Sparmaßnahmen

ZF-Chef zeigt Mitgefühl: Stellenabbau ist „ein Drama für die Familie und das gesamte Umfeld“

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Technologiekonzern ZF Friedrichshafen steckt mitten in einer Krise und muss massiv Stellen abbauen. Das lässt auch den Vorstandsvorsitzenden Holger Klein nicht kalt.

Friedrichshafen - Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen ist durch milliardenschwere Übernahmen von Konkurrenten wie Wabco und TRW im Jahr 2020 hoch verschuldet und muss unter anderem aufgrund der schleppenden Transformation zur Elektromobilität gegensteuern. Deshalb hatte das Unternehmen mit Sitz in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) im vergangenen Jahr ein Sparprogramm angekündigt, das allein in Deutschland bis zu 14.000 Stellen betreffen soll. Der Stellenabbau ist bereits angelaufen, ganze Werke stehen auf dem Prüfstand und an mehreren deutschen Standorten wächst die Sorge vor einer Verlagerung ins Ausland.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

ZF-Chef Holger Klein hatte bereits bei der Bilanzpressekonferenz am 1. August 2024 betont, dass der Stellenabbau möglichst sozial verträglich gestaltet werden soll und äußerte dabei Verständnis für die Sorgen der Mitarbeiter. „Natürlich ist hier keiner begeistert“, machte er deutlich. „Wir würden alle lieber wachsen.“ Wenngleich die Maßnahme für das Überleben von einem der größten Autozulieferer der Welt notwendig ist, lässt die Stimmung im Konzern auch den Vorstandsvorsitzenden nicht kalt. Der ZF-Chef hatte bereits den Stellenabbau an einem Standort bestätigt.

ZF-Chef über die Stimmung im Konzern angesichts der Sparmaßnahmen – „ist natürlich nicht gut“

In der Dokumentationsreihe „Was bewegt Deutschland?“ in der ARD, die im Vorfeld der Bundestagswahl am 23. Februar die Sorgen und Ängste der Bürger beleuchtet, war Moderatorin Jessy Wellmer bei ZF in Friedrichshafen zu Gast. Auf die Frage, wie die Stimmung in der Belegschaft des Konzerns angesichts der Sparmaßnahmen sei, antwortete Holger Klein: „Die ist natürlich nicht gut, ohne Frage“. Er betonte erneut, dass ZF die Transformation so sozial verträglich wie möglich gestalten wolle, zeigte aber auch Mitgefühl mit den Angestellten. „Selbst wenn wir einem befristeten Mitarbeiter sagen, wir können deinen Vertrag nicht verlängern, ist es ein Drama für die Familie und das gesamte Umfeld.“

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr1915
HauptsitzFriedrichshafen, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Mobilitätssysteme
GeschäftsbereicheAutomobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t19 in neun Ländern
Umsatz46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung\tHolger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Die hohen Schulden, die schleppende Transformation und das angekündigte Verbrenner-Aus 2035 – das laut Holger Klein nochmal überdacht werden sollte – stellen den schwäbischen Weltkonzern vor große Herausforderungen. Allerdings könnte sich die Krise für ZF, und die gesamte Industrie, noch weiter verschärfen. Die hohen Zölle, mit denen US-Präsident Donald Trump der EU und damit der deutschen Autoindustrie droht, schaffen bei ZF Verunsicherung. „Wenn Sie fragen, was ist der Tod des freien Welthandels, dann sind das natürlich solche Zölle“, sagte Konzernchef Klein.

ZF-Chef spricht sich für Technologieoffenheit aus und erklärt, was er sich von der neuen Regierung erhofft

Die ZF Friedrichshafen steht mit den großen Problemen nicht alleine da. Auch Autozulieferer Bosch, sowie die Autobauer Mercedes-Benz und Porsche haben umfassende Sparmaßnahmen angekündigt. Laut Holger Klein ist aktuell die Planungssicherheit nicht gegeben, weil sich weltweit innerhalb kürzester Zeit derart viel ändere, dass nur noch kurzfristige Planungen möglich seien. Auf die Frage von Jessy Wellmer, was sich der ZF-Chef von einer neuen Bundesregierung erhoffe, führte Klein mehrere Punkte an. Zum einen müsse darüber gesprochen werden, wie man die E-Mobilität erfolgreich macht. Dafür müsste der Strom so günstig sein, dass sich eine E-Mobilität lohnt.

ZF Friedrichshafen steckt in der Krise und muss tausende Stellen abbauen. Das lässt auch den Konzernchef Holger Klein nicht kalt.

Als weiteren Punkt führt der ZF-Chef in der Dokumentationsreihe an, dass darüber gesprochen werden müsse, wie man eine Technologieoffenheit in die EU-Regulationen bekomme. Holger Klein hatte bereits bei der eingangs erwähnten Bilanzpressekonferenz im vergangenen Jahr erklärt, dass eine Abkehr vom Verbrenner-Aus tausende Jobs bei ZF bewahren könnte. Während sich ehemals vor allem die Zulieferer, wie eben ZF oder Mahle, weiter für eine Technologieoffenheit ausgesprochen hatten, rudern inzwischen auch die Hersteller zurück. Porsche hat beispielsweise angekündigt, wieder mehr in den Verbrenner investieren zu wollen.

Rubriklistenbild: © Oliver Dietze/dpa

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