhen würde. In einer Zeit, in der viele Menschen bereits mit Stress und Überlastung kämpfen, würden zusätzliche Arbeitstage nicht zu mehr Wohlstand führen, sondern die Lebensqualität der Beschäftigten verschlechtern. Auch der Unternehmer Carsten Maschmeyer äußerte sich wiederholt kritisch über Forderungen, die Deutschen sollten mehr arbeiten.
In Deutschland, wo die Work-Life-Balance oft einen hohen Stellenwert hat, könnte die zusätzliche Belastung durch einen weiteren Arbeitstag zu Unzufriedenheit und einem Anstieg von Stress und gesundheitlichen Problemen führen. Besonders in Berufen mit ohnehin hoher Belastung, wie in der Pflege oder im Bildungswesen, könnte der Vorschlag als Verschlechterung der Arbeitsbedingungen wahrgenommen werden.
Eine solche Maßnahme könnte bestenfalls kurzfristig die Wirtschaftsleistung steigern, doch ob sie langfristig positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und das Wohlstandsniveau der Bevölkerung hätte, bleibt fraglich.
Rubriklistenbild: © Dmytro Smolienko/dpa

