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Bahn kommt GDL weit entgegen: Weselsky feiert und attackiert DB-Konzern

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    Hannes Niemeyer
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Streik-Schluss bei den Lokführern! Die Deutsche Bahn und die GDL haben sich geeinigt. Der Konzern verrät erste Details.

Update vom 26. März, 13.36 Uhr: GDL-Chef Claus Weselsky feiert den Kompromiss mit der Deutschen Bahn als „historischen Durchbruch“ und „einen Erfolg, fast auf der ganzen Linie“. „Gegen den heftigen und letztendlich unnützen Widerstand der DB ist es der GDL und ihren Mitgliedern gelungen, die Absenkung der Arbeitszeit für Schichtarbeiter und die 35-Stunden-Woche ohne Entgeltreduzierung für die Zukunft durchzusetzen“, erklärte Weselsky.

Neben der stufenweisen Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden bis 2029 und der Erhöhung der Monatsgehälter um 420 Euro, dem Inflationsausgleich in Höhe von 2850 Euro nennt die Lokführergewerkschaft einen Zuschuss zum Deutschlandticket in Höhe von monatlich 12,25 Euro als einen Teil der Vereinbarung. Zudem sollen die Arbeitsphasen von bisher maximal 144 Stunden ab dem 1. Januar 2025 auf 120 Stunden verkürzt werden.

GDL-Chef Claus Weselsky freut sich über die Einigung mit der Bahn.

GDL-Chef Weselsky übt auch nach der Einigung mit der Bahn noch Kritik am Konzern. „Statt vernünftig zu verhandeln, setzte der Konzern auch in dieser Runde auf Desinformation, Verleumdung und Verärgerung der Kunden mit dem Ziel, uns in den Augen der Öffentlichkeit zu diskreditieren“, erklärte Weselsky. „Uns kleinzukriegen ist ein hoffnungsloses Unterfangen, das sollte dieser Arbeitgeber doch langsam verstanden haben.“

Bahn ermöglicht Lokführern kürzere Arbeitszeiten – wer mehr arbeitet, verdient aber auch mehr

Update vom 26. März, 09.25 Uhr: Der Kompromiss bei der Wochenarbeitszeit zwischen Bahn und Lokführergewerkschaft GDL sieht zudem eine Anpassung des Gehalts vor. Der Grundsatz: Wer mehr arbeitet, soll auch mehr verdienen. Eine Stunde entspreche dabei 2,7 Prozent mehr Lohn, teilte die Bahn mit. Da die Referenzarbeitszeit jedoch sinkt, soll niemand weniger bekommen. Das geht aus einer Mitteilung der Bahn hervor. Die GDL will sich in einer Pressekonferenz um 11.30 Uhr äußern.

„Mit dem Optionsmodell haben unsere Kolleginnen und Kollegen den individuellen Freiraum, sich für das zu entscheiden, das am besten zu ihnen und ihrer Lebensphase passt“, sagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler. „Wir haben von Anfang an betont, dass eine stumpfe Arbeitszeitverkürzung, die allen zwangsweise übergestülpt wird, absolut nicht zeitgemäß ist.“ Das Optionsmodell gebe dem Unternehmen die Möglichkeit, trotz Fachkräftemangel im Interesse der Kunden weiter zu wachsen.

Durch Einigung zwischen GDL und Bahn sollen Streiks bis Ende Februar 2026 ausgeschlossen sein

Die Lokführer sollen zudem mehr Gehalt bekommen. Die Einigung sieht dabei eine Erhöhung von 210 Euro zum 1. August 2024 vor. Zum 1. April 2025 soll das Gehalt erneut um 210 Euro steigen, so dass die Beschäftigten insgesamt 420 Euro mehr bekommen. Zudem sehen die Tarifparteien eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 2850 Euro vor. Bereits im März sollen 1500 Euro ausgezahlt werden, voraussichtlich im Mai folgt der Restbetrag.

Weitere Bahnstreiks sind zunächst ausgeschlossen. Bahn und GDL haben sich laut Bahn-Mitteilung auf eine Laufzeit von 26 Monaten geeinigt. Danach folge eine zweimonatige Verhandlungsphase mit Friedenspflicht bis Februar 2026.

