Bericht schürt Ängste

ZF Friedrichshafen erwägt Abspaltung von Sparte - Experte: „wäre durchaus die richtige Entscheidung“

  • schließen

ZF Friedrichshafen erwägt die Ausgliederung der Antriebssparte, was mehr als 32.000 Mitarbeiter betreffen würde. Laut dem Autoexperten Dudenhöffer wäre das aber durchaus eine richtige Entscheidung.

Friedrichshafen - Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen steckt inmitten einer notwendigen Umstrukturierung, bei der neben dem Abbau von bis zu 14.000 Arbeitsplätzen sogar ganze Standorte und auch Geschäftssparten auf dem Prüfstand stehen. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass ZF eine Ausgliederung der zentralen Antriebssparte, der sogenannten E-Division, in Erwägung zieht. Davon allein wären rund 32.000 Mitarbeiter an mehreren deutschen Standorten betroffen, was dort logischerweise gewisse Ängste schürt.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

ZF Friedrichshafen hatte sich jüngst gegen den Standort Schweinfurt entschieden und will stattdessen im tschechischen Ostrov investieren. Schweinfurt (Bayern) wäre allerdings auch von einer möglichen Auslagerung der Antriebssparte betroffen, genauso wie auch der große Produktionsstandort Saarbrücken (Saarland) und der Konzernsitz Friedrichshafen (Baden-Württemberg). Laut dem als „Autopapst“ bekannten Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer, wäre eine solche Entscheidung aber dennoch die Richtige.

ZF Friedrichshafen wäre laut Experte auch nach Abspaltung der Antriebssparte noch gleiches Unternehmen

Die ZF Friedrichshafen ist inzwischen der zweitgrößte deutsche und einer der größten Automobilzulieferer der Welt. Hohe Schulden durch milliardenschwere Übernahmen von Konkurrenten sowie die schleppende Transformation zur E-Mobilität gekoppelt mit den allgemeinen Problemen der Wirtschaft stellen den Stiftungskonzern vom Bodensee aber vor große Herausforderungen. Mit einer Abspaltung der E-Division, zu der im Übrigen alle Antriebsarten gehören, würde das Unternehmen zwar einen massiven Teil des Konzernumsatzes einbüßen, allerdings auch beispielsweise hohe Personalkosten einsparen.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr1915
HauptsitzFriedrichshafen, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Mobilitätssysteme
GeschäftsbereicheAutomobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t19 in neun Ländern
Umsatz46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung\tHolger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Nach dem Bericht über die mögliche Abspaltung, in dem zunächst eine Ausgliederung und dann ein möglicher Verkauf aufgeführt wird, wurden Stimmen laut, dass ZF damit einen Teil der DNA des Konzerns verlieren wird. Der in Karlsruhe geborene Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ist anderer Meinung. „Es wäre durchaus die richtige Entscheidung, die ,E-Division‘ abzugeben“, erklärte er auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung und betonte, dass ZF auch ohne die E-Division noch immer ZF wäre.

Dudenhöffer traut ZF-Vorstand Transformation des Technologiekonzerns zu

„Autopapst“ Dudenhöffer hatte bereits erklärt, dass die Autoindustrie derzeit eine neue Heimat in China findet. Dementsprechend groß ist auch der Konkurrenzdruck im Feld der Elektromobilität aus dem Reich der Mitte, was selbst die größten Unternehmen aus dem Westen vor Probleme stellt. Laut dem Experten ist ZF im Bereich der E-Antriebe eine vergleichsweise kleiner Player, möglicherweise sogar zu klein für einen langfristigen Erfolg. Deshalb sei es für den Konzern möglicherweise „intelligenter“ an dieser Stelle auszusteigen.

Die Ausgliederung der Antriebssparte wäre laut Experte Ferdinand Dudenhöffer für ZF Friedrichshafen eine richtige Entscheidung.

Während die IG Metall vor einer Ausgliederung der ZF-Antriebssparte warnt, sieht der Experte eine solche demnach als richte Entscheidung an. Dudenhöffer erklärte gegenüber der Schwäbischen Zeitung zudem, dass der Vorstand um CEO Holger Klein insgesamt „einen guten Job“ machen würde. Dem ZF-Chef sei eine erfolgreiche Sanierung des Traditionskonzerns mit weltweit rund 170.000 Mitarbeitern durchaus zuzutrauen. Klein selbst hatte jüngst bestätigt, dass die Stimmung im Konzern angesichts der Sparmaßnahmen „natürlich nicht gut“ sei.

Rubriklistenbild: ©  Johannes Neudecker/dpa & ZF Friedrichshafen AG

Kommentare