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Galeria meldet erneut Insolvenz an – mehr als 15.000 Jobs in Gefahr

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Die Warenhauskette Galeria hat am Dienstag (9. Januar) einen Insolvenzantrag gestellt. Wie es nun für die über 15.000 Beschäftigten weitergeht, ist unklar.

Essen – Lange wurde es befürchtet, nun steht es fest. Zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre hat die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof ein Insolvenzverfahren angemeldet. Einen entsprechenden Antrag hat das Unternehmen am Dienstag (9. Januar) beim Amtsgericht in Essen eingereicht. Nachdem der Mutterkonzern Signa in finanzielle Schieflage geraten war, suchen die Verantwortlichen jetzt nach einem neuen Eigentümer. Was mit den gut 90 Warenhäusern und mehr als 15.000 Beschäftigen passiert, ist unklar.

Galeria-Chef spricht angesichts des Insolvenzantrags von einem „Befreiungsschlag“

Galeria-Chef Olivier van den Bossche bezeichnete den Insolvenzantrag in einer Mitteilung als „Befreiungsschlag“. Demnach werde Galerias operativer Erfolg durch die Rahmenbedingungen der alten Eigentümerstruktur belastet. „Die Insolvenzen der Signa-Gruppe schädigen Galeria massiv, behindern das laufende Geschäft und schränken durch hohe Mieten und teure Dienstleistungen die künftige Entwicklungsmöglichkeit stark ein“, so van den Bossche.

Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof hat am Dienstag (9. Januar) einen Insolvenzantrag gestellt. (Symbolbild)

„Absolut bitter“ für die Beschäftigten: Ver.di blickt weniger positiv auf Galeria-Insolvenz

Weniger positiv blickt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) auf die erneute Insolvenz von Galeria. „Für die Beschäftigten ist das absolut bitter. Seit Jahren haben sie auf Teile ihres Lohns verzichtet, um Arbeitsplätze zu retten, und Galeria Karstadt Kaufhof hatte sich als Unternehmen in den letzten Monaten neu aufgestellt“, wird Silke Zimmer, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, in einer Mitteilung zitiert. Die Mitarbeiter seien das Gesicht des Warenhauses.

„Was es jetzt aber braucht, das ist ein Investor, der an die Stelle von Signa tritt“, so Zimmer. Wünschenswert wäre demnach ein strategischer Investor mit Handelskompetenz, der es Galeria ermöglicht, als Ganzes erhalten zu bleiben. Ähnlich äußerste sich kürzlich bereits der Betriebsrat, Galeria sei mit einem passenden Investor durchaus zukunftsfähig, hieß es. Wenn kein solcher Investor gefunden würde, könnte es nach Ansicht des Einzelhandelsexperten Peter Kenning das endgültige Aus von Galeria bedeuten, wie der BWL-Professor vor einigen Wochen im Gespräch mit 24RHEIN sagte.

Dritte Insolvenz innerhalb von vier Jahren für Galeria

Für Galeria ist es bereits die dritte Insolvenz in weniger als vier Jahren. Dem vorausgegangen war ein finanzielles Straucheln des Mutterkonzerns Signa. Mehrere Unternehmen aus der Handels- und Immobiliengruppe des österreichischen Unternehmers René Benko hatten in den vergangenen Wochen Insolvenz angemeldet – darunter auch die Signa Retail Selection AG, zu der Galeria gehört. Ende November hatte die Gruppe angekündigt, ihr Geschäft ordentlich abzuwickeln, was einen Verkauf von Galeria bedeutet.

Erst Ende 2022 hatte Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Im März 2023 stimmte die Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan zu. Für die Sanierung hatte Signa 200 Millionen Euro zugesagt, die in mehreren Tranchen bis 2025 fließen sollen, die ersten 50 Millionen dem Vernehmen nach im Februar. Ob Galeria nun noch mit der Zahlung rechnen kann, ist unklar. Der Insolvenzverwalter der Signa Holding wollte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) nicht äußern.

Galeria reicht Insolvenzantrag ein – was bedeutet das für die über 15.000 Beschäftigten?

Was die neue Insolvenzanmeldung für die 92 Warenhäuser und mehr als 15.000 Beschäftigten von Galeria bedeutet, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Schon nach der vergangenen Insolvenz hatten etwa 40 Filialen des Warenhauskonzerns schließen müssen – davon auch viele aus NRW. Die letzten 18 davon machen im Laufe des Januars 2024 dicht. Während des letzten Insolvenzverfahrens hatte die Bundesagentur für Arbeit den Galeria-Beschäftigten drei Monate lang Insolvenzgeld bezahlt. Dabei erhalten Empfänger im Regelfall für einen begrenzten Zeitraum Zahlungen in Höhe des Nettoverdienstes.

Galeria-Geschäftsführung bleibt trotz Insolvenz im Amt

In den beiden zurückliegenden Insolvenzverfahren hatten die Gläubiger von Galeria auf Milliardenforderungen verzichtet, um der Warenhauskette einen Weg aus der Krise zu ebnen. Auch aus dem Bundeshaushalt floss eine Menge Geld: 2021 und 2022 hatte der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) dem Unternehmen mit insgesamt 680 Millionen Euro unter die Arme gegriffen. Laut dem Insolvenzplan vom Frühjahr 2023 sollte der WSF nur einen kleinen Teil aus der Verwertung des Warenbestands zurückerhalten.

Die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH hat dieses Mal ein Regelinsolvenzverfahren beantragt. Dabei wird vom Gericht ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Die Geschäftsführung bleibt zwar im Amt, aber alle Geschäfte bedürfen der Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters. Dieser erstellt ein Gutachten, ob die Insolvenzantragsgründe gegeben und die Kosten des Verfahrens gedeckt sind. Ist das der Fall, wird das Verfahren eröffnet. (mg, mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago

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