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Hannes Niemeyer
Lisa Mayerhofer
Amy Walker
Mark Stoffers
Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) hat nach den gescheiterten Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn einen weiteren Warnstreik angekündigt – er startet ab Donnerstagabend.
- Tarifverhandlungen gescheitert: Lokführergewerkschaft GDL bricht Gespräche mit der Bahn ab
- Warnstreik von der GDL angekündigt – er startet am Donnerstagabend
- Streik ab Donnerstagabend: GDL legt Bahn-Verkehr für 24 Stunden lahm
Update vom 6. Dezember, 22.36 Uhr: Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, will nach dem bundesweiten Warnstreik von Donnerstagabend bis Freitagabend den Fahrgästen eine längere Pause bis ins neue Jahr hinein einräumen. „Wir werden jetzt diese Streikaktion am Donnerstag und Freitag durchführen, und es ist für dieses Jahr die letzte“, sagte Weselsky am Mittwochabend bei MDR-aktuell. „Anschließend kommt die Urabstimmung und die Auszählung am 19. Dezember. Und es wird keine Arbeitskampfaktionen mehr geben, auch in der ersten Januarwoche nicht.“ Bis zum 7. Januar sei daher kein weiterer Warnstreik zu befürchten.
Update vom 6. Dezember, 21.51 Uhr: „Was wir kritisieren, ist die Kurzfristigkeit“: Angesichts der Warnstreikankündigung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mahnt der Fahrgastverband Pro Bahn ausreichend Vorbereitungszeit für Pendler und Reisende an. „Wir möchten, dass zwei Tage vorher bekannt gegeben wird, wann gestreikt wird, damit sich der Fahrgast darauf einstellen kann“, sagte Bundesvorsitzender Detlef Neuß am Mittwochabend. In diesem Fall handelt es sich lediglich um einen Tag.
„Da wünschen wir eine längere Vorlaufzeit, damit Homeoffice mit dem Arbeitgeber vereinbart oder eine Fahrgemeinschaft gebildet werden kann“, sagte der Chef des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Außerdem seien freitags viele Reisende unterwegs, die über das Wochenende in den Urlaub oder nach Hause fahren. Die Auswirkungen des Warnstreiks, der von der GDL bis zum Freitagabend, 22 Uhr, geplant ist, würden sich wahrscheinlich auch noch in den Samstag hineinziehen. Neuß betonte zugleich: „Wir stellen das Streikrecht nicht in Frage.“
Ticket-Rechte, Regionen, Entschädigung: Fragen und Antworten zum Bahn-Streik
Update vom 6. Dezember, 19.48 Uhr: Bahn-Chaos droht ab Donnerstagabend in Deutschland. Die GDL ruft zum Warnstreik auf, sowohl der Regional-, als auch der Fernverkehr werden massiv betroffen sein. Aber welche Regionen werden besonders betroffen sein? Und was passiert mit den bereits gekauften Tickets? Fragen und Antworten zum Bahn-Streik ab Donnerstagabend.
Update vom 6. Dezember. 18.52 Uhr: Der Warnstreik soll laut Gewerkschaftsaufruf erneut alle Verkehrsarten treffen. Sowohl im Fern-, im Regional- als auch im Güterverkehr ist mit weitreichenden Einschränkungen zu rechnen. Ob der Fernverkehr dieses Mal komplett eingestellt wird, war zunächst noch offen. Im Fernverkehr war während des vorherigen GDL-Warnstreiks etwa jeder fünfte ICE und IC unterwegs. Im Regionalverkehr waren die Auswirkungen je nach Region sehr unterschiedlich.
Bahn-Streik trifft auch S-Bahn-Verkehr – auch München droht erneutes Chaos
Erfahrungsgemäß sind insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern sowie im Südwesten viele Beschäftigte bei der GDL organisiert. Dort dürfte daher im Regionalverkehr vielerorts nichts mehr gehen. Auch in Stuttgart und Frankfurt hat die GDL viele Mitglieder. In beiden Städten wird es voraussichtlich den S-Bahnverkehr stark treffen. Im Nordwesten des Landes ist die Gewerkschaft hingegen schwächer vertreten. Hier könnte es insbesondere den Regionalverkehr deshalb weniger stark treffen. Auch dem zuletzt im Verkehr bereits vom Schneechaos gebeutelten München droht ein erneuter S-Bahn-Stillstand.
