Elektromobilität

Nach plötzlichem Ende des Umweltbonus: So könnte die Ampel E-Autos ab jetzt fördern

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Das abrupte Aus für die Kaufprämie muss keineswegs automatisch das Ende bezahlbarer E-Mobilität bedeuten. Die Bundesregierung könnte die Antriebswende nun durch eine konsequente Neugestaltung der Kfz-Steuer unterstützen.

E-Autos – nein danke! Das war lange Zeit die Haltung der deutschen Autoindustrie, aber auch die der deutschen Autokäufer:innen. Zu ungewohnt, zu kleine Reichweite, zu teuer. Da die Abkehr von den fossilen Energien aber auch im Autoverkehr alternativlos ist, steuerte die Bundesregierung ab 2016 mit einer Kaufprämie dagegen an. In den fast acht Jahren, in denen sie gezahlt wurde, gewöhnten sich alle an diese staatliche Subvention, die bis zu 6000 Euro pro Auto betrug.

Doch nun sorgt der abrupte Förderstopp durch die Ampel für gewaltigen Entzug. Viele Käuferinnen und Käufer sind düpiert, weil sie keinen Antrag mehr stellen konnten. Und Fachleute rechnen damit, dass der E-Auto-Absatz in Deutschland von zuletzt immerhin rund einer halben Million auf 300.000 im Jahr abstürzen wird.

Nur drei E-Auto-Modelle aktuell unter 30.000 Euro zu kaufen

Dabei war der Sinn der Prämie, die den Bundesetat insgesamt rund zehn Milliarden Euro gekostet hat, von Anfang an umstritten, zumindest aber deren Ausgestaltung. So konnte man sich fragen, ob es die Aufgabe des Staates war, das Versäumnis der Autoindustrie auszugleichen, die zu lange am Verbrenner festhielt und sich von Innovatoren wie Tesla und auch chinesischen Herstellern vorführen ließ. Hätte sie nicht ihre meist glänzenden Profite, die sie mit der alten Technologie machte, nutzen können, um den Umstieg auf E-Mobilität selbst zu beschleunigen? Andererseits konnte der Staat wohl kaum zusehen, wie die wichtigste Industrie des Landes in den Abstiegsstrudel geraten würde. Selbst Umweltorganisationen räumen ein, dass die Kaufprämie in den ersten Jahren als Innovationsmotor sinnvoll war.

Allerdings hatte die Prämie gewaltige Konstruktionsfehler, etwa den, dass sogar Luxus-Stromer bis zu einem Kaufpreis von über 70.000 Euro gefördert wurden. Beflügelt davon und generell von dem zu langsamen Abschmelzen der Prämie stiegen die Kaufpreise der E-Autos zuletzt sogar an, statt zu sinken,

Der Durchschnittspreis für Stromer lag 2023 bei satten 52.700 Euro. Die Entwicklung von E-Autos für Normalverdiener wurde lange vernachlässigt. Laut ADAC gibt es derzeit nur drei Modelle von Großserien-Herstellern für unter 30.000 Euro Listenpreis, und keinen von deutschen Autobauern.

Freie Bahn für den Ausbau der Elektromobilität?

Günstigere E-Fahrzeuge werden gebraucht, damit die E-Mobilität massentauglich werden kann. Bisher bietet die Autoindustrie Modelle an, die für viele schlicht nicht finanzierbar sind, ob mit oder ohne Prämie. Hier stehen die hiesigen Hersteller in der Pflicht, die sich zu lange auf die renditestarke Oberklasse fokussiert hat und nach bisherigen Plänen erst in ein paar Jahren mit günstigeren Modellen für Normalverbraucher:innen auf den Markt kommen will – anders als zum Beispiel der französische Konkurrent Stellantis, der bereits 2024 einen E-Kleinwagen für knapp über 23.000 Euro anbieten will und 2025 sogar unter 20.000 Euro kommen will.

Neue Kfz-Steuer für geringeren CO2-Ausstoß

Das abrupte Aus für die Kaufprämie muss also keineswegs automatisch das Ende bezahlbarer E-Mobilität bedeuten, auch wenn ein früheres, dafür über einen längeren Zeitraum gestrecktes Abschmelzen der Förderung natürlich viel besser gewesen wäre – und die Ampel sich damit viel Ärger erspart hätte. Die Bundesregierung sollte aber nun die Chance ergreifen, die Antriebswende auf anderem Weg weiter zu unterstützen.

Das ginge durch eine konsequente Neugestaltung der Kfz-Steuer, wie sie das Umweltbundesamt bereits vor zwei Jahren, also zum Start der Ampel, vorgelegt hat. Kern davon ist ein Bonus-Malus-System, bei dem nicht wie bisher die Allgemeinheit den Kauf von E-Autos mitfinanziert, sondern das Geld dafür per Steuer von Kund:innen kommt, die sich Neuwagen mit sehr CO₂-Emissionen leisten können.

Modell könnten etwa die Regelungen sein, wie es sie in Frankreich, den Niederlanden und Skandinavien gibt. Dort werden seit Jahren Luxussteuern für große Spritschlucker erhoben. In Frankreich zum Beispiel waren bereits 2021 beim Autokauf für Pkw mit einem CO₂-Ausstoß von über 200 Gramm pro Kilometer 14.500 Euro extra fällig. Im Gegenzug gibt es dort vom nächsten Jahr an große Entlastungen bei neuen E-Autos, wobei zudem deren klimafreundliche Herstellung mitberücksichtigt wird. E-Mobile aus China, die mit einem hohen Anteil von Energie aus Kohle produziert werden, haben dadurch Nachteile, während europäische Hersteller profitieren.

Es ist überfällig, eine ähnliche intelligente Steuerung der Auto-Mobilität auch in Deutschland einzuführen, wo fossil angetrieben SUVs zunehmend den Neuwagen-Markt beherrschen, die auch mit eventuell irgendwann einmal verfügbaren E-Fuels nicht wirklich klima- und umweltfreundlich sein werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Rolf Poss

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