VonAmy Walkerschließen
Die Energiewende ist nach Meinung des Deutschlandchefs von Vattenfall „unumkehrbar“. Die Klimaziele können nach seinem Dafürhalten erreicht werden.
Berlin - Die Energiewende ist und bleibt ein umstrittenes Thema. Nicht etwa das Ziel: Der Plan, bis 2045 in Deutschland klimaneutral zu wirtschaften, ist mittlerweile im Grundgesetz verankert. Doch wie genau wir zu diesem Ziel kommen, darüber gibt es immer wieder Streit. Besonders anschaulich ist dabei das Beispiel der Atomkraft: Während Deutschland vor 15 Jahren den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen hat, investieren einige EU-Länder in den Ausbau dieser Technologie.
Aus Sicht von Expertinnen und Experten kann Deutschland vom eingeschlagenen Pfad auch nicht mehr abkehren. Das gilt sowohl im Detail für Atomkraft, als auch für das große Ganze der Energiewende.
„Die Energiewende ist unumkehrbar“: Vattenfall-Chef sieht Erneuerbare auf dem Vormarsch
Das sagt auch der Deutschlandchef von Vattenfall, Robert Zurawski, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ): „,Die Energiewende ist mittlerweile unumkehrbar.“ Vor allem im Bereich des Stroms sei die Entscheidung „längst gefallen“ – die Stromerzeugung ist zu über 50 Prozent mittlerweile erneuerbar. „Aber Netze und Speicher sind nicht mitgewachsen, und das müssen wir nachholen. Ein Rückschritt wäre da fatal, der würde alles nur noch teurer machen.“
Das sei auch in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit von großer Bedeutung, so Zurawski. „Europa bleibt nur wettbewerbsfähig, wenn es fossile Energie hinter sich lässt. Nicht umgekehrt“, sagt er zur SZ. Das heiße nicht, dass nicht auch Fehler gemacht wurden und noch viel getan werden müsse – besonders im Hinblick auf Themen wie Smart Meter, Stromspeicher und Netzausbau. Das werde auch „einen Berg an Kosten“ mit sich bringen, warnt der Vattenfall-Chef. „Aber wenn wir da drüber sind, wird es wieder günstiger.“
Vattenfall will bis 2040 klimaneutral sein: Katherina Reiche ist nicht immer überzeugt
Die Entscheidung für eine fossilfreie Energieversorgung hat Vattenfall etwa im Jahr 2012 getroffen. Damals war es die schwedische Konzernmutter, die von der schwedischen Regierung dazu aufgerufen wurde, weniger auf Kohle und Atomkraft zu setzen und mehr in erneuerbare Energien zu investieren. Damals hat Vattenfall Deutschland auch Braunkohlereviere in Deutschland betrieben, die mittlerweile allerdings verkauft oder eingestellt wurden. Nach eigenen Angaben will Vattenfall bis 2040 komplett treibhausgasneutral arbeiten.
Ob das 2045-Ziel erreicht werden kann, daran gibt es auch viele Zweifel. Die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) selbst hatte kürzlich betont, dass es „ein sehr ambitioniertes Ziel“ ist. Zur Erreichung des Ziels müsste man auch die Kosten immer im Blick halten – weshalb sie ein Energiewende-Monitoring in Auftrag gestellt hat, das den Fortschritt und die Kosten dafür in Deutschland neu bewerten soll.
Europa kommt seinen Zielen nicht nach: Nur zwei Länder haben bisher fossilfreien Strom
Dabei hinkt Deutschland – wie nahezu alle europäischen Länder – beim Abschied von fossilen Energien hinterher. Das Portal Beyond Fossil Fuels gleicht regelmäßig die Ziele europäischer Regierungen mit den tatsächlichen Fortschritten ab und veröffentlicht die Ergebnisse in einem „Commitment Tracker“. Daraus geht hervor, dass in Europa die Mehrheit der Länder sich entweder zu keinem offiziellen Ziel verpflichtet haben oder ein Ziel haben, das aber nach aktuellem Stand nicht erreicht werden wird.
Frankreich zum Beispiel will bis 2035 schon 100 Prozent seines Stroms aus Erneuerbaren beziehen – doch in der Realität wird zum Beispiel der Bau von Windturbinen an Land abgelehnt und es gebe wenige Pläne zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors. Das Portal kritisiert in Deutschland die Pläne der Bundesregierung, neue Gaskraftwerke zu bauen, ohne klare Ziele zur Dekarbonisierung dieser Kraftwerke zu formulieren.
Es gibt aber auch Lichtblicke in Europa. Zwei Länder sind zum Beispiel schon heute komplett fossilfrei in ihrer Stromversorgung: Norwegen und Albanien.
Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

