Ende März ist Schluss

Bäckereibetrieb in Familienhand muss nach Insolvenz Betrieb einstellen – „uns bleibt keine andere Wahl“

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Beim traditionsreichen Bäckereibetrieb Wiskandt gehen nach der Insolvenzanmeldung Ende März die Lichter ganz aus. Ein Investor konnte nicht gefunden werden.

Pforzheim - Ende Februar hatte der familiengeführte Bäckereibetrieb Wiskandt Insolvenz angemeldet. Das 1969 in Pforzheim (Baden-Württemberg) gegründete Traditionsunternehmen mit insgesamt sieben Filialen in der Region sollte mithilfe eines Sanierungsverfahren wieder auf den richtigen Weg gebracht werden. „Es ist eine alteingesessene Bäckerei mit einer treuen Stammkundschaft und einer engagierten Belegschaft“, hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun erklärt. „Mit einem geordneten Insolvenzverfahren haben wir gute Chancen, die Bäckerei finanziell und operativ neu aufzustellen.“

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Am 25. März vermeldete die bundesweit tätige Anwaltskanzlei mit Hauptsitz in Achern (Baden-Württemberg) aber die Hiobsbotschaft für den Bäckereibetrieb Wiskandt, die sieben Filialen und die rund 50 Mitarbeiter. Weil notwendige Investitionen und der weiterhin herausfordernde Markt eine Fortführung des Insolvenzverfahrens nach dem 1. April unmöglich machen, wird der Betrieb zu diesem Zeitpunkt eingestellt. Ende Februar musste auch ein deutscher Reiseveranstalter nach der Insolvenz den Betrieb einstellen und kündigte allen Mitarbeitern.

Notwendige Investitionen und hoher Konkurrenzdruck zwingen Traditionsbetrieb in die Knie

Als Grund für die Schieflage wurde der immer stärkere Konkurrenzdruck durch große Bäckereiketten, aber auch durch Discounter und Supermärkte angegeben. Dadurch haben es Handwerksbäckereien wie Wiskandt zunehmend schwer, operative Gewinne zu erzielen und Kunden zu halten. Das führt bei dem Traditionsbetrieb nun auch zur Schließung. „Ich hätte mir wirklich eine andere Entwicklung für die mehrfach ausgezeichnete Bäckerei gewünscht, und es ist bei einer solchen traditionsreichen Vor-Ort-Bäckerei ein Schritt, der alles andere als leicht fällt“, erklärt Blümle in der aktuellen Mitteilung. „Die Bäckerei muss aber in einem Insolvenzverfahren in der Lage sein, ohne operative Verluste zu wirtschaften.“

Durch anstehende Investitionen und dem engen Marktumfeld sei das aber nicht mehr möglich. „Daher bleibt uns keine andere Wahl, als die Notbremse zu ziehen“, macht der vorläufige Insolvenzverwalter deutlich. „Das angestrebte Ziel, die Bäckerei auf Basis der bisher schon erfolgten Sanierungsschritte weiter neu aufzustellen und strategisch neu auszurichten, können wir unter den gegebenen finanziellen Bedingungen und den Veränderungen am Markt ohne einen Investor nicht wie geplant umsetzen.“ Der Verkauf der sieben Filialen in Pforzheim, Birkenfeld und Kieselbronn soll bis zum Freitag (28. März) beendet werden, an diesem Tag endet auch die Versorgung der Lieferkunden.

Mitarbeiter von Wiskandt wurden über Schließung informiert - „es ist ein schwerer Schritt“

Die rund 50 Mitarbeiter des in dritter Familiengeneration geführten Bäckereibetriebs wurden laut der Mitteilung von Schultze & Braun in mehreren Betriebsversammlungen über das Ende informiert. „Unser Hauptaugenmerk liegt nun darauf, die Mitarbeitenden an andere Bäckereien zu vermitteln beziehungsweise einzelne Filialen zu erhalten“, sagt Blümle. „Auch Bäckereien leiden unter dem Fachkräftemangel, sodass ich mir wenig Sorgen mache, dass die Arbeitnehmer, die sich in den vergangenen Wochen sehr engagiert und sowohl fachlich als auch qualitativ hervorragend gearbeitet haben, eine neue Beschäftigung finden werden.“ Dafür habe man bereits Kontakt zur Bäckereiinnung aufgenommen.

Die Handwerksbäckerei Wiskandt hat Ende Februar Insolvenz angemeldet, einen Monat später gehen die Lichter ganz aus (Symbolfoto).

„Es ist ein schwerer Schritt für mich persönlich und meine Familie insgesamt, die über Generationen mit Herzblut diese Bäckerei betrieben hat“, wird Geschäftsführer Janis Wiskandt in der Mitteilung zitiert. „Jetzt gilt das Hauptaugenmerk auf unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die wir bestmöglich bei der Suche nach einer neuen Anstellung unterstützen möchten.“ Im vergangenen Jahr hatte eine Kleinstadt in Baden-Württemberg ihre letzte Bäckereifiliale verloren.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa

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