VonJulian Baumannschließen
ZF Friedrichshafen erwägt die Ausgliederung der Antriebssparte, was mehr als 32.000 Mitarbeiter betreffen würde. Laut dem Autoexperten Dudenhöffer wäre das aber durchaus eine richtige Entscheidung.
Friedrichshafen - Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen steckt inmitten einer notwendigen Umstrukturierung, bei der neben dem Abbau von bis zu 14.000 Arbeitsplätzen sogar ganze Standorte und auch Geschäftssparten auf dem Prüfstand stehen. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass ZF eine Ausgliederung der zentralen Antriebssparte, der sogenannten E-Division, in Erwägung zieht. Davon allein wären rund 32.000 Mitarbeiter an mehreren deutschen Standorten betroffen, was dort logischerweise gewisse Ängste schürt.
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ZF Friedrichshafen hatte sich jüngst gegen den Standort Schweinfurt entschieden und will stattdessen im tschechischen Ostrov investieren. Schweinfurt (Bayern) wäre allerdings auch von einer möglichen Auslagerung der Antriebssparte betroffen, genauso wie auch der große Produktionsstandort Saarbrücken (Saarland) und der Konzernsitz Friedrichshafen (Baden-Württemberg). Laut dem als „Autopapst“ bekannten Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer, wäre eine solche Entscheidung aber dennoch die Richtige.
ZF Friedrichshafen wäre laut Experte auch nach Abspaltung der Antriebssparte noch gleiches Unternehmen
Die ZF Friedrichshafen ist inzwischen der zweitgrößte deutsche und einer der größten Automobilzulieferer der Welt. Hohe Schulden durch milliardenschwere Übernahmen von Konkurrenten sowie die schleppende Transformation zur E-Mobilität gekoppelt mit den allgemeinen Problemen der Wirtschaft stellen den Stiftungskonzern vom Bodensee aber vor große Herausforderungen. Mit einer Abspaltung der E-Division, zu der im Übrigen alle Antriebsarten gehören, würde das Unternehmen zwar einen massiven Teil des Konzernumsatzes einbüßen, allerdings auch beispielsweise hohe Personalkosten einsparen.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 168.738 (Stand: 2023) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte\t | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 46,6 Milliarden Euro (2023) |
| Geschäftsführung\t | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Nach dem Bericht über die mögliche Abspaltung, in dem zunächst eine Ausgliederung und dann ein möglicher Verkauf aufgeführt wird, wurden Stimmen laut, dass ZF damit einen Teil der DNA des Konzerns verlieren wird. Der in Karlsruhe geborene Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ist anderer Meinung. „Es wäre durchaus die richtige Entscheidung, die ,E-Division‘ abzugeben“, erklärte er auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung und betonte, dass ZF auch ohne die E-Division noch immer ZF wäre.
Dudenhöffer traut ZF-Vorstand Transformation des Technologiekonzerns zu
„Autopapst“ Dudenhöffer hatte bereits erklärt, dass die Autoindustrie derzeit eine neue Heimat in China findet. Dementsprechend groß ist auch der Konkurrenzdruck im Feld der Elektromobilität aus dem Reich der Mitte, was selbst die größten Unternehmen aus dem Westen vor Probleme stellt. Laut dem Experten ist ZF im Bereich der E-Antriebe eine vergleichsweise kleiner Player, möglicherweise sogar zu klein für einen langfristigen Erfolg. Deshalb sei es für den Konzern möglicherweise „intelligenter“ an dieser Stelle auszusteigen.
Während die IG Metall vor einer Ausgliederung der ZF-Antriebssparte warnt, sieht der Experte eine solche demnach als richte Entscheidung an. Dudenhöffer erklärte gegenüber der Schwäbischen Zeitung zudem, dass der Vorstand um CEO Holger Klein insgesamt „einen guten Job“ machen würde. Dem ZF-Chef sei eine erfolgreiche Sanierung des Traditionskonzerns mit weltweit rund 170.000 Mitarbeitern durchaus zuzutrauen. Klein selbst hatte jüngst bestätigt, dass die Stimmung im Konzern angesichts der Sparmaßnahmen „natürlich nicht gut“ sei.
Rubriklistenbild: © Johannes Neudecker/dpa & ZF Friedrichshafen AG