GDL ringt der Bahn die 35-Stunden-Woche ab – aber erst ab 2029

Update vom 26. März, 08.35 Uhr: Beim Tarifkompromiss zwischen Deutscher Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL ist der Konzern beim Thema 35-Stunden-Woche weit entgegengekommen. Die 35-Stunden-Woche soll demnach bis 2029 umgesetzt werden, manche Reduzierungsschritte erfolgen aber nicht automatisch, wie die Bahn am Dienstag mitteilte. Zuvor hatte „Politico“ darüber berichtet.

„Arbeitszeitkorridor“, mehr Gehalt: Erste Details zur Einigung zwischen DB und GDL klar

Erstmeldung: Berlin – Nach mehr als vier Monaten und sechs Streiks der Lokführergewerkschaft GDL können Bahnreisende aufatmen: Deutsche Bahn und GDL haben in ihrem lange Zeit festgefahrenen Tarifkonflikt eine Einigung erzielt, wie beide Seiten am Montagabend mitteilten. Über die Details des Abschlusses wollen sie am Dienstagvormittag in separaten Pressekonferenzen in Berlin informieren. Streiks drohen den Fahrgästen sowie Industriekunden der Bahn nun nicht mehr. Zuvor hatten beide Seiten Stillschweigen bis zum Abschluss der Tarifverhandlungen vereinbart. Es ist das Ende einer Odyssee an von Vorwürfen geprägten Verhandlungen.

In der Politik wurde die Einigung mit Erleichterung aufgenommen. „Es ist ein wichtiges Signal der Sicherheit und Verlässlichkeit für die Millionen von Pendlerinnen und Pendlern und die erwarteten Reisenden zu den Ostertagen“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Isabel Cademartor. „Die Einigung ist ein Gewinn für das System Schiene, das in den nächsten Monaten vor großen Herausforderungen steht.“

Schluss mit den Streiks: GDL und DB einigen sich nach Marathon-Tarifstreit

Die wiederholten Streiks der GDL hatten Millionen Bahnreisende getroffen, die Bahn konnte im Fernverkehr derweil lediglich ein Grundangebot an Zügen auf die Beine stellen. Auch die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft litt unter den Ausständen, da sie ebenfalls den Güterverkehr trafen. Industriekunden der Bahn-Tochter DB Cargo etwa aus der Auto- und Chemiebranche mussten umdisponieren, Geschäftsreisen, etwa zu Messen, fielen aus. Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) schätzte die Kosten eines bundesweiten Streiks bei der Bahn auf bis zu 100 Millionen Euro an verlorener Wirtschaftsleistung pro Tag.

Trotz der Vereinbarung, sich vor den Statements nicht zu äußern, sickern bereits erste Details zu den konkreten Inhalten der Einigung durch. Besonderer Knackpunkt im Konflikt war die Absenkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden. Nun heißt es in einem Bericht, man habe sich tatsächlich auf die stufenweise Absenkung geeinigt.

Tarifstreit zwischen GDL und Deutsche Bahn beigelegt: Erste Details zur Einigung sickern durch

Das Nachrichtenportal Politico berichtete am Dienstag, es solle ein „Arbeitszeitkorridor“ eingerichtet werden, der es Mitarbeitern erlaube, ihre Arbeitszeit bis zum Jahr 2029 jährlich bei vollem Lohnausgleich abzusenken. Anfang 2026 erfolge diese Absenkung automatisch auf 37 Stunden. Wer 40 Stunden arbeiten möchte, könne dies für rund 2,7 Prozent mehr Lohn tun.

Für die Folgejahre sind dem Bericht zufolge Absenkungen auf 36 Stunden ab 2027, ab 2028 auf 35,5 Stunden und ab 2029 auf 35 Stunden vorgesehen. Sie erfolgen demnach aber nicht mehr automatisch, sondern nur optional auf Antrag der Arbeitnehmer.

Die Parteien hätten sich zudem rückwirkend zum 1. November 2023 auf eine Gehaltserhöhung von 420 Euro pro Monat für 26 Monate geeinigt, berichtete Politico weiter. Das neu entstandene Tochterunternehmen der Bahn, DB InfraGO, soll demnach allerdings nicht in den Tarifvertrag der GDL einbezogen werden. (han/dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Carsten Koall/dpa

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