Update vom 6. Dezember, 18.20 Uhr: Mit dem erneuten Warnstreik-Aufruf ignoriert die GDL augenscheinlich den Aufruf des Beamtenbundes (dbb), sich hinsichtlich der Verhandlungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder abzustimmen. „Es wäre ein Unding, wenn unsere Aktionen durch Streiks der eigenen Mitgliedsorganisation torpediert würden“, sagte Ulrich Silberbach, Vorsitzender des Deutschen Beamtenbunds (dbb), kürzlich der Stuttgarter Zeitung. Die Verhandlungen für den öffentlichen Dienst sind für Donnerstag und Freitag in Potsdam angesetzt. Die GDL ist Mitglied des dbb.
Warn-Streik nach Schneechaos! GDL legt ab Donnerstagabend Bahnverkehr lahm
Update vom 6. Dezember, 17.44 Uhr: Streik mitten in der Vorweihnachtszeit! Die Lokführergewerkschaft GDL will ab Donnerstagabend einen erneuten Streik starten. Dieser solle dann bis Freitagabend dauern. Betroffen sollen sowohl der Personen-, als auch der Güterverkehr sein. Der Güterverkehr soll demnach ab 18 Uhr am Donnerstag mit dem Streik starten, der Personenverkehr ab 22 Uhr folgen. Der Streik soll bis zum Folgetag, 22 Uhr andauern.
Zum Streik aufgerufen sind sämtliche Arbeitnehmer unter anderem in den Bereichen Fernverkehr und Regionalverkehr, ebenso die Mitarbeiter der S-Bahnen in Berlin und Hamburg, wie die GDL am Mittwochabend mitteilte. Im Güterverkehr soll der Streik laut Mitteilung bereits um 18.00 Uhr am Donnerstagabend beginnen.
Die Gewerkschaft will so unter anderem der Forderung nach einer Arbeitszeitsenkung für Schichtarbeiter Nachdruck verleihen. GDL-Chef Claus Weselsky hatte die Tarifverhandlungen am 24. November für gescheitert erklärt, weil die Bahn unter anderem bei diesem Punkt bislang keinen Verhandlungsspielraum signalisierte.
Zuletzt streikte die GDL bei der Bahn am 15. und 16. November. Bei dieser 20-stündigen Arbeitsniederlegung fielen gut 80 Prozent der eigentlich vorgesehenen Fernverkehrsfahrten aus. Im Regionalverkehr waren die Auswirkungen in manchen Bundesländern noch deutlicher, in einigen Regionen fuhr zeitweise quasi kein Zug und kaum eine S-Bahn.
Update vom 6. Dezember, 16.35 Uhr: Die Lokführergewerkschaft GDL will in der laufenden Tarifrunde nun den Regionalbahn-Betreiber Transdev ein weiteres Mal bestreiken. Die GDL erklärte am Mittwoch die Verhandlungen für gescheitert und kündigte einen Arbeitskampf bei den gerade für Pendler wichtigen Nahverkehrszügen an. „Die GDL wird ihre Warnstreiks nun ausweiten und die laufende Urabstimmung fortsetzen.“ Von den kommenden Streiks betroffen seien die NordwestBahn, Transdev Hannover, Transdev Mitteldeutschland, Transdev Regio Ost, Transdev Rhein-Ruhr sowie die Trans Regio Deutsche Regionalbahn. Die Transdev-Gruppe, die jährlich über 200 Millionen Passagiere befördert, wurde bereits im November bestreikt. Transdev habe zwar angeboten über eine Arbeitszeitverkürzung zu sprechen, letztlich seien die neuen Angebote aber unzureichend gewesen, erklärte die GDL.
