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Technologiekonzern ZF Friedrichshafen steckt mitten in einer Krise und muss massiv Stellen abbauen. Das lässt auch den Vorstandsvorsitzenden Holger Klein nicht kalt.
Friedrichshafen - Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen ist durch milliardenschwere Übernahmen von Konkurrenten wie Wabco und TRW im Jahr 2020 hoch verschuldet und muss unter anderem aufgrund der schleppenden Transformation zur Elektromobilität gegensteuern. Deshalb hatte das Unternehmen mit Sitz in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) im vergangenen Jahr ein Sparprogramm angekündigt, das allein in Deutschland bis zu 14.000 Stellen betreffen soll. Der Stellenabbau ist bereits angelaufen, ganze Werke stehen auf dem Prüfstand und an mehreren deutschen Standorten wächst die Sorge vor einer Verlagerung ins Ausland.
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ZF-Chef Holger Klein hatte bereits bei der Bilanzpressekonferenz am 1. August 2024 betont, dass der Stellenabbau möglichst sozial verträglich gestaltet werden soll und äußerte dabei Verständnis für die Sorgen der Mitarbeiter. „Natürlich ist hier keiner begeistert“, machte er deutlich. „Wir würden alle lieber wachsen.“ Wenngleich die Maßnahme für das Überleben von einem der größten Autozulieferer der Welt notwendig ist, lässt die Stimmung im Konzern auch den Vorstandsvorsitzenden nicht kalt. Der ZF-Chef hatte bereits den Stellenabbau an einem Standort bestätigt.
ZF-Chef über die Stimmung im Konzern angesichts der Sparmaßnahmen – „ist natürlich nicht gut“
In der Dokumentationsreihe „Was bewegt Deutschland?“ in der ARD, die im Vorfeld der Bundestagswahl am 23. Februar die Sorgen und Ängste der Bürger beleuchtet, war Moderatorin Jessy Wellmer bei ZF in Friedrichshafen zu Gast. Auf die Frage, wie die Stimmung in der Belegschaft des Konzerns angesichts der Sparmaßnahmen sei, antwortete Holger Klein: „Die ist natürlich nicht gut, ohne Frage“. Er betonte erneut, dass ZF die Transformation so sozial verträglich wie möglich gestalten wolle, zeigte aber auch Mitgefühl mit den Angestellten. „Selbst wenn wir einem befristeten Mitarbeiter sagen, wir können deinen Vertrag nicht verlängern, ist es ein Drama für die Familie und das gesamte Umfeld.“
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 168.738 (Stand: 2023) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte\t | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 46,6 Milliarden Euro (2023) |
| Geschäftsführung\t | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Die hohen Schulden, die schleppende Transformation und das angekündigte Verbrenner-Aus 2035 – das laut Holger Klein nochmal überdacht werden sollte – stellen den schwäbischen Weltkonzern vor große Herausforderungen. Allerdings könnte sich die Krise für ZF, und die gesamte Industrie, noch weiter verschärfen. Die hohen Zölle, mit denen US-Präsident Donald Trump der EU und damit der deutschen Autoindustrie droht, schaffen bei ZF Verunsicherung. „Wenn Sie fragen, was ist der Tod des freien Welthandels, dann sind das natürlich solche Zölle“, sagte Konzernchef Klein.
ZF-Chef spricht sich für Technologieoffenheit aus und erklärt, was er sich von der neuen Regierung erhofft
Die ZF Friedrichshafen steht mit den großen Problemen nicht alleine da. Auch Autozulieferer Bosch, sowie die Autobauer Mercedes-Benz und Porsche haben umfassende Sparmaßnahmen angekündigt. Laut Holger Klein ist aktuell die Planungssicherheit nicht gegeben, weil sich weltweit innerhalb kürzester Zeit derart viel ändere, dass nur noch kurzfristige Planungen möglich seien. Auf die Frage von Jessy Wellmer, was sich der ZF-Chef von einer neuen Bundesregierung erhoffe, führte Klein mehrere Punkte an. Zum einen müsse darüber gesprochen werden, wie man die E-Mobilität erfolgreich macht. Dafür müsste der Strom so günstig sein, dass sich eine E-Mobilität lohnt.
Als weiteren Punkt führt der ZF-Chef in der Dokumentationsreihe an, dass darüber gesprochen werden müsse, wie man eine Technologieoffenheit in die EU-Regulationen bekomme. Holger Klein hatte bereits bei der eingangs erwähnten Bilanzpressekonferenz im vergangenen Jahr erklärt, dass eine Abkehr vom Verbrenner-Aus tausende Jobs bei ZF bewahren könnte. Während sich ehemals vor allem die Zulieferer, wie eben ZF oder Mahle, weiter für eine Technologieoffenheit ausgesprochen hatten, rudern inzwischen auch die Hersteller zurück. Porsche hat beispielsweise angekündigt, wieder mehr in den Verbrenner investieren zu wollen.
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