„Schaffen Sie Klarheit!“

Energiewende stockt – zu wenig Sanierungen durch Immobilienbesitzer

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Die Quote für energetische Sanierungen in Deutschland beträgt weniger als ein Prozent. Es herrscht Verunsicherung unter den Immobilienbesitzern.

Berlin – Ab März lässt die KfW-Bank die Wärmepumpenförderung für weitere Teile der Bevölkerung zu. Gleichzeitig aber ist vielen Immobilienbesitzern nicht ausreichend klar, wie die Förderung bei einer energetischen Sanierung aussieht. Das sogenannte Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt eigentlich bestimmte Grenzwerte vor, etwa, was den Einbau von erneuerbaren Energien angeht, doch mit dem Machtwechsel in Berlin steht auch das auf der Kippe – denn die CDU hatte wiederholt angekündigt, das GEG zurücknehmen zu wollen.

Sanierungsrate zu niedrig – Energieberatung forscht bei Immobilienbesitzern nach

Grundsätzlich finden in Deutschland zu wenige energetische Sanierungen statt. 2024 habe die Sanierungsquote bei unter einem Prozent im Gebäudebestand betragen. Viele Hauseigentümer sind von den gesetzlichen Regelungen irritiert und wissen zum Beispiel nicht ausreichend über die Fördermaßnahmen Bescheid. Weiterhin kennen viele die Energieeffizienzklasse ihrer Immobilie nicht. Das zeigte eine umfangreiche Untersuchung des Energieberatungsunternehmens Enter. Dazu hatte Enter Datensätze von über 5.600 Gebäuden untersucht, 1.000 Immobilienbesitzer befragt und Daten aus Tausenden Energieberatungen herangezogen.

Wohnungen in Düsseldorf (Symbolfoto). Die energetische Sanierungsquote in Deutschland liegt bei unter einem Prozent. Bei den Immobilienbesitzern herrscht Unsicherheit. 

Unter den Hausbesitzern grassiert zudem die Sorge vor steigenden Energiekosten und einem Wertverlust der Immobilie. Grundsätzlich offen für eine Sanierung sind dagegen viele – elf Prozent der Befragten haben konkrete Sanierungspläne, 49 Prozent planen eine Sanierung, wissen aber nichts Genaues zum Zeitraum. Etwa ein Viertel der befragten Immobilienbesitzer fürchtet einen Wertverlust der Objekte, falls keine energetische Sanierung stattfindet.

Energetische Sanierung spart Vermögen – mit diesen Maßnahmen

Im Schnitt können Eigentümer 85 Prozent an Energie sparen, wenn sie ihre Immobilie vollsanieren. Gleichzeitig soll die Sanierung den CO₂-Verbrauch um etwa 76,9 Prozent senken. Enter hatte außerdem die genauen Einsparungen pro Sanierungsmaßnahme dargestellt. So soll etwa der Einbau einer Wärmepumpe pro Jahr 975 Euro einsparen. Die weiteren Einsparungen im Überblick:

SanierungsmaßnahmeMögliche Ersparnis pro Jahr
Wärmepumpe975 Euro
Außenwanddämmung839 Euro
Dachdämmung301 Euro
Fußbodendämmung249 Euro
Kellerdeckendämmung240 Euro
Fenstererneuerung236 Euro
Oberste Geschossdecke198 Euro
Türen + Dachfenster42 Euro + 18 Euro

Insgesamt kommen Immobilienbesitzer also auf eine mögliche Ersparnis von 3.203 Euro durchschnittlich. Wichtig dabei: Die Maßnahmen kosten vorher entsprechend viel. Die Anschaffungskosten einer Wärmepumpe bezifferte Enter mit durchschnittlich 32.940 Euro. Für eine Außenwanddämmung gab die Verbraucherzentrale in einer Beispielrechnung 19.340 Euro an (bei 130 Quadratmetern á 175 Euro, minus 15 Prozent Förderung), die Dachdämmung von innen bezifferte Enter mit rund 10.000 Euro, eine Kellerdeckendämmung kostet laut dem Energieanbieter EnBW circa 50 bis 150 Euro pro Quadratmeter. Je nach Lage, Bundesland und Firma können die Preise dabei schwanken.

Maßnahmen zur energetischen Sanierung – lange Zeiträume, bis sie sich rechnen

Dementsprechend gibt es mehrere Probleme, die Eigentümer von der Sanierung abhalten. Eines davon ist die Mathematik. So groß die möglichen Ersparnisse durch eine erneuerbare Sanierung auch sind, es dauert eine ganze Weile, bis sich die verschiedenen Maßnahmen amortisiert haben. Einige Maßnahmen, darunter die Wärmepumpe (zwölf Jahre) und die Kellerdeckendämmung (15,2 Jahre) holen das Geld durch große Ersparnisse vergleichsweise schnell wieder rein. Allerdings geht das auch anders. Bis sich zum Beispiel der Einbau von Dachfenstern amortisiert, dauere es 62,3 Jahre.

SanierungsmaßnahmeAmortisationszeit im Schnitt
Wärmepumpe12 Jahre
Außenwanddämmung24,4 Jahre
Dachdämmung46,4 Jahre
Kellerdeckendämmung15,2 Jahre
Fenstererneuerung29,1 Jahre
Oberste Geschossdecke27,3 Jahre
Dachfenster62,3 Jahre

Ein weiteres ist die Frage nach der Förderung. Die KfW-Bank stellt für Wohngebäudesanierung verschiedene Kredite zur Verfügung, zum Beispiel einen, der einen Zuschuss bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten vorsieht. Unter anderem sieht die Bank Förderung für solarthemische Anlagen, Biomasseheizungen, elektrisch angetriebene Wärmepumpen oder wasserstofffähige Heizungen vor. „Die Förderlandschaft in Deutschland ist jedoch komplex und variiert stark zwischen den Bundesländern“, erklärt Enter dabei.

„Schaffen Sie Klarheit!“ – Wie es mit der energetischen Sanierung weitergeht

Darum sollten Hausbesitzer sich umfassend informieren, ehe sie sich auf eine Maßnahme festlegen. „Oft wird die Wärmepumpe als beste Lösung dargestellt, doch eine energetische Sanierung beginnt nicht zwangsläufig mit der Heizung“, erklärte Maximilian Schroeren, Gründer von Enter, auf Anfrage durch IPPEN.MEDIA. Eine Dämmung könne im Gesamtpaket, inklusive der Förderungen, eine effektivere und wirtschaftlichere Option sein. Dabei rät Schroeren zu einer unabhängigen Beratung und einem Angebotsvergleich. „Bei einzelnen Gewerken können Preisunterschiede von über 10.000 Euro auftreten.“ Mit einem Angebotsvergleich können Kunden viel Geld sparen.

Außerdem mahnte Schroeren vor der großen Verunsicherung der Eigentümer, wie es mit der Energiewende im Eigenheim weitergehen wird. An die Regierung richtete der Enter-Gründer den Appell: „Schaffen Sie schnell Klarheit! Hausbesitzer brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, um jetzt die richtigen Entscheidungen für eine nachhaltige Zukunft treffen zu können.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Gstettenbauer

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