Während die Deutsche Bahn im Fernverkehr mit IC und ICE nahezu ein Monopol hat, werden rund ein Drittel der Nahverkehrszüge von Wettbewerbern wie Transdev gefahren.
Update vom 4. Dezember, 14.30 Uhr: Nachdem viele Bahnfahrten am Wochenende durch das Schneechaos stark beeinträchtigt wurden, droht den Reisenden schon das nächste Ungemach: Die Lokführergewerkschaft GDL hat im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn einen Warnstreik angekündigt, doch noch ist völlig offen, wann dieser stattfinden wird. In einem Interview mit Radio Eins sagte GDL-Chef Claus Weselsky nach mehrmaligen Nachfragen zum kommenden Warnstreik: „Das wird zeitnah erfolgen, wir werden aber darüber rechtzeitig über die Medien informieren und den Warnstreik ankündigen.“
Auf einen genauen Zeitpunkt festlegen wollte er sich nicht. Auch der Frage, inwiefern das Schneechaos in das Hinauszögern der Ankündigung des Warnstreiks hineinspiele, wich er aus. Immerhin schloss Weselsky aber weiter einen Streik an Weihnachten aus.
Drohender Bahn-Streik der GDL an Weihnachten: Gewerkschaftschef Weselsky äußert sich zu Termin
Update vom 3. Dezember, 12.31 Uhr: In einem Interview mit den Nürnberger Nachrichten äußert sich der Gewerkschaftsvorsitzende Claus Weselsky zum drohenden Bahn-Streik der GDL. Dabei schloss der Gewerkschaftschef einen Streik bei der Deutschen Bahn an Weihnachten aus.
Auf die Frage, ob die die Deutschen fürchten müssten, dass sie an Weihnachten nicht zu ihren Verwandten fahren könnten, weil die GDL-Gewerkschaft der Lokführer einen Bahn-Streik durchführt, äußerte Weselsky sich bei den Nürnberger Nachrichten wie folgt. „Ich habe klipp und klar gesagt: Die GDL hat noch nie an Weihnachten gestreikt, sie wird es auch dieses Jahr nicht machen.“
Dennoch schloss der GDL-Vorsitzende einen Bahn-Streik vor oder nach den Weihnachtsfeiertagen nicht kategorische aus und verwies auf das Ergebnis der Urabstimmung der GDL zu einem möglichen Bahn-Streik, welches am 19. verkündet werden soll. „Jetzt gingen die Briefe raus, bis 16. kommen sie zurück. Und am 19. Dezember informieren wir über das Ergebnis – und was in der Weihnachtszeit passiert“, erklärte Weselsky im Interview weiter.
Bahn-Streik der GDL: Weselsky äußert sich zu einem „festen Datum“ und „Treibjagd“
Auf die Frage der Nürnberger Nachrichten, ob die Zusage steht, dass es keine Streiks gebe, sagte Weselsky: „Ja, die steht“, erklärte der GDL-Gewerkschaftsvorsitzende und betonte in Bezug auf einen drohenden Bahn-Streik im Dezember allerdings: „Die Frage ist, was man unter Weihnachten versteht“, sagt der GDL-Chef kryptisch.
„Manche sagen: Es fängt konkret erst am 24. an. Und wir werden da auch erst am 19. konkreter. Wenn ich jetzt ein festes Datum herausgebe, beginnt die Treibjagd auf mich“, so Weselsky weiter. „Manche hätten es am liebsten, wenn gelten würde: Ab 1. Dezember ist schon Weihnachten, aber da lasse ich mich nicht darauf ein.“
Möglicher Bahn-Streik der GDL: Vorsitzender äußert sich zum Abbruch der Verhandlungen
Selbst die Initiative Pro Bahn hatte die GDL ungewöhnlich scharf kritisiert und ihr vorgeworfen, dass die GDL sehr schnell Verhandlungen abgebrochen habe.
„Ich habe fünf Kernforderungen gestellt“, so Weselsky zu den abgebrochenen Verhandlungen, die die Aussicht auf einen Bahn-Streik der GDL deutlich hatte ansteigen lassen. „Wenn Ihnen dann jemand gegenübersitzt, der zwei davon rundheraus ablehnt und sagt: Darüber verhandle ich nicht – wie soll ich dann zu einem Kompromiss gelangen?“ Auch sein Verhandlungspartner bekam sein Fett weg.
