Gäste werden wohl nicht profitieren

Klingbeil kündigt Mehrwertsteuer-Senkung an – Gastronomie dämpft Erwartungen

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Die Steuersenkung für die Gastronomie bleibt wohl ohne Effekt für die Gäste: Die Dehoga sieht kaum Spielraum für günstigere Speisen und Getränke.

Berlin/München – Mit der Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie, die im Entwurf des Bundeshaushalts 2026 angekündigt wurde, regt sich auch die Hoffnung auf in Zukunft erschwinglichere Restaurant- und Barbesuche. Doch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband dämpft die Erwartungen: Die reduzierte Mehrwertsteuer lässt die Gastronomie-Preise wohl nicht sinken, sie verhindere zwar Wirtshaussterben – führe aber nicht automatisch zu einer Preisbremse bei Schnitzel und Co.

Die angekündigte Steuersenkung für die Gastronomie wird wohl nicht bei den Gästen ankommen: Speisen und Getränke würden nicht günstiger werden, kündigte die Dehoga an.

Steuersenkung: Klingbeil fordert Weitergabe an Gäste – „werde sehr genau darauf achten“

Wie bereits im Koalitionsvertrag festgehalten, wird die Bundesregierung unter Finanzminister Klingbeil mit dem neuen Haushaltsplan die Mehrwertsteuer für Gastronomen ab kommenden Jahr deutlich senken. So soll die Umsatzsteuer für Speisen in der Branche zum 1. Januar 2026 von derzeit 19 Prozent auf sieben Prozent reduziert werden. Dann gilt für Essen in Gaststätten der gleiche Steuersatz wie für Lebensmittel, die im Handel gekauft und zu Hause zubereitet werden.

Doch der Appell des Vizekanzlers Lars Klingbeil (SPD) an die Wirte, die eingeplanten Erleichterungen bei der Mehrwertsteuer an die Gäste weiterzugeben, wird wohl verhallen. Klingbeil hatte am Mittwoch (30. Juli) angekündigt, er werde „sehr genau darauf achten“, dass die Steuersenkung in Form von günstigeren Preisen „bei den Kunden ankommen“. Dies sei zwar „keine Drohung“ an die Gastronomiebranche, aber „eine klare Erwartung“.

Ob und in welchem Umfang Preissenkungen möglich sind, hängt maßgeblich von der Kostenentwicklung ab, insbesondere für Wareneinsatz und Personal.

Ingrid Hartges, Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes

Günstigere Gastronomie durch Mehrwertsteuersenkung: Verband dämpft Hoffnung

Nun gab die Dehoga zu Verstehen, dass mit der Steuersenkung im kommenden Jahr keineswegs automatisch der Besuch in Café, Restaurant oder Kneipe für Gäste günstiger werden wird. Der Trend der seit 2020 explodierenden Preise in der Gastronomie dürfte sich also nicht mehr umkehren: In den vergangenen fünf Jahren haben Wirte die Preise um rund ein Drittel erhöht: 34,1 Prozent teurer ist laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes eine Hauptspeise geworden, in Fastfood-Lokalen wurden sogar 36,56 Prozent draufgeschlagen.

Mehrwertsteuersenkung für Gastronomie: Dehoga-Chefin dämpft Klingbeil-Erwartungen

Es sei zu begrüßen, dass die Politik Wort hält und die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie komme, so Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga-Bundesverbandes am Donnerstag (31. Juli) gegenüber IPPEN.MEDIA, das schaffe Vertrauen: „Bundesminister Lars Klingbeil kann davon ausgehen, dass zum Jahreswechsel vorhandene Spielräume genutzt werden, um zu investieren und attraktive Angebote für die Gäste zu gestalten“. Darüber entscheiden würde jedoch jeder Gastronom selbst.

7 statt 19 Prozent: Was bei Gästen ankommt, „hängt maßgeblich von der Kostenentwicklung ab“

Hartges weiter: „Ob und in welchem Umfang jetzt Preissenkungen möglich sind, hängt maßgeblich von der Kostenentwicklung ab, insbesondere für Wareneinsatz und Personal“. Sie verweist auch auf die Mindestlohnerhöhung zum 1. Januar 2026 sowie die Konkurrenz: „Restaurants und Wirtshäuser stehen im harten Wettbewerb zu anderen Essensangeboten, für die seit jeher 7 Prozent Mehrwertsteuer gelten wie etwa für Essen zur Mitnahme oder die Lieferung von Essen.“

Gastronomieverband stellt klar: Mehrwertsteuersenkung nur Hilfe „dass die Preise nicht weiter steigen“

Auch der Geschäftsführer der Dehoga Bayern Thomas Geppert, stellte im Gespräch auf die Frage, ob die „neue“ Mehrwertsteuer für die Gäste zu günstigerem Essen führe, klar: „Die 7 Prozent sind in erster Linie dank regionaler Wertschöpfungsketten ein Booster für den kleinteiligen Mittelstand“ und „helfen, dass die Preise nicht weiter steigen“. Steigende Lebensmittel-, Personal- und Energiekosten würden jeden Euro auffressen, die reduzierte Steuer sei „kein Geschenk, sondern eine dringend nötige Maßnahme – damit das Dorfwirtshaus nicht schließt, sondern bleibt“.

Rubriklistenbild: © Imago/Wolfgang Maria Weber

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