VonAmy Walkerschließen
Hierzulande wird über das Heizungsgesetz gestritten, doch in Frankreich gelten viel strengere Regeln. So ist die Vermietung unsanierter Wohnungen untersagt. Die Regierung will jetzt noch weiter gehen.
Paris – Wer in Frankreich Eigentümer oder Eigentümerin einer unsanierten Wohnung ist, hat seit Januar 2023 schlechte Karten. Denn die Vermietung dieser Wohnungen ist seit Jahresbeginn nur noch eingeschränkt möglich. Damit will die Regierung von Präsident Emmanuel Macron die Modernisierung von energieineffizienten Gebäuden – auf Französisch „Wärmesiebe“ genannt – vorantreiben. Französische Medien berichten nun, dass die Regelung ausgeweitet werden soll: Wer sein unsaniertes Eigentum verkaufen will, darf das nur unter der Bedingung tun, dass eine Sanierung in Bälde erfolgen wird.
Keine Vermietung schlecht sanierter Gebäude: Das bedeutet das Gesetz in Frankreich
Betroffen sind aktuell Gebäude der schlechtesten Energieeffizienzklasse in Frankreich, das ist G+ - eine Klasse, die es hierzulande nicht gibt. Diese Klasse haben Wohnungen, deren Energieverbrauch über 450 kWh pro Quadratmeter pro Jahr liegt. In Deutschland ist die schlechteste Energieeffizienzklasse G, die gilt bei Häusern mit einem Energieverbrauch von über 250 kWh/m2 im Jahr. Die besten Energieklassen A, B und C haben alle einen Energieverbrauch unter 100 kWh/m2.
Schrittweise soll das Verbot in Frankreich ausgeweitet werden. Ab 2025 dürfen Gebäude der Klasse G (> 420 kWh/m2) nicht vermietet werden, ab 2028 dann Gebäude der Klasse F (>330 kWh/m2). Im bisher letzten Schritt wird dann die Vermietung von Gebäuden der Energieklasse E (> 230 kWh/m2) ab 2034 untersagt.
Betroffen sind laut den Berechnungen der nationalen Behörde für energetische Sanierungen ( l‘Observatoire national de la rénovation énergétique, ONRE) ab 2023 rund 140.000 Wohnungen im Privatbesitz und 51.000 Sozialwohnungen. Ab 2025 kämen dann weitere 621.000 Wohnungen hinzu, ab 2028 sind dann über 1,2 Millionen Mietwohnungen nur nach einer Sanierung vermietbar.
Vom Verbot betroffen sind nur neue Mietverträge. Heißt: Wer vor 2023 in einem dieser „Wärmesiebe“ zur Miete gewohnt hat, darf das weiterhin tun. Der Vermietende darf die Miete aber nicht mehr erhöhen – das trifft in Frankreich auch schon jetzt für Gebäude der Klasse F zu. Bei Auszug der alten Mieter muss der Eigentümer oder die Eigentümerin sanieren, bevor ein neuer Mietvertrag zustande kommen kann.
Gesetz verschlechtert die Immobilienkrise weiter
Die Regierung schreibt auf ihrer Webseite zum Thema, dass das Gesetz drei Ziele verfolgt:
- Mietende sollen vor hohen Energiekosten geschützt werden
- Immobilienbesitzende sollen ihr Eigentum energetisch sanieren
- Emissionen im Gebäudebereich sollen reduziert werden
Eine weitere Folge des Gesetzes ist jedoch: Es verschärft den Wohnraummangel. In französischen Medien wird zunehmend von einer „Immobilienkrise“ gesprochen: hohe Klima-Anforderungen, hohe Baupreise, hohe Zinsen und die damit einhergehend niedrige Kaufkraft der Franzosen und Französinnen führen wie auch in Deutschland zu einem sehr angespannten Wohnungsmarkt.
Regierung will den Verkauf künftig einschränken
Über eine weitere Folge berichtet die französische Zeitung Les Echos. Viele Eigentümer und Eigentümerinnen versuchen nämlich jetzt, ihre schlecht sanierten Gebäude zu verkaufen, anstatt sie zu sanieren. Dagegen könnte die Regierung nun vorgehen und könnte den Verkauf der „Wärmesiebe“ gesetzlich einschränken. Das schreibt das Portal Le Moniteur Immo und bezieht sich dabei auf „eine gut informierte Quelle“.
So soll der Verkauf von energetisch schlecht sanierten Gebäuden nur dann möglich sein, wenn Sanierungsmaßnahmen realisiert werden. Diese Maßnahmen sollen auch bei der zuständigen Behörde gemeldet sein. Dem Portal zufolge soll darüber im Herbst im Parlament debattiert werden.
Übrigens: Eigentümer und Eigentümerinnen in Frankreich müssen die Kosten für Sanierungsmaßnahmen nicht alleine tragen. Es gibt verschiedene Förderungen, je nachdem, wie viel Einkommen man hat und wie umfangreich die Modernisierung ausfallen soll. Eigentümer und Eigentümerinnen, die gleich mehrere Effizienzklassen nach oben rutschen - zum Beispiel von G auf E - erhalten mehr Unterstützung als die, die weniger machen.
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