VonAmy Walkerschließen
Der Schock durch die Zinswende auf dem Immobilienmarkt ist vorüber. Die Preise stabilisieren sich wieder – für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen steigen sie sogar.
Kiel – Vielleicht war es doch nur eine kleine Pause auf dem Weg der immer weiter steigenden Immobilienpreise. Denn nachdem die Preise für Immobilien vor einem Jahr förmlich einbrachen, geht es nun wieder aufwärts. Das zeigen neue Daten des German Real Estate Index (GREIX), die am Donnerstag (3. August) veröffentlicht wurden.
Verglichen mit dem ersten Quartal des Jahres gehen die Verkaufspreise für Eigentumswohnungen um nur noch 0,3 Prozent zurück. Für Einfamilienhäuser steigen sie sogar wieder um 2,3 Prozent, für Mehrfamilienhäuser um 1,8 Prozent. Auch inflationsbereinigt steigen die Preise: Bei Einfamilienhäusern um 1,1 Prozent, bei Mehrfamilienhäusern um 0,5 Prozent und bei Eigentumswohnungen liegt der Rückgang bei -1,5 Prozent.
Sinkende Immobilienpreise: Gutes Signal für die Wirtschaft
Angesichts der schwächelnden Konjunktur ist das durchaus ein positives Zeichen. „Der deutsche Immobilienmarkt zeigt sich im zweiten Quartal durchaus robust. Die Erwartung, dass die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank allmählich zum Ende kommen, hat dem Immobilienmarkt nach den deutlichen Preiskorrekturen der letzten Monate ganz offenbar gutgetan“, sagt Moritz Schularick, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, das die Daten des GREIX in einem gemeinsamen Projekt mit ECONtribute erstellt.
Ob diese Wende auf dem Markt bleiben wird, könne aber noch nicht bestätigt werden. „Ob bereits eine Trendwende hin zu wieder steigenden Preisen eingeläutet ist, bleibt abzuwarten“, sagt Schularick weiter. „Nach einem historisch so ungewöhnlich starken und schnellen Preisverfall, wie wir ihn gesehen haben, ist eine Phase der Gegenbewegung durchaus normal, der abermalige Preisrückgänge folgen könnten“. Der Immobilienmarkt ist also alles andere als stabil.
Sollen Interessenten jetzt kaufen oder weiter abwarten?
Die wichtigste Frage für potenzielle Käufer und Käuferinnen wird nun sein: Zuschlagen oder weiter abwarten? Ein Indiz dafür, dass die Preise in Zukunft wieder steigen werden, liegt in der weiter hohen Nachfrage. Durch die hohen Baupreise werden immer weniger neue Wohnungen und Häuser gebaut. 2022 wurden 295.300 fertiggestellt, wie das Statistische Bundesamt mitgeteilt hat. Für 2023 werden noch weniger Neubauten prognostiziert.
Das Angebot steigt also nur unwesentlich an, die Nachfrage nach Wohnraum ist aber historisch hoch – vor allem in Großstädten und deren Umland. Dort steigen auch die Mieten ungebrochen weiter.
Dennoch könnte es auch sein, dass die Preise wieder sinken, wenn sich die allgemeine Wirtschaftslage nicht bessert – und wenn die Zinsen wider Erwarten doch nochmal erhöht werden. Während es die letzten 20 Jahre lang quasi nichts gekostet hat, einen Kredit aufzunehmen, werden jetzt Zinsen von bis zu 4 Prozent auf den Hauskauf verhängt. Die GREIX Daten legen nahe, dass sich viele Interessenten an diese Situation mittlerweile gewöhnt haben. Sollten die Zinsen aber noch höher werden, könnte erneut eine Zögerlichkeit einsetzen.
„Der Zeitpunkt, um zu kaufen, ist jetzt“
Auf die Frage, ob Interessenten jetzt kaufen sollten oder nicht, antwortet Steffen Sebastian, Professor für Immobilienfinanzierung an der Uni Regensburg, in der Süddeutschen Zeitung: „Der richtige Zeitpunkt, um zu kaufen, ist in der Regel jetzt“. Trends am Immobilienmarkt versuchen abzuschätzen, lohne sich nicht und sei sowieso „ein Ding der Unmöglichkeit“. Wer kaufen kann und kaufen will, sollte also nicht mehr lange warten.
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