Bäckereibetrieb in Familienhand muss nach Insolvenz Betrieb einstellen – „uns bleibt keine andere Wahl“
VonJulian Baumann
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Beim traditionsreichen Bäckereibetrieb Wiskandt gehen nach der Insolvenzanmeldung Ende März die Lichter ganz aus. Ein Investor konnte nicht gefunden werden.
Pforzheim - Ende Februar hatte der familiengeführte Bäckereibetrieb Wiskandt Insolvenz angemeldet. Das 1969 in Pforzheim (Baden-Württemberg) gegründete Traditionsunternehmen mit insgesamt sieben Filialen in der Region sollte mithilfe eines Sanierungsverfahren wieder auf den richtigen Weg gebracht werden. „Es ist eine alteingesessene Bäckerei mit einer treuen Stammkundschaft und einer engagierten Belegschaft“, hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun erklärt. „Mit einem geordneten Insolvenzverfahren haben wir gute Chancen, die Bäckerei finanziell und operativ neu aufzustellen.“
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Am 25. März vermeldete die bundesweit tätige Anwaltskanzlei mit Hauptsitz in Achern (Baden-Württemberg) aber die Hiobsbotschaft für den Bäckereibetrieb Wiskandt, die sieben Filialen und die rund 50 Mitarbeiter. Weil notwendige Investitionen und der weiterhin herausfordernde Markt eine Fortführung des Insolvenzverfahrens nach dem 1. April unmöglich machen, wird der Betrieb zu diesem Zeitpunkt eingestellt. Ende Februar musste auch ein deutscher Reiseveranstalter nach der Insolvenz den Betrieb einstellen und kündigte allen Mitarbeitern.
Notwendige Investitionen und hoher Konkurrenzdruck zwingen Traditionsbetrieb in die Knie
Als Grund für die Schieflage wurde der immer stärkere Konkurrenzdruck durch große Bäckereiketten, aber auch durch Discounter und Supermärkte angegeben. Dadurch haben es Handwerksbäckereien wie Wiskandt zunehmend schwer, operative Gewinne zu erzielen und Kunden zu halten. Das führt bei dem Traditionsbetrieb nun auch zur Schließung. „Ich hätte mir wirklich eine andere Entwicklung für die mehrfach ausgezeichnete Bäckerei gewünscht, und es ist bei einer solchen traditionsreichen Vor-Ort-Bäckerei ein Schritt, der alles andere als leicht fällt“, erklärt Blümle in der aktuellen Mitteilung. „Die Bäckerei muss aber in einem Insolvenzverfahren in der Lage sein, ohne operative Verluste zu wirtschaften.“
Durch anstehende Investitionen und dem engen Marktumfeld sei das aber nicht mehr möglich. „Daher bleibt uns keine andere Wahl, als die Notbremse zu ziehen“, macht der vorläufige Insolvenzverwalter deutlich. „Das angestrebte Ziel, die Bäckerei auf Basis der bisher schon erfolgten Sanierungsschritte weiter neu aufzustellen und strategisch neu auszurichten, können wir unter den gegebenen finanziellen Bedingungen und den Veränderungen am Markt ohne einen Investor nicht wie geplant umsetzen.“ Der Verkauf der sieben Filialen in Pforzheim, Birkenfeld und Kieselbronn soll bis zum Freitag (28. März) beendet werden, an diesem Tag endet auch die Versorgung der Lieferkunden.
Mitarbeiter von Wiskandt wurden über Schließung informiert - „es ist ein schwerer Schritt“
Die rund 50 Mitarbeiter des in dritter Familiengeneration geführten Bäckereibetriebs wurden laut der Mitteilung von Schultze & Braun in mehreren Betriebsversammlungen über das Ende informiert. „Unser Hauptaugenmerk liegt nun darauf, die Mitarbeitenden an andere Bäckereien zu vermitteln beziehungsweise einzelne Filialen zu erhalten“, sagt Blümle. „Auch Bäckereien leiden unter dem Fachkräftemangel, sodass ich mir wenig Sorgen mache, dass die Arbeitnehmer, die sich in den vergangenen Wochen sehr engagiert und sowohl fachlich als auch qualitativ hervorragend gearbeitet haben, eine neue Beschäftigung finden werden.“ Dafür habe man bereits Kontakt zur Bäckereiinnung aufgenommen.
„Es ist ein schwerer Schritt für mich persönlich und meine Familie insgesamt, die über Generationen mit Herzblut diese Bäckerei betrieben hat“, wird Geschäftsführer Janis Wiskandt in der Mitteilung zitiert. „Jetzt gilt das Hauptaugenmerk auf unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die wir bestmöglich bei der Suche nach einer neuen Anstellung unterstützen möchten.“ Im vergangenen Jahr hatte eine Kleinstadt in Baden-Württemberg ihre letzte Bäckereifiliale verloren.