VonOliver Schmitzschließen
Eine deutliche Preiserhöhung für das Deutschlandticket dürfte kommen, glaubt der Verband Pro Bahn. Das sei von Anfang an geplant gewesen.
Köln – Aufgrund einer erneuten Bund-Länder-Debatte um Finanzierungsfragen, könnte das Deutschlandticket künftig teurer werden. Das ursprünglich sogenannte „49-Euro-Ticket“ wird dann kein solches mehr sein, glaubt auch der Fahrgastverband Pro Bahn. „Der Preis wird so sicherlich nicht bleiben“, sagt Bundesvorsitzender Detlef Neuß gegenüber 24RHEIN und ergänzt: „Deshalb heißt es auch Deutschlandticket und nicht 49-Euro-Ticket“. Die Erhöhung sei seiner Meinung nach von vorneherein eingeplant gewesen.
Mindestens 59 Euro: Pro Bahn glaubt an Deutschlandticket-Preiserhöhung ab 2025
Auch wenn es nicht an prominenter Stelle kommuniziert wurde, war eine Preiserhöhung des Deutschlandtickets vonseiten der Politik nicht ausgeschlossen worden. „Bei den 49 Euro handelt es sich um einen Einführungspreis. Die Verkehrsminister von Bund und Ländern haben bereits vereinbart, dass es von 2024 an eine Dynamisierung in Form eines automatischen Inflationsausgleichs geben soll“, schreibt die Bundesregierung auf ihrer Webseite. Selbst bei den zuletzt hohen Inflationsraten würde das Deutschlandticket dann aber nur wenige Euro teurer werden.
Der Pro Bahn-Chef glaubt aber, dass es deutlich kostspieliger wird. „Spätestens ab 2025 wird der Preis wohl auf 59 Euro ansteigen. Später dann sicherlich auf 69 Euro“, sagt Detlef Neuß. Bereits Monate vor der Einführung des ÖPNV-Abos hatte der Fahrgastverband eine massive Preiserhöhung des Deutschlandtickets prognostiziert.
Trotz Finanzierungsstreit: Fahrgastverband hält teureres Deutschlandticket ab 2024 für unrealistisch
Zuletzt hat die erneute Debatte über die Finanzierung des Deutschlandtickets das Thema Preiserhöhung wieder aufs Tapet gebracht. Sollten sich Bund und Länder nicht einigen, wer die Mehrkosten ab 2024 bezahlen wird, würden diese auf die Verkehrsunternehmen zurückfallen. Welche dadurch wiederum den Preis des ÖPNV-Abos erhöhen müssten. Detlef Neuß glaubt aber nicht, dass es schon im kommenden Jahr dazu kommen wird. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man sich darauf einlässt. Eine Preiserhöhung so kurz nach der Einführung würde sicherlich Stimmen kosten. Dieser Gefahr wird sich kein Politiker aussetzen“, sagt er zu 24RHEIN. „Der Bund wird jedoch sicherlich versuchen, noch mehr Geld aus den Ländern herauszuholen“, sagt Neuß weiter.
Um welche Mehrkosten streiten Bund und Länder?
Bund und Länder hatten sich darauf geeinigt, mit jeweils rund 1,5 Milliarden Euro das Deutschlandticket zu subventionieren. Da diese Summe aber nicht alle ausfallenden Einnahmen der Verkehrsbetriebe sowie Preissteigerungen abdeckt, fallen sogenannte „Mehrkosten“ an. Dazu gehören unter anderem auch gestiegene Energiepreise und Inflationseffekte. Diese Mehrkosten werden bis Ende 2023 jeweils zur Hälfte ebenfalls von Bund und Länder übernommen. Ab 2024 ist aber bisher unklar, wer sie übernimmt.
Der Pro Bahn-Chef schätzt, dass sich Bund und Länder aber erneut einigen werden und somit eine Preiserhöhung für 2024 vom Tisch ist. Er kritisiert jedoch, dass es überhaupt so ein hartes Ringen um die Finanzmittel für das Deutschlandticket gab und gibt. „Letztendlich reden wir hier aber doch von Peanuts. Die drei Milliarden sind nichts im Vergleich zu den Investitionen in die Straße“, sagt Neuß. (os) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Thomas Banneyer/dpa


