Russland-Ersatz?

Habecks Rettung? Wie der hohe Norden die Energiewende stützen soll

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Seitdem Russland kein Gas mehr nach Deutschland liefert, springt Norwegen ein. Bei der Energiewende will das Land ebenfalls unterstützen. Ein neues Projekt soll Wasserstoff nach Deutschland bringen.

Oslo – Schon lange vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs hatte Russland nach und nach die Gaslieferungen nach Deutschland zurückgefahren. Wladimir Putin hatte Energie als Waffe benutzt – und damit die Tore für einen neuen Zulieferer geöffnet. Norwegen sprang für Russland ein und verhinderte den Kollaps der deutschen Industrie. Im Zuge der Energiewende hoffen beide Länder auf neue Chancen.

Gasausbau in der Energiewende – Norwegen rüstet sich

Aktuell sitzt Norwegen zwischen den Stühlen. Einerseits versucht die norwegische Regierung, die Wirtschaft zu dekarbonisieren, andererseits baut sie die Kapazitäten in Öl- und Gasindustrie aus. „Wir sehen, dass die Nachfrage nach Öl und Gas noch schneller sinkt, als wir dachten“, erklärte Jan Christian Vestre dazu, der seit einer Umstrukturierung der norwegischen Regierung als Gesundheitsminister agiert. Vorher war er der Wirtschaftsminister des Landes. Der Ausbau sei notwendig, weil Deutschland und Europa „noch viele Jahre Öl und Gas“ brauchen würden.

Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz in Berlin (Symbolfoto). Habeck strebt eine engere Kooperation mit Norwegen an – unter anderem geht es um die Lieferung von Wasserstoff.

Bei der Elektromobilität ist Norwegen weit vorn, 80 Prozent aller Neuzulassungen sind laut der Frankfurter Allgemeine Zeitung Elektrofahrzeuge. Es gebe jede Menge Unternehmen, die im Bereich erneuerbare Energien unterwegs sind, aber größtenteils handele es sich um Start-ups, denen das industrielle Know-how fehle. Deutschland soll diese Lücke schließen. Oder genauer: seine Ingenieure.

„Blauer Wasserstoff“ aus Norwegen – Neue Pläne für die Energiewende

Die Bundesrepublik sucht ihrerseits die Nähe zu Norwegen. Aktuell lotet eine gemeinsame Arbeitsgruppe im Zuge einer strategischen Partnerschaft der beiden EU-Länder den Bau einer Wasserstoff-Pipeline aus. Es soll „blauer“ Wasserstoff fließen, der durch ein CCS-Verfahren von CO₂ befreit ist. Das so generierte CO₂ soll in Lagern unter dem Meeresboden enden. Ohne den Zusatz des CSS-Verfahrens sei es unmöglich, die Pariser Klimaziele zu erreichen.

„Norwegen ist ein wichtiger, gleichgesinnter und sehr verlässlicher Partner für Deutschland“, sagte Robert Habeck (Grüne), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, dazu. Deutschland wolle die „Zusammenarbeit in Energie- und multilateralen Klimafragen“ vertiefen. Konkret geht es dem Minister um eine Dekarbonisierung der Wirtschaft. Zwar beziehe Deutschland aktuell einen Großteil des Erdgases aus Norwegen, zukünftig sollen auch „zunehmend“ Offshore-Windenergie und Wasserstoff von Nord nach Süd fließen.

Großflächige Versorgung mit Wasserstoff – bis 2030

Dabei bestehen zwei wichtige Erklärungen zur Vertiefung der Kooperation im Energiesektor. Erstens geht es um die Kooperation beim Wasserstoff, zweitens haben die beiden Länder eine strategische Partnerschaft in den Bereichen Klima, erneuerbare Energien und grüne Industrie vereinbart. Unter anderem ist geplant, dass Deutschland und Norwegen ihre Kooperation im Bereich Rohstoffe und den damit verbundenen Wertschöpfungsketten vertiefen. Bis 2030 soll eine großflächige Versorgung mit Wasserstoff gesichert sein, beide verfolgen das Ziel, die dafür notwendige Infrastruktur zu bauen.

Aktuell fließt norwegisches Gas vor allem durch die Europipes I und II, die beide westlich von Dänemark durch die Nordsee verlaufen. Beide landen in Dornum, das an der deutschen Küste liegt. Bei Wasserstoff gebe es allerdings „noch viel Unsicherheit, weil wir bisher keinen Markt haben, auf dem große Volumen von Wasserstoff gehandelt werden“, zitierte die Berliner Zeitung Torgeir Larsen, den ehemaligen norwegischen Botschafter in Deutschland.

Armutszeugnis für die Energiewende

Die Energiewende in Deutschland geht derzeit eher schleppend voran. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft hatte zuletzt ein negatives Zeugnis ausgestellt. Vor allem bei der Windkraft gebe es massiven Ausbaubedarf.

Ganze Branchen, die für einen Fortschritt bei der Energiewende wichtig wären, etwa die Solar- oder die Windkraftbranche, leiden zunehmend unter dem Druck chinesischer Player. Vonseiten der Deutschen Industrie kommen regelmäßig Warnungen, dass die Regierung die Wasserstoffstrategie und die Kraftwerkstrategie konkreter ausgestalten müsse.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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