„Herr Seiler will nicht über einen Tarifvertrag für Fahrdienstleiter verhandeln und auch nicht über die Absenkung der Wochenarbeitszeit. Dann sind wir doch durch mit den Gesprächen. Da haben wir es mit einem Schauspieler auf Seiten der Bahn zu tun.“
GDL-Streik bei der Bahn: Gewerkschaft lehnt Lohnerhöhung und zusätzliche Sonderzahlungen ab
Update vom 2. Dezember, 13.31 Uhr: Bei den Gesprächen mit GDL-Vertretern bei der Bahn am vorigen Donnerstag (Start war um 11 Uhr) sei Weselsky erst um 18 Uhr dazugekommen. Er hatte wichtigere Termine. Eine halbe Stunde später war die Runde dann am Ende. Am folgenden Tag, am Freitag, habe der GDL-Chef die Verhandlungen schon nach zwei Stunden abgebrochen – um Streiks anzukündigen. Pünktlich zu Weihnachten.
Die GDL lehnte bisher eine Lohnerhöhung von elf Prozent für ihre Lokführer und zusätzliche Sonderzahlungen ab. Weselsky titulierte das Angebot der Deutschen Bahn, um einen drohenden Bahn-Streik der GDL-Lokführer zu verhindern als „lächerlich“.
Drohender Bahn-Streik der GDL: Neben mehr Lohn und Inflationsausgleich auch ein 35-Stunden-Woche
Die Lokführergewerkschaft GDL fordert neben einer Lohnerhöhung und einer Inflationsausgleichsprämie auch eine 35- statt einer 38-Stunden-Woche. Am vergangenen Freitag scheiterten die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Bahn. Der Bahn-Experte Professor Christian Böttger halte dem RBB zufolge dennoch einen Kompromiss für realistisch, so sei beispielsweise ein Einstieg in die Arbeitszeitreduzierung über mehrere Jahre möglich. Dabei würden allerdings Personallücken entstehen, die die Bahn nur mit zusätzlichen Mitarbeitern abdecken könnte.
Bahn-Streik der GDL droht: Deutsche Bahn mit anderen Problemen im Winterchaos
Update vom 2. Dezember, 10.04 Uhr: Noch immer gibt es keine Neuigkeiten, wann der drohende Bahn-Streik der GDL-Lokführer kommen könnte. Aufgrund des Schnee-Chaos in Deutschland und vor allem im Süden des Landes hat die Deutsche Bahn derzeit auch ganz andere Probleme, um die Strecken wieder freizubekommen. In einem Zug mussten die Passagiere in der vergangenen Nacht gar übernachten. Denn aufgrund der 5b-Wetterlage in Deutschland mussten zahlreiche Bahnstrecken gesperrt werden.
Bahn-Streik der GDL: Gewerkschaftschef äußert sich zu möglichem Termin
Update vom 30. November, 12.32 Uhr: Auch wenn die GDL sich noch immer zu einem möglichen Streiktermin bedeckt hält, hat der Bayern-Chef der GDL, Uwe Böhm, im Interview mit der Münchener Abendzeitung (AZ) versprochen, dass der nächste Warnstreik sicher noch vor Weihnachten komme. „Aber wann genau, weiß ich nicht“, sagte er ergänzend.
Zudem äußerte er sich zur Möglichkeit von unbefristeten Streiks nach der Urabstimmung, dessen Ergebnis um den 19. Dezember erwartet wird: „Wir rechnen mit einer großen Beteiligung, die Leute schieben einfach einen großen Frust, und wir erwarten eine Zustimmung von rund 90 Prozent. Dann gehen wir in den sogenannten Weihnachtsfrieden, das heißt, wir streiken zu Weihnachten und auch an den Feiertagen nicht. [...] Ab Januar nächsten Jahres ist dann wieder alles möglich.“ Zudem erklärte Böhm vor dem drohenden Bahn-Streik der GDL, warum der Frustpegel bei Lokführern durch die Decke geht.
