„50 Stunden am Stück“

Nächster Bahn-Streik kommt: Frust bei der GDL geht durch die Decke

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Die Gewerkschaft der Lokomotivführer droht der Deutschen Bahn vor Weihnachten mit einem Streik. Ein GDL-Vertreter schildert vom Frust seiner Kollegen.

München - Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will im Dezember wieder streiken, und zwar noch vor Weihnachten. So viel ist bekannt. Wann der Streik jedoch konkret angesetzt wird, ist bislang nicht durchgesickert.

Drohender Bahn-Streik: GDL-Vertreter erzählt von Frust der Lokführer

Beim vergangenen Warnstreik am 15. und 16. November vergingen zwischen Ankündigung des Streiks und der Arbeitsniederlegung nur wenige Tage. Sollte sich der Tarifkonflikt bis in den Dezember ziehen, hat die Deutsche Bahn bereits einen Notfallfahrplan für die Zeit um Weihnachten erstellt.

Während viele Bahnreisende gebannt den Feiertagen und ihren auserwählten Zug-Verbindungen zur Familie entgegenblicken, hat ein GDL-Gewerkschafter jetzt eindrücklich vom Frust seiner Kolleginnen und Kollegen erzählt. Und damit Gründe benannt, warum die Bahner so hartnäckig streiken.

Im Streikmodus: Bayerns GDL-Bezirksvorstand Uwe Böhm.

„Im Schichtdienst will ja kaum noch jemand anfangen, und wir haben große Personalprobleme. Das wird immer mehr und ist inzwischen so heftig, dass die Deutsche Bahn ein Rekrutierungsbüro in Ägypten aufmacht, um Lokführer zu kriegen“, erklärte der bayerische GDL-Bezirksvorsitzende Uwe Böhm der Abendzeitung: Böhm zog einen Vergleich zur IG Metall. Diese habe „heute schon viel höhere Löhne, arbeitet nicht in dieser Art von Schichtdienst wie wir und will in ihrer Tarifrunde jetzt von der 35-Stunden-Woche zur 32-Stunden-Woche runter“, erzählte der Münchner, der Mitglied im GDL-Hauptvorstand ist.

GDL-Streik in Deutschland: Gewerkschaft reicht Angebot der Deutschen Bahn nicht

Zwischen zwei Schichten seiner Kollegen würden manchmal nur neun Stunden liegen, erzählte der Gewerkschafter weiter: „Das reicht gerade so, um nach Hause zu fahren, etwas zu essen, zu duschen, zu schlafen und den Kindern mal kurz über den Kopf zu streicheln. Manchmal arbeiten wir so über 50 Stunden am Stück. Zum Jahresende kommen schnell mal 100 Überstunden zusammen. Und wer Weihnachten Urlaub will, muss an Silvester arbeiten oder umgekehrt.“

Die Gewerkschaft fordert 555 Euro mehr Lohn für die Lokführer pro Monat sowie eine einmalige Prämie zum Inflationsausgleich in Höhe von 3000 Euro – abzüglich eines bereits gezahlten Teils dieser steuer- und abgabenfreien Zahlung. Wie der DB-Konzern mitteilte, bot die Bahn der Gewerkschaft am 9. November eine elfprozentige Entgelterhöhung bei einer Laufzeit von 32 Monaten an – was der GDL aber nicht reichte. Dass die GDL die Arbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich absenken will, passt wiederum der Bahn nicht.

Zug fällt heute aus: Das könnte es rund um Weihnachten wegen eines GDL-Streiks nicht nur am Hauptbahnhof München heißen. (Symbolfoto)

Drohender Bahn-Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer: Eisenbahner fordern mehr Lohn

Zur Einordnung: Laut dem aktuell gültigen Bundesrahmentarifvertrag verdienen Lokführer in Deutschland zwischen 2700 und 3800 Euro brutto im Monat. Ausgegangen von Steuerklasse 4, sind das zwischen 1800 und 2400 Euro netto - bei Schicht- und Wochenendarbeit. Bislang konnten beide Parteien keine Einigung erzielen. Bis zum 19. Dezember nun soll das Ergebnis einer Urabstimmung der GDL über unbefristete Streiks vorliegen.

„Dann gehen wir in den sogenannten Weihnachtsfrieden, das heißt, wir streiken zu Weihnachten und auch an den Feiertagen nicht. Das hat Claus Weselsky immer wieder betont“, erklärte Böhm der Abendzeitung: „Ab Januar nächsten Jahres ist dann wieder alles möglich. Ob das dann unbefristet ist, steht noch nicht fest, das muss ja nicht sein. Es können zum Beispiel auch mehrere längere Streiks sein.“ (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Wire

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