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Eine BDI-Studie kritisiert, dass in Deutschland viel geforscht wird, Innovationen jedoch selten sind. Im internationalen Vergleich der innovativsten Länder liegt die Bundesrepublik weit hinten.
Berlin – Deutschland ist unter den 35 innovativsten Ländern auf Platz 12 – derselbe Rang wie im Vorjahr. Das ist das Ergebnis des Innovationsindikators 2025 des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Der Unternehmensverband warnt, dass die Innovationskraft in Deutschland stagniert, während Länder wie die USA, Großbritannien und Frankreich stark aufholen. Deutschland drohe deshalb im Innovationswettbewerb abgehängt zu werden.
Ein wichtiger Grund für die mangelnde Innovationskraft: Aus der sehr guten deutschen Forschung resultieren zu selten marktreife Produkte, heißt es in der Studie. Deutschland gehört zu den absoluten Spitzenreitern bei der Wissensgenerierung, bei der Kommerzialisierung dieses Know-hows hapert es aber: Hier liegt die Effizienz der BDI-Studie zufolge nur bei 61 Prozent. „Deutschland ist Weltspitze in der Forschung, aber Mittelmaß bei der wirtschaftlichen Verwertung“, schreiben die Autoren.
Warum schafft die deutsche Wirtschaft kaum Innovationen?
Stefan Schaible, Partner beim Beratungsunternehmen Roland Berger, das die Studie für den BDI erstellt hat, erklärt: „Innovation ist der Motor für Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland ist jedoch aktuell nicht gut genug bei der Umsetzung von Wissen in marktfähige Innovationen.“ Es sei jetzt notwendig, das vorhandene Wissen besser in kommerzielle Produkte zu übersetzen. Die deutschen Unternehmen müssten dafür Prozesse beschleunigen, Wagniskapital mobilisieren und mutig in neue Schlüsseltechnologien investieren.
Vor allem bei Letzterem verlieren deutsche Unternehmen zunehmend an Konkurrenzfähigkeit. Deutschland liegt in der BDI-Studie bei den Schlüsseltechnologien zwar auf Platz vier, besonders in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, neue Materialien und Produktionstechnologie schneidet die Bundesrepublik gut ab. Aber in zentralen Zukunftsfeldern, etwa digitaler Hardware und Vernetzung sowie Biotechnologie, hängt die Industrie zurück. In diesen Bereichen „droht Deutschland den Innovationswettlauf zu verlieren“, warnen die Studienautoren.
Investitionen der deutschen Industrie nicht dynamisch genug für Innovationen
Einer der Gründe dafür sind laut der Studie auch die weniger „dynamischen“ Ausgaben der deutschen Wirtschaft für Forschung und Entwicklung im Vergleich zu andern Ländern. Besonders bei den Ausgaben im Bereich der Digitalisierung liegt Deutschland deutlich hinter Ländern, wie den USA und China zurück. In absoluten Zahlen sind die deutschen Ausgaben für Forschung und Entwicklung aber nach wie vor hoch. Laut Zahlen der OECD gibt Deutschland dafür pro Jahr rund 130 Milliarden Dollar aus und liegt damit hinter Japan auf Platz vier im internationalen Vergleich. Davor liegen nur die USA und China, die aufgrund ihrer Größe aber nicht mit Deutschland vergleichbar sind.
Den Großteil dieser Investitionen stemmen die deutschen Unternehmen, nur ein Drittel kommt vom Staat oder von Universitäten. Allerdings stagnieren die Ausgaben, obwohl sie eigentlich steigen müssten. Laut Recherchen des Handelsblatts stiegen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im vergangenen Jahr um zwei Prozent. Das ist allerdings keine reale Steigerung, sondern ein Inflationsausgleich.
BDI-Präsident: „Müssen uns Großes zutrauen“
BDI-Präsident Peter Leibinger zieht aus den Ergebnissen der Studie den Schluss: „Wir müssen uns Großes zutrauen, nur so entfachen wir neue Innovationsdynamik.“ Deutschland müsse sich vornehmen, bis 2040 den ersten Prototypen eines Fusionsreaktors zu bauen oder führend bei Künstlicher Intelligenz für Unternehmen zu werden. „Dazu braucht es eine Priorisierung der Innovationspolitik, ambitionierte Roadmaps und einen integrierten europäischen Kapitalmarkt.“
Die drei innovativsten Länder in der BDI-Studie sind übrigens die Schweiz, Singapur und Dänemark. Mit Deutschland sind sie allerdings schwer vergleichbar, weil ihre Volkswirtschaften deutlich kleiner und in bestimmten Bereichen hoch spezialisiert sind.
Das sind die innovativsten Länder:
- Schweiz (Innovationsindex: 71)
- Singapur (64)
- Dänemark (59)
- Schweden (56)
- Finnland (56)
- Irland (54)
- Belgien (48)
- Niederlande (48)
- Österreich (48)
- Vereinigtes Königreich (46)
- Südkorea (43)
- Deutschland (42)
(Quellen: Handelsblatt, BDI, OECD) (Leon Kaiser)
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