Trotz Sanktionen: USA kaufen Uran aus Russland – Einfuhren offenbar drastisch erhöht
VonPatrick Freiwah
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Trotz der auferlegten Sanktionen importieren die USA riesige Uran-Vorkommen aus Russland. Das kostet eine Menge Geld, das auch dem russischen Militär zugute kommt.
Washington/München – Während die USA wirtschaftspolitisch die Abkehr von fossiler, russischer Energie vorantreiben, laufen die Geschäfte mit dem Land von Präsident Wladimir Putin ungeachtet der geopolitischen Lage auf Hochtouren. Energieunternehmen der Vereinigten Staaten beziehen offenbar trotz Sanktionen vom indirekten Kriegsgegner in großem Stil Uran, als notwendiges Mittel für die Klimawende.
Denn die Atomkraft spielt bei der alternativen Versorgung Nordamerikas wieder eine bedeutende Rolle: Schon unter Ex-Präsident Barack Obama wurde der Ausbau von Atomstrom-Kapazitäten in die Wege geleitet, um unabhängiger von klimaschädlicher, fossiler Energie zu werden. So ist Uran als Brennstoff in den Vereinigten Staaten für mehr als die Hälfte der emissionsfreien Energie verantwortlich, für die Mehrheit der US-Staaten spielt Atomkraft beim Erreichen der Klimaschutzziele auch künftig eine bedeutende Rolle. Eine unverzichtbare Rolle spielt hierbei auch im Jahr 2023 Russland:
USA erhöhen trotz Sanktionen Uran-Lieferungen aus Russland massiv
In den ersten sechs Monaten haben die USA rund 416 Tonnen russisches Uran gekauft, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um mehr als das Doppelte bedeutet. 32 Prozent aller Uran-Importe kommen nun aus Russland, schildert das Portal Exxpress.at. Dafür sei eine Summe in Höhe von 695,5 Millionen US-Dollar geflossen – der höchste Wert seit dem Jahr 2005. Der Bericht bezieht sich auf die russische Nachrichtenagentur Sputnik, im ersten Halbjahr 2022 wurden demzufolge lediglich 188 Tonnen Uran transportiert.
Wenn man glaubt, es handele sich um eine Verschwörungstheorie, den bekehrt ein Blick in die New York Times: Das Blatt analysierte die bizarre Lage auf dem amerikanischen Energiesektor. „Etwa ein Drittel des in den USA verbrauchten angereicherten Urans wird mittlerweile aus Russland importiert, dem billigsten Produzenten der Welt“, so die These. Den Rest des Uran-Aufkommens erhält man demnach aus anderen Teilen Europas, hauptsächlich von Großbritannien sowie Frankreich.
Die Entwicklung ist bemerkenswert: Zwar wissen Politik und Wirtschaft in den USA um die Dringlichkeit dieser Thematik, doch auch 18 Monate nach Beginn des Ukraine-Krieges hat man es nicht geschafft, unabhängig von russischen Rohstoffen zu sein. Im März machten sich US-Senatoren dafür stark, den Import von russischem Uran gänzlich zu verbieten und Kernenergie mit anderweitigen Ressourcen zu ermöglichen. Jedoch lässt die damit einhergehende Drosselung der Lieferungen aus Russland noch länger auf sich warten.
USA setzen auf Atomkraft - doch es wird kein Uran angereichert
Das Problem: Zwar waren die USA beim Uran-Abbau einst Weltmarktführer, mittlerweile reichert jedoch kein US-Unternehmen mehr den Brennstoff an. In den 80er-Jahren gab es aufgrund von Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Endlagerung von Atommüll kaum Neubauten und die Energiegewinnung wurde massiv gedrosselt. Das Land hat jedoch nach wie vor die meisten Kernkraftwerke der Welt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schildert. Viele der über 50 Atomkraftwerke sind aber inaktiv, beim Rest erfolgt die Umwandlung in Kernenergie durch importierten Brennstoff.
Wenn es nach der NY Times geht, wird sich daran so schnell nichts ändern: „Als Strafe für die Invasion in der Ukraine haben die USA und Europa weitgehend aufgehört, russische fossile Brennstoffe zu kaufen. Der Aufbau einer neuen Lieferkette für angereichertes Uran wird noch Jahre dauern“, so das Portal. Experten richten in dem Artikel ihre Kritik an die „schläfrige“ und „unfähige“ Politik von US-Präsident Joe Biden und dessen Regierung: Zwar würde „gut über den Einsatz von US-Technologie zur Förderung ihrer geopolitischen Ziele und der Bewältigung des Klimawandels geredet“. Angeblich gebe es jedoch keinen Plan, wie die Abhängigkeit von russischem Uran beendet werden kann.
USA treiben Klimawende mit Uran voran - Geld landet auch in Russlands Militärapparat
Jetzt, wo sich der Fokus der Klimapolitik wieder massiv auf Kernenergie als CO2-arme Energiequelle richtet, ist dieser Prozess zumindest aus US-Sicht jedoch überfällig. Kürzlich ging im US-Bundesstaat Georgia der erste neu konstruierte Atomkraftreaktor seit über 30 Jahren ans Netz: Das Kernkraftwerk Vogtle wird um zwei Reaktoren erweitert und soll laut Betreiber „die größte kohlenstofffreie Erzeugungsanlage des Landes“ werden. Mit einer Leistung von 1100 Megawatt werden dann geschätzt etwa 500.000 Haushalte und Unternehmen mit Strom versorgt. Weitere neue Atommeiler befinden sich im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ in Planung. Außerdem beabsichtigt eine von Bill Gates gegründete Firma (TerraPower), in einer stillgelegten Kohlemine in Wyoming Uran anzureichern. Doch das wird noch dauern.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Die NY Times lässt keinen Zweifel an der Widersprüchlichkeit der Lage: Es handele sich um einen der „bedeutendsten Geldflüsse seitens der Vereinigten Staaten in Richtung Russland und wird trotz der Bemühungen, mithilfe von Sanktionen die Wirtschaftsbeziehungen zu Moskau abzubrechen, munter fortgesetzt“.
Dabei gelangen die Zahlungen der amerikanischen Unternehmen an Tochtergesellschaften der russischen Energiebehörde Rosatom. Die wiederum gilt als eng mit dem Militärapparat verflochten: Damit finanzieren die USA also indirekt auch den Kriegsgegner jenes Landes, das sie militärisch mit Rüstungsgütern unterstützen. (PF)