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Die 35-Stunden-Woche bei der Bahn macht den Lokführer-Job attraktiver. Dennoch herrscht auch hier der Fachkräftemangel. Die Allianz pro Schiene will das ändern.
München – Die Arbeitsbedingungen für Lokführer bei der Deutschen Bahn werden besser. Mit dem Tarifabschluss zwischen Lokführergewerkschaft GDL und dem DB-Konzern haben die Beschäftigten künftig die Wahl: Wollen sie weniger arbeiten oder mehr Geld bekommen. Ab 2029 ist eine 35-Stunden-Woche möglich. Alternativ erhalten die Lokführer für jede Stunde mehr 2,7 Prozent mehr Geld.
„Die nun vereinbarte Option zur reduzierten Wochenarbeitszeit wird für einen zusätzlichen Fachkräftebedarf sorgen“, erklärte die Allianz pro Schiene. Der Interessenverband räumte zwar ein, dass der Lokführerberuf dadurch attraktiver wird. Flexiblere Arbeitszeiten könnten ein „echter Vorteil“ sein, zitiert der Verband Jürgen Grenz, Geschäftsführer der SchienenJobs GmbH. „Insbesondere bei jungen Menschen können wir so noch viel stärker für den Beruf des Lokführers und der Lokführerin werben.“
Allianz pro Schiene fordert Engpassberuf-Einstufung für Lokführer-Job – gegen Fachkräftemangel
Die Allianz pro Schiene fordert jedoch weitere Schritte gegen den Lokführer-Mangel: Die Bundesagentur für Arbeit soll Lokführer als Engpassberuf einstufen. Bisher ist der Job lediglich unter Beobachtung. Die Gründe für diese Einstufung seien „nicht wirklich nachvollziehbar“, sagte Verbandschef Dirk Flege. Er verweist auf den Bedarf an Lokführern: Die Branche müsse „jedes Jahr bis zum Ende des Jahrzehnts fünf- bis zehntausend Lokführer einstellen.“
Bei einem Engpassberuf handelt es sich laut Bundesagentur für Arbeit um Jobs, bei welchen sechs Indikatoren überwiegend auf einen Mangel hindeuten. Dazu gehören etwa die Besetzungsdauer gemeldeter Stellen, die berufsspezifische Arbeitslosenquote und die Entgeltentwicklung. Bei Lokführern deuteten laut Arbeitsagentur bei der Bewertung 2022 drei Indikatoren „Anzeichen eines Engpasses“.
Agentur für Arbeit soll mehr Menschen den Quereinstieg zum Lokführer ermöglichen
Der Interessenverband zur Förderung der Bahn fordert zudem die Ausweitung von Bildungsgutscheinen durch die Agentur für Arbeit. Bisher vergibt diese die Gutscheine nur an Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht oder bereits arbeitslos sind. Die Allianz pro Schiene will das ausweiten. „Wir brauchen hier eine großzügigere Vergabe-Praxis, die dem großen Bedarf an Lokführerinnen und Lokführern Rechnung trägt“, erklärte Dirk Flege.
Die Bildungsgutscheine sollen stattdessen auch an Interessenten vergeben werden, die einen Job haben, sich jedoch umorientieren wollen. Dadurch soll mehr Menschen der Quereinstieg ermöglicht werden. Danach sollten die Beschäftigten dann die Möglichkeit haben, sich weiterzubilden und den Berufsabschluss als Eisenbahner im Betriebsdienst auf Wunsch nachzuholen, heißt es in einem Positionspapier der Allianz pro Schiene. (ms/afp)
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