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Putins berüchtigte Geistertanker passieren häufiger den Finnischen Meerbusen und gefährden den Seeverkehr. Finnland verstärkt die Überwachung.
Helsinki – Russlands Schattenflotten könnten die Umwelt gefährden: Der finnische Grenzschutz hat angesichts der russischen Flotten, die trotz Sanktionen russisches Öl durch die Ostsee transportieren, vor dem Risiko einer Ölpest gewarnt. 70 dieser Schiffe würden wöchentlich mit 100.000 Tonnen Rohöl an Bord den finnischen Meerbusen passieren, nachdem sie in verschiedenen russischen Häfen beladen wurden.
Putins Geisterflotten schlagen zu – Finnland alarmiert
Es bestehe „ein erhöhtes Unfallrisiko mit Folgen für die Umwelt“, sagte der Leiter der Abteilung für maritime Sicherheit, Mikko Simola. Die Zahl der Tankerfahrten in dem Gebiet sei „ungefähr gleich hoch oder sogar höher als vor dem russischen Angriff auf die Ukraine“, erklärte der finnische Grenzschutz weiter. Die älteren Schiffe ohne eindeutige Zugehörigkeit und Versicherung ermöglichen es Russland Experten zufolge trotz der wegen des Angriffskriegs verhängten Sanktionen weiter massiv Öl zu exportieren.
Dem Grenzschutz zufolge fahren die Tanker etwa unter den Flaggen von Kamerun, Gabun, Dschibuti, Palau oder Belize. Diese seien in der nördlichen Ostsee „noch nie zuvor“ gesehen worden. Die Überwachung des Gebiets sei verstärkt worden, erklärte der Grenzschutz. Finnland sei bereit, mit Unterstützung anderer Anrainerstaaten der Ostsee wie Schweden oder Estland einzugreifen.
Putins Schattenflotten sind häufig schrottreif
Fehlende Kenntnisse der Besatzung erhöhen offenbar ein Unfallrisiko. „Wir gehen davon aus, dass einige dieser Schiffe eine Besatzung haben, die möglicherweise noch nie in diesem Gebiet gefahren ist. Das stellt ein Unfallrisiko dar“, sagte Tuomas Luukkonen gegenüber der Zeitung Ilta-Sanomat im Jahr 2023. „Wir erhalten keine Informationen über die Besatzung oder den Zustand und das Alter der Schiffe, da sie keine europäischen Häfen anlaufen“, fügte Ulla Tapaninen, Professorin für Seeverkehr an der Technischen Universität Tapaninen, hinzu.
Zudem sind die Schattentanker von Wladimir Putin meistens in einem schrottreifen Zustand. Laut des Schweizer Nachrichtenportals Infosperber sind russische Schiffe meistens nicht mehr unter der Aufsicht großer Versicherungsgesellschaften. Deshalb greife das Land auf ältere Schiffe zurück, die teils schon für die Verschrottung vorgesehen waren oder außer Dienst gestellt wurden.
Warum sind Ölexporte wichtig für Putin und Russlands Wirtschaft?
Derzeit versucht Putin alles, sein Öl-Geschäft nach vorne zu treiben und umgeht sogar dafür Sanktionen. Für Russlands Wirtschaft sind die Ölexporte ein starkes Rückgrat. Seitdem der Westen Sanktionen gegen Russland verhängt hat, wurden die Ölausfuhren erheblich eingeschränkt. Zum Hintergrund: Die EU-Staaten haben sich auf einen Preisdeckel für russisches Öl geeinigt (60 US-Dollar pro Barrel). Damit soll verhindert werden, dass Russland mit Ölexporten Milliarden-Gewinne macht.
Wie funktionieren Putins Schattenflotten?
Sogenannte „Schattenflotten“ oder „Geisterschiffe“ fahren oft unter den Flaggen von Ländern, die keine strengen Schifffahrtsvorschriften haben. Dies sind zum Beispiel Panama, Liberia und die Marshallinseln. Die Eigner solcher Schiffe haben in den seltensten Fällen Kontakt zu den US- oder EU-Behörden. Das erschwert die Überwachung, ob Sanktionen eingehalten werden.
Putin will Sanktionen im Ölgeschäft umgehen und nutzt Schattenflotten
Die G7 suchen nach Möglichkeiten, um Russlands Gewinne aus Ölverkäufen weiter zu senken, während gleichzeitig die Stabilität der globalen Energiemärkte gewährleistet bleibt. Im November 2023 hatte das US-Finanzministerium zum Beispiel mehrere Tanker aus der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Sanktionen belegt, weil hier angeblich Verstöße gegen den Ölpreisdeckel vorlagen. Unter anderem haben die USA dann das Recht, Mittel der Verantwortlichen zu beschlagnahmen. Die Hälfte der Tanker, gegen die seit 2023 Sanktionen existieren, haben seitdem keine russische Fracht mehr geladen. Das berichtete Bloomberg unter Berufung auf Schiffsdaten. (bohy mit Material der AFP)
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