VonAmy Walkerschließen
Nicht überall können die Deutschen in Zukunft mit Wärmepumpen, Solarthermie oder Holz heizen. Viele werden auch auf Fernwärme angewiesen sein. Diese besitzt jedoch einige Tücken.
Berlin – Wer sich in den deutschen Großstädten heute schon über zahlreiche Baustellen ärgert, wird das in den kommenden Jahren noch mehr tun. Denn um die Wärmewende im Land voranzubringen, will die Bundesregierung auf die Fernwärme setzen. Der massive Ausbau der Wärmenetze bis 2045 ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben, bis dahin soll ein Drittel der Haushalte angeschlossen sein. Dazu müssen überall im Land ganze Straßenzüge aufgerissen werden, um die riesigen Rohre in die Erde zu legen. Dann müssen die Häuser angeschlossen werden, am besten verpflichtend, sonst rechnet sich der Ausbau nicht.
Fernwärme wird ausgebaut: Der Plan der Regierung ist teuer
Doch es gibt an dem Plan einige Probleme. Zum einen wird das sehr teuer sein. Nach Angaben der Denkfabrik Prognos gegenüber der WirtschaftsWoche müssten für die Pläne der Bundesregierung bis 2030 über 43 Milliarden Euro investiert werden. Und um das Tempo zu schaffen, müsste sich „das Ausbautempo der letzten 50 Jahre quasi über Nacht verdreifachen“, so zitiert das Magazin den Prognos-Experten Marco Wünsch.
Doch das Geld und die Baustellen sind nicht alles. Auch wenn man es geschafft hat, die Infrastruktur einzurichten, kommt die nächste Hürde: Die Fernwärme muss auch klimaneutral sein. Und das ist sie heute allemal nicht.
Fernwärme kommt heute aus Erdgas und Kohle – und Müllverbrennung
Nach Angaben des Energieeffizienzverbands für Wärme, Kälte und KWK wurde im Jahr 2023 die meiste Fernwärme mit Erdgas erzeugt, in einigen Bundesländern fast zu 100 Prozent. Besonders wichtig war auch die Steinkohle, die in Hamburg und Baden-Württemberg die wichtigste Energiequelle war. In Sachsen spielt auch die Braunkohle mit 15 Prozent noch eine zentrale Rolle.
Erneuerbar oder klimaneutral sind immerhin gut 30 Prozent der Fernwärmeerzeugung, so der Verband. Besonders die Müllverbrennung, die in Zukunft nach dem Willen der Bundesregierung durch Abscheidung von CO₂ klimaneutral werden soll, bietet viel Potenzial. Die Abwärme wird heute schon in einigen Bundesländern viel genutzt, in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein macht sie über 30 Prozent der Energie bei der Fernwärme aus.
Wie wird die Fernwärme klimaneutral: Abwärme, Geothermie und Großwärmepumpen im Fokus
Experten zufolge ist für die unvermeidbare Abwärme aber auch noch mehr drin. In einem Papier des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) aus 2024 wurde durchgerechnet, wie hoch der Anteil unterschiedlicher Energieträger an den Wärmenetzen bis 2030 und 2045 sein könnte. Für eine mittelgroße Stadt sehen sie einen Anteil von höchstens 25 Prozent im Jahr 2030, bis 2045 könnte sich dies auf 60 Prozent erhöhen. In Großstädten kann dem VKU zufolge bis zu 40 Prozent der Wärmeversorgung aus Abwärme erzeugt werden.
Auch für Energie aus Biomasse, Solarthermie und vor allem Geothermie gibt es laut VKU viele Optionen. Wasserstoff könnte bis 2045 bis zu 25 Prozent der Wärmeversorgung abdecken.
Besonders viel Potenzial sieht der Verband in Großwärmepumpen, wie sie in Mannheim gerade errichtet wurde. Die riesige Flusswärmepumpe ist seit 2023 am Netz und liefert klimaneutrale Wärme an die dort angeschlossenen Gebäude. Sie ist aktuell die größte Wärmepumpe Deutschlands. Weitere Anlagen sind in Berlin-Neukölln, Berlin-Köpenick, Stuttgart und Rosenheim geplant oder im Bau.
Ausbau der Netze mit Wärmepumpen ist noch teurer: Am Ende zahlen Verbraucher
Laut VKU könnten diese Großwärmepumpen bis 2045 in kleineren und mittelgroßen Städten 50 bis 60 Prozent der Energie in einem Fernwärmenetz liefern. Auch in Großstädten könnte sie bis zu 40 Prozent ausmachen. Doch auch hier ist wieder das Geld eine wichtige Frage: Die Wärmepumpe in Mannheim wurde vom Wirtschaftsministerium gefördert – und auch die anderen Projekte erhalten staatliche Zuwendungen. Ohne diese Förderungen, ist es für Städte und Unternehmen ein sehr teures und riskantes Unterfangen.
Wenn Stadtwerke und Kommunen ihre eigenen Wärmepumpen installieren, wird das – zusammen mit dem ohnehin schon teuren Ausbau der Netze – auf die Verbraucher und Verbraucherinnen umgelegt. Das könnte die Fernwärme teuer machen. Allerdings gibt es auch eine Hoffnung, dass diese Mehrkosten nicht zu überhöhten Preisen führen, wenn sehr viele Menschen angeschlossen sind und sich so die Kosten auf viele Schultern verteilen. Das Wirtschaftsministerium hatte noch unter Robert Habeck (Grüne) damit gerechnet, dass bis 2035 die Fernwärmepreise auf 15 Cent/Kilowattstunde sinken. Aktuell liegt der Preis im Mittel bei rund 17 Cent/kWh.
Es gibt also in der Wärmewende noch sehr viel zu tun. Das Ziel 2045 wirkt angesichts der Herausforderungen auch immer ambitionierter.
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