„Politik lässt uns alle im Stich“ – deutsches Traditionsgeschäft muss nach fast 100 Jahren schließen
VonAlexander Hofer
schließen
Die Wirtschaft in Baden-Württemberg erleidet einen Schicksalsschlag nach dem anderen. Nun muss auch das Nähzentrum Günther aus Pforzheim dran glauben.
Pforzheim – Auf ihren sozialen Plattformen verkündeten die Inhaber das endgültige Ende ihres Traditionsgeschäfts. Das Nähzentrum Günther in Pforzheim (Baden-Württemberg) schließt seine Türen und räumt die Verkaufsfläche bis Ende Juni. Die Betreiber sind enttäuscht, und auch die Reaktionen der Kunden zeigen Trauer und Mitgefühl.
Traditionsbetrieb in Pforzheim schließt – Innenstadt verfällt
Sandra Pfälzer, die Geschäftsführerin des Nähzentrums Günther, äußert ihre Enttäuschung. Auf die Frage nach den Gründen für die Schließung antwortet sie: „Die Politik lässt uns alle im Stich.“ Die Innenstädte würden sich nicht ausreichend um eine ansprechende Gestaltung bemühen. Das fiel übrigens auch der Sängerin Nina Chuba auf einem Tourstopp im Enzkreis auf.
Nebenan stellte der ehemalige Galeria Kaufhof vor über einem Jahr den Betrieb ein, doch die Bauarbeiten dauern bis heute an. „Die Dauerbaustelle vor der Tür schreckt die Kunden ab“, klagt die Geschäftsführerin. In Zeiten von Online-Shopping und dem schwindenden Interesse der jüngeren Generationen sei das zunehmend vernachlässigte Stadtbild der letzte Schlag. Nicht umsonst gilt Pforzheim laut unseren Lesern als die hässlichste Stadt Baden-Württembergs.
Kommune blockiert Umzug an neuen Standort
Frau Pfälzer erklärt, dass man sich aufgrund der ungünstigen Lage in der Innenstadt nach einem neuen Standort umsehen wollte. Ein Umzug auf die Wilferdinger Höhe am Stadtrand, wo sich zahlreiche Ladenketten, Supermärkte und Restaurants befinden, war eine Überlegung. Doch die Stadt lehnte dies ab, da das Nähzentrum „von innerstädtischem Interesse“ sei.
Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr
Man wurde gezwungen, am alten, wenig aussichtsreichen Standort in der Innenstadt zu bleiben. Nach der Rückzahlung der Corona-Hilfen war schließlich „einfach kein Geld mehr da“, so die Betreiberin. Die Entscheidung zur Geschäftsaufgabe fiel ihr schwer. „Wir sind alle noch nicht im Rentenalter und müssen uns jetzt alle was anderes suchen.“ Eine Umgestaltung des bestehenden Geschäftsmodells schließt Sandra Pfälzer aus.