Drohender Bahn-Streik der GDL: EVG-Chef fordert „mehr Achtung auf der Schiene“
Update vom 28. November, 13.25 Uhr: Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) setzen sich gegen Gewalt und für mehr Respekt gegenüber Bahnpersonal ein. „Die verbalen Übergriffe haben sich in den letzten Jahren verfünffacht, Körperverletzungen haben sich verdreifacht“, sagte EVG-Chef Martin Burkert am Dienstag in Fulda bei der Vorstellung der Kampagne „Mehr Achtung auf der Schiene“. Zum Anstieg der Fälle hätten die Corona-Pandemie und die Einführung des Deutschlandtickets beigetragen.
Auch im Rahmen des jüngsten Tarifstreits zwischen Deutscher Bahn und GDL spielt der Umgang mit dem Personal eine Rolle. So beklagte ein GDL-Mitglied und Lokführer in einem offenen Brief, dass das Personal dem Frust der Kunden und Kundinnen immer ausgesetzt ist, wenn die Bahn unpünktlich ist oder es Probleme auf der Strecke gibt. „Aber auf Wertschätzung braucht man als Angestellter beim DB Konzern nicht zu hoffen, denn alle Leistungen, alles Engagement, jegliche persönliche Initiative werden ja mit dem Auszahlen des Gehalts abgegolten“, hieß es in dem Brief dazu.
Update vom 28. November, 11.05 Uhr: Wann die GDL streiken will, ist immer noch unklar. Beim vergangenen Warnstreik am 15. und 16. November vergingen zwischen Ankündigung des Streiks und der Arbeitsniederlegung nur wenige Tage. Die Bahn reagierte darauf mit einem Notfallfahrplan. Dieser ließ nur wenige Züge über die Schienen rollen. Vielerorts fiel der Bahnverkehr im Zeitraum des Warnstreiks komplett aus. Sollte sich der Tarifkonflikt bis in den Dezember ziehen, hat die Deutsche Bahn bereits einen Notfallfahrplan für die Zeit um Weihnachten erstellt.
Drohender Bahn-Streik: Kritik an GDL und Weselsky wächst
Update vom 28. November, 8.45 Uhr: Auch am Dienstagmorgen stehen Details, zum Beispiel Termin und Dauer weiterer Bahn-Streiks, noch nicht fest. Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) hatte die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn am vergangenen Freitag für gescheitert erklärt und Warnstreiks angekündigt.
Die GDL fordert unter anderem eine Wochenarbeitszeit von 35 statt 38 Stunden für Schichtarbeiter. „Jeder Praktiker, der im Tarifgeschäft steht und der im Eisenbahnsystem groß geworden ist, weiß, dass diese Absenkung niemals auf einmal erfolgen kann, sondern zeitversetzt in Schritten“, sagte der GDL-Chef Weselsky im Interview mit dem Magazin The Pioneer. Es werde gestreikt, weil die Bahn jegliche Verhandlungen zu diesem und anderen Punkte ablehne.
Update vom 27. November, 18.58 Uhr: Während weiterhin offen ist, wann die GDL zum Streik bei der Bahn aufruft, nutzen weitere Gruppierungen, um auf ihre Sache aufmerksam zu machen. Bereits am Sonntag verkündete das Aktionskomitee Bahn unter dem Titel „Kein Vertrauen in die Gewerkschaftsspitze! Schließt euch dem Aktionskomitee Bahn an“ einen Aufruf, in dem die Forderungen der GDL als „das absolut Mindeste“ bezeichnet wurde. Noch in dieser Woche soll das weitere Vorgehen besprochen werden.
