VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Immer mehr Familienunternehmen in Deutschland stehen vor einem Führungswechsel. In vielen fehlt der Nachwuchs. Ein Problem dabei: die Überalterung.
München – Eine aktuelle Studie des ifo Institut in München legt offen, welch drastische Auswirkungen der demografische Wandel auf Deutschlands Familienunternehmen hat. Eines der grundlegenden Probleme dabei: Jährlich gehen mehr Menschen in die wohlverdiente Rente als Nachwuchs nachrückt. Geschäftsführern fällt es außerdem immer schwerer, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Fast die Hälfte aller Familienunternehmen plant aktuell eine Unternehmens- oder Anteilsübertragung.
| Anteil der Familienunternehmen in Deutschland | Rund 90 Prozent |
| Anteil der Familienunternehmen, die einen Führungswechsel planen | 43 Prozent |
| Zahl der 65- bis 84-Jährigen bis 2037 (Destatis) | 20 Millionen |
Fast die Hälfte der Familienunternehmen plant den Führungswechsel
Insgesamt sind es fast 43 Prozent aller Familienunternehmen, die innerhalb der nächsten drei Jahre einen Führungswechsel durchmachen werden. „Vor allem die größeren Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern planen in den nächsten drei Jahren den Generationenwechsel, und zwar 50 Prozent von ihnen“, erklärt Annette von Maltzan vom ifo Institut. Die Studie fußt auf einer Befragung des ifo Institut und der Stiftung Familienunternehmen.
Weitere Umfragen des ifo Institut legen Details zur Nachfolgeplanung offen. 42 Prozent der befragten Unternehmen aktuell noch keinen Nachfolger aus der Familie gefunden, der die Geschäfte leiten könnte. Während das durchschnittliche Alter der Inhaber immer weiter steigt, schafft nur ein Bruchteil der Familienunternehmen die Übergabe mit familieninterner Nachfolge. Zuletzt belief sich die Zahl der Familienunternehmen, die ihren Wechsel innerhalb der Familie vollziehen, auf 34 Prozent. Im schlimmsten Fall muss das Unternehmen aufgeben, wie etwa der Gärtnereibetrieb des Morsumer Traditionsunternehmens Richter & Sohn GbR.
Auswirkungen der Babyboomer auf Familienunternehmen
Dasselbe Problem ist auch in den Aufsichtsräten zu beobachten. Etwa ein Viertel aller Familienunternehmen kann den Rat mit Familienmitgliedern nachbesetzen. Wie das Institut berichtet, ist auch hier der Einfluss der (nun fehlenden) Babyboomer-Generation sichtbar. Ihr Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt habe nicht nur auf das Angebot an Fachkräften eine deutliche Wirkung, sondern auch auf die Unternehmensnachfolge.
Allgemein halten sich Familienunternehmen vergleichsweise lang. Etwa die Hälfte der in der Datenbank des ifo Instituts angelegten Familienunternehmen befinden sich in der zweiten und dritten Generation. Etwa ein Fünftel ist noch älter – einige Familienunternehmen existieren seit dem 14. Jahrhundert. „Die kommende Unternehmergeneration hat großes Zutrauen in die Leistungs- und Innovationsfähigkeit ihrer Familienunternehmen“, sagt Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, dazu. „Doch die Rahmenbedingungen für Familienunternehmen müssen sich radikal verbessern. Bürokratie, Energiepreise, Fachkräftemangel und Steuerlast entmutigen die Nachfolgegeneration.“
Die Macht der Familienunternehmen in Deutschland
Familienkontrollierte Unternehmen stellen aktuell eine überwältigende Mehrheit der in Deutschland ansässigen Betriebe. Laut der Stiftung Familienunternehmen machen sie etwa 90 Prozent aller Firmen aus. Sie erzielen 55 Prozent der Umsätze und stellen rund 57 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse.
Besonders im Bausektor und im Handel ist eine erhöhte Zahl von Familienunternehmen ansässig. Verglichen mit anderen Industrienationen hat Deutschland auffällig viele „sehr große“ Familienunternehmen in seiner Wirtschaft. Knapp die Hälfte (46 Prozent) der Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz sind Familienunternehmen.
Alterung steigt – Prognose sieht 20 Millionen Rentner voraus
Im Zuge des demografischen Wandels ist davon auszugehen, dass die beschriebenen Probleme bei den Familienunternehmen keineswegs schrumpfen werden. Die Altersgruppe der Über-65-Jährigen steigt kontinuierlich weiter. Projektionen des Statistischen Bundesamts (Destatis) zufolge sollen innerhalb der nächsten 20 Jahre weitere fünf bis sechs Millionen Menschen in diese Altersgruppe eintreten.
Bis 2037 sollen es dann 20 Millionen 65- bis 84-Jährige sein. Danach werden die Jahrgänge der sogenannten „Babyboomer“ in die Gruppe der Hochbetagten übergehen. Das wirkt sich gleich doppelt auf die Rente aus: Erstens fehlen die Arbeitskräfte, die in die Rente einzahlen könnten, zweitens benötigen sie diese dann selbst. Die Politik versucht deshalb, mit einer Erhöhung des Rentenalters gegenzusteuern. Bei den eigentlichen Rentnern ist schon heute eine Tendenz zu einer verlängerten Erwerbstätigkeit zu beobachten.
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