Umsätze rückläufig

Gastronomen tiefer in der Krise: Ernüchternde Bilanz vorgestellt

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Die Umsätze der deutschen Gastronomie brechen zum sechsten Mal in Folge ein. Auswärts essen ist teuer geworden und die Menschen meiden Restaurants zunehmend. Das Gastronomiesterben dauert an.

Wiesbaden – Um ganze 3,7 Prozent sind die Umsätze im deutschen Gastgewerbe noch einmal zu einem bereits schwachen Vorjahr gesunken, teilte das Statistische Bundesamt mit. Durch Preiserhöhungen konnten zwar die Umsätze nominal fast stabil gehalten werden – sie lagen nur 0,1 Prozent unter dem Vorjahr – real bedeutet das aber einen Rückgang um 4,1 Prozent für die Gastronomie und 2,6 Prozent für das Hotelgewerbe, wenn man die Inflation berücksichtigt. Wie Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), erklärte, zeichnet sich damit das sechste Verlustjahr in Folge ab.

Gastronomie verliert Kunden

Gastronomie – Preissteigerungen führen zu Konsumzurückhaltung

Die Analyse der Gastroexperten ist eindeutig – die Menschen gehen weniger essen – es wird ihnen einfach zu teuer. Die gestiegenen Preise in der Gastronomie wirken sich aus und das Gastgewerbe verliert Kunden. Wie Zöllick erklärte, nimmt nicht nur die Frequenz der Gastrobesuche ab, auch würden die Gäste günstigere Gerichte wählen oder auf Extras wie Vorspeisen oder mehrere Getränke verzichten. Die höheren Gastropreise sind laut Zöllick unvermeidlich, da seit 2022 die Personalkosten um ein Drittel gestiegen sind, genauso wie die Preise für alkoholfreie Getränke.

Zusätzlich belastet das Gastgewerbe die seit Januar 2024 wieder auf 19 Prozent gestiegene Mehrwertsteuer auf Speisen, die die Preise weiter getrieben hat. Die gestiegenen Kosten würden insbesondere kleine und mittlere Familienbetriebe belasten. Er bezeichnet die Lage der Branche als angespannt, mit gedämpften Erwartungen für das zweite Halbjahr 2025. Hier soll allerdings ab nächstem Jahr wieder Erleichterung kommen, denn die Bundesregierung plant, den Mehrwertsteuersatz für Speisen ab 2026 wieder auf sieben Prozent zurückzudrehen.

Steuersenkung soll das „Gastrosterben“ aufhalten

Für Zöllick ist die geplante Steuersenkung existenziell für viele Betriebe, denn die Rückkehr auf sieben Prozent Mehrwertsteuer verschafft seiner Meinung den Gastronomen die nötige Luft, um betriebswirtschaftlich wieder sinnvoll zu arbeiten. Ohne diese Maßnahme befürchtet er ein weiteres Sterben der gastronomischen Vielfalt und damit auch einen Verlust an Lebensqualität. Auch Thüringens Dehoga-Chef Dirk Ellinger meint, dass die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen den Unternehmen der Branche wieder neue Luft verschafft, um die steigenden Energie-, Waren- und Personalkosten verkraften zu können.

Das Gastrosterben hat jetzt schon eine lange Geschichte in Deutschland. Vornehmlich betrifft es gastronomische Einrichtungen auf dem Land. So ist in Brandenburg innerhalb von acht Jahren die Zahl von Restaurants mit Bedienungsservice von etwa 2.200 auf 1.800 gesunken, jede fünfte Gaststätte hat also aufgegeben. Auch in Bayern ist das Gastrosterben auf dem Land dramatisch. Wie Thomas Förster, Vizepräsident vom DEHOGA Bayern, mitteilte, sind in den letzten zehn Jahren zwischen 35 und 40 Prozent der Gastronomiebetriebe auf dem Land verschwunden.

Während auf dem Land die Gastronomiebetriebe meist dauerhaft geschlossen bleiben, ziehen in den Innenstädten nach einer Geschäftsaufgabe oft neue Betreiber ein. Doch auch sie spüren, dass die Gäste weniger häufig kommen als noch in den Vor-Corona-Jahren.

Gäste werden von der niedrigeren Mehrwertsteuer in der Gastronomie wohl nicht profitieren

Die Kostenersparnis durch die reduzierte Mehrwertsteuer wird wohl aber nicht bei den Gastrokunden ankommen, sagte der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für Darmstadt und Mainz, Guido Noll, gegenüber der Zeit. Mit preiswerteren Speisen sei deshalb auch nicht zu rechnen. Die NGG, die die Interessen der Beschäftigten im Gastrogewerbe vertritt, geht auch nicht davon aus, dass die Beschäftigten der Branche davon profitieren werden. Er empfiehlt Gästen ab kommenden Jahr ganz gezielt nachzufragen, wo die Ersparnis von zwölf Prozent geblieben ist.

Generell spricht sich die NGG auch gegen eine dauerhafte Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen aus – da er weder positive Effekte für Beschäftigte noch Gäste erwartet. Laut NGG braucht es vielmehr eine stärkere Tarifbindung, angemessene Löhne und auch bessere Arbeitsbedingungen, da in der Gastronomie über die Hälfte der im Niedriglohnsektor Beschäftigten arbeitet. Die Gewerkschaft sieht nur darin einen echten Weg zur Verbesserung.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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