Streik bei der Bahn: Pläne der GDL spalten Gewerkschaften
Update vom 27. November, 13.42 Uhr: Die Gewerkschaft hat mit Empörung auf die Aussagen von IG-Metall-Chefin Christiane Benner reagiert, die der GDL eine „unnötige Spaltung“ vorgeworfen hat. „Für uns gilt: ein Betrieb - eine Gewerkschaft. Ich bin kein Fan davon, dass unterschiedliche Gewerkschaften bei der Bahn Tarifpolitik machen“, hatte die Gewerkschafterin vor einer Woche in der Bild am Sonntag gesagt. Darauf reagiert die GDL nun mit einem offenen Brief vom Bundesvorsitzeden Günther Kinscher: „Ihnen scheint entgangen zu sein, dass der erste Versuch, die Eisenbahner zu spalten, von Ihrer Schwestergewerkschaft EVG unternommen wurde“, heißt es darin.
„Ich möchte daran erinnern, dass die IG Metall, der DGB, die Arbeitgeberverbände und die SPD in einer ‚unheiligen Allianz‘ das Tarifeinheitsgesetz auf den Weg gebracht haben und somit die Schärfe in den Tarifauseinandersetzungen mit verursacht haben“, so Kinscher weiter.
Kein Streik-Termin bekannt: GDL verweigert Verhandlungen
Update vom 27. November, 12.03 Uhr: Die GDL hat in einem neuen Statement am Montag nochmal darauf hingewiesen, dass sie so lange nicht mit der Bahn weiterverhandeln will, bis sie sich auf ihre Forderungen einlässt. „Angesichts dessen sind weitere Verhandlungen ohne Sinn und Zweck. Die GDL wird es auch in dieser Runde nicht zulassen, dass unsere berechtigten Forderungen ignoriert werden. Wie in der Vergangenheit, werden wir auch in der Zukunft dafür kämpfen. Die Arbeitgeberseite scheint das nicht zu verstehen. Dann müssen wir es ihnen eben wieder einmal beweisen,“ heißt es auf der Webseite der GDL. Zu einem möglichen Streiktermin äußerte sie sich immer noch nicht.
Erstmeldung vom 27. November, 10.46 Uhr: Die Lokführergewerkschaft GDL hat schon einmal während dieser Verhandlungsrunde gestreikt. Mit einem 20-stündigen Warnstreik wurde der Bahnverkehr größtenteils lahmgelegt. Doch damit ist lange nicht Schluss: Am Freitag (24. November) erklärte GDL-Chef Claus Weselsky die Verhandlungen erneut für gescheitert und kündigte einen neuen Streik an. Details stehen noch aus.
Die Bahn zeigt weiter keine Gesprächsbereitschaft beim Thema Arbeitszeitverkürzung, das der GDL besonders wichtig ist. Die Gewerkschaft fordert eine Arbeitszeitverkürzung von 38 auf 35 Wochenstunden für Schichtarbeiter. Weselsky sagte, man könnte die Verkürzung schrittweise einführen. Bahn-Personalvorstand Seiler hält die Forderung für unerfüllbar und sieht an dieser Stelle keinen Spielraum angesichts des Fachkräftemangels.
Tarifverhandlungen bei der Bahn: Wann wird gestreikt?
„Der nächste Warnstreik kommt bestimmt. Damit werden wir uns nicht allzu viel Zeit lassen“, sagte Weselsky der Rheinischen Post noch vor den Verhandlungen vergangene Woche. Seitdem sind die Verhandlungen zwar gescheitert, ein genauer Streiktermin steht aber noch aus. „Wann diese stattfinden werden, werden wir der Öffentlichkeit rechtzeitig mitteilen“, sagte der GDL-Chef lediglich. „Wir sehen keine Möglichkeit, mit diesem Arbeitgeber Kompromisse zu finden, und bedauern außerordentlich, dass wir die Fahrgäste, die Kunden der Deutschen Bahn weiter beeinträchtigen müssen“, so Weselsky weiter.
Streiks bei der Bahn: Wird schon der nächste Arbeitskampf der GDL unbefristet sein?
Nein, diese Möglichkeit hat Weselsky noch nicht. Die Urabstimmung in der GDL über unbefristete Streiks ist angelaufen, das Ergebnis wird aber erst rund um die Weihnachtstage erwartet. Wenn 75 Prozent der Abstimmungsteilnehmer unbefristeten Streiks zustimmen, kann Weselsky einen solchen jederzeit ausrufen.
Bis dahin muss sich der GDL-Chef auf zeitlich befristete Warnstreiks beschränken. Die Dauer des Ausstands muss zudem in einem angemessenen Verhältnis zu den Forderungen beziehungsweise der aktuellen Verhandlungssituation stehen. Bei fehlender Verhältnismäßigkeit kann ein Arbeitsgericht einen Warnstreik untersagen – so geschehen in der Tarifauseinandersetzung zwischen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Bahn im Mai.
Darf die GDL während der Urabstimmung streiken?
Ja, das ist grundsätzlich kein Problem, auch die Verhandlungen können trotz Urabstimmung fortgeführt werden. Die Atmosphäre zwischen den Verhandlern dürfte sich aber allein durch die Ankündigung der Urabstimmung verschlechtert haben, ebenso durch den 20-stündigen Warnstreik vor einer Woche. Die Delegationen sind nun für diesen Donnerstag und Freitag zu Gesprächen verabredet.
Tarifkonflikt bei der Bahn: Wie steht es um Streiks an Weihnachten?
„Die GDL hat noch nie über Weihnachten gestreikt und wird es auch dieses Jahr nicht tun. Die Weihnachtszeit ist eine friedliche - und das wird sie auch bleiben“, sagte Weselsky der Leipziger Volkszeitung. Aber wann fängt für Weselsky die Weihnachtszeit an, wann hört sie auf? Ein Großteil der Menschen, die Weihnachten mit der Bahn verreisen wollen, werden absehbar nicht an den Festtagen unterwegs sein. Ein Streik am 22. Dezember, dem Freitag vor Weihnachten, würde wohl weit mehr Reisende treffen als ein Ausstand am 25. Dezember. Gleiches gilt für Reisen nach den Festtagen.
Das Thema war auch Teil der Gespräche zwischen Bahn und GDL in der vergangenen Woche. Demnach habe die Bahn vorgeschlagen, dass in der Zeit zwischen 15. Dezember bis zum 7. Januar nicht gestreikt würde. Im Gegenzug soll sie versprochen haben, noch im Dezember eine Inflationsprämie von 2000 Euro zu zahlen. Diesen Weihnachtsfrieden lehnte die GDL aber ab.
Was fordert die GDL von der Deutschen Bahn?
Die Kernforderung der GDL ist die Arbeitszeitsenkung für Schichtarbeiter. Weselsky will so nach eigener Aussage den Beruf des Lokführers wieder attraktiver machen und für mehr Wertschätzung sorgen. DB-Personalvorstand Martin Seiler argumentiert, dass mit einer Arbeitszeitsenkung viele Menschen eingestellt werden müssten - auch angesichts des Fachkräftemangels hält er das für nicht möglich.
Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft unter anderem 555 Euro mehr pro Monat sowie eine Inflationsausgleichsprämie. Die Bahn hat in einem ersten Angebot elf Prozent höhere Entgelte bei einer Laufzeit von 32 Monaten in Aussicht gestellt, plus Inflationsausgleichsprämie.
Wie oft wurde die Deutsche Bahn dieses Jahr schon bestreikt?
Für die Fahrgäste der Bahn ist die aktuelle Situation auch deshalb beschwerlich, weil die Angst vor Streiks schon während der Tarifrunde mit der EVG im Frühling und Sommer für Unruhe sorgte. Dreimal rief die EVG zu Warnstreiks auf, zweimal fanden sie statt. Der jüngste Arbeitskampf der GDL war also der dritte Streiktag auf der Schiene im laufenden Jahr. Für die Bahn bedeuten solche Tage hohe Kosten und Ärger bei Kunden. Die ohnehin schlechte Pünktlichkeitsquote wird durch die Arbeitsniederlegungen aber nicht weiter verschlechtert: Zugausfälle werden in der Statistik nicht berücksichtigt.
Mit Material der dpa
Rubriklistenbild: © Bodo Marks